Meinung

Der Verstand bleibt im Fahrtwind auf der Strecke

Randale auf der Fahrradstraße: Unsere Kommentatorin fragt sich, warum bekommen wir Menschen das mit der Rück- und Vorsicht so gar nicht hin?
Redakteurin Silvia Seimetz am Lohtor, im Hintergrund die Kirkeby-Skulptur, Sparkasse Vest Recklinghausen und Propsteikirche St. Peter. Auch auf diesem Platz ist das Miteinander von Radlern und Fußgängern nicht immer einfach. © Meike Holz

„Auf dem Highway ist die Hölle los“ heißt ein Film aus den 80er-Jahren. Die Fortsetzung ließe sich in Hochlarmark drehen. Der Highway heißt Nonnenbuschweg und ist seit Kurzem Fahrradstraße. Ja, und inmitten der Felder herrscht viel Betrieb. Eine Hölle machen erst wir Menschen daraus.

Denn es geht um einem rund 1,5 Kilometer langen, asphaltierten Feldweg zwischen Stuckenbusch und Hochlarmark. Dass er von Autofahrern illegal als Schleichweg genutzt, nervt seit Jahren. Doch mit dem Trend zum Fahrradfahren ist eine weitere Gefahr hinzugekommen: der Radler. Zumeist der eilige, der mit Motor oder Hightech gestützter Muskelkraft vorbeisaust. Das wäre nicht schlimm, würde im Fahrtwind nicht so oft der Verstand auf der Strecke bleiben.

Denn, liebe Radler: Ihr habt keine eingebaute Vorfahrt. Und selbst Fahrradstraßen sind in den seltensten Fällen ausschließlich für euch da. Ein Blick auf das Schild hilft.

Übrigens, ich radle sehr gern, ich laufe oder fahre Auto. Egal, wie ich mich fortbewege: Manchmal bin ich unachtsam, manchmal sind es andere. Manchmal muss mir jemand ausweichen, manchmal muss ich das für die anderen tun. Und wenn mich jemand zur Vollbremsung zwingt, bekommt er ein Winken und Lächeln. Hauptsache, es passiert nichts. Etwas mehr Rück-, Vor- und Nachsicht – und unser Leben könnte so viel entspannter sein. Übrigens nicht nur auf Fahrradstraßen.

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