Kunstpreis

Die „Schrullen“ trumpfen in Hattingen groß auf

Mit textilen Skulptur-Wesen hat die Recklinghäuserin Nicole Prinz bei der 10. Revierkunst in Hattingen den Künstlerpreis gewonnen. Die „Schrullen“ passieren einfach, sagt sie.
Nicole Prinz und ihre Schrullen. Im „Schallplatten Kunsthaus“ an der Martinistraße warten die Wesen auf neue Besitzer. © Meike Holz

Die Frage muss gestattet sein: Sind die Schrullen irdisch oder extraterrestrisch? „Sie sind natürlich irdisch“, sagt ihre Schöpferin Nicole Prinz. Mit den amorphen, quirlig anmutenden Wesen aus Wolle, Kunstfaser, Perlen, Glas und Kunststoff hat sie bei der 10. Revierkunst in der Henrichshütte in Hattingen nun den Künstlerpreis gewonnen, der neben dem Publikumspreis verliehen wurde. 70 Kreative hatten ausgestellt.

„Die Kollegen fanden, dass das mal was anderes ist“, erinnert sich Prinz an die Reaktionen vor Ort. Dabei sei die Lage ihres Ausstellungsplatzes in der „tollen Location“ nicht unbedingt die beste gewesen, obwohl sie die Möglichkeit nutzen konnte, ihre Schrullen wirksam in die Peripherie einer alten Maschine in der Henrichshütte einzufügen. Letzten Endes fielen die Wesen dann offenkundig doch genügend auf.

Nicole Prinz hat mit ihren Schrullen den Revierkunstpreis 2021 (Künstlerpreis) gewonnen. © Meike Holz © Meike Holz

Tentakel, Augen, Münder

Die Schrullen sind bunt, keine gleicht der anderen. Wieder auftauchende Elemente sind Tentakel, Augen, Münder. Wie viele es gibt? Prinz kann es nicht sagen. „Die vermehren sich ja auch, oder verschwinden wieder.“ Ende letzten Jahres erblickte die erste textile Skulptur das Licht der Welt. „Ich hatte einfach so eine Idee, die Schrullen passieren einfach“, sagt ihre Schöpferin. Sie habe stets eine Vision im Kopf, aber das Material sei dann nicht immer „so willig, wie man es sich wünscht“. Dann werde optimiert. Und das sei manchmal ein Krampf, aber irgendetwas entstehe dabei immer, sagt die gelernte Industrie-Designerin, die im Nordviertel lebt. Manchmal dauere eine „Geburt“ nur einen Abend, mal eine oder zwei Wochen.

Sexy oder obszön? Virus oder Unterwasserwesen?

„Schrullen“ sei anfangs nur ein Projektname gewesen. „Aber meine Kinder meinten, dass ich bei dem Namen bleiben soll.“ Ab 100 Euro sind die Wesen in gute Hände abgegeben. Im jüngst eröffneten „Schallplatten Kunsthaus“ an der Martinistraße sitzen sie auf einer Couch im Schaufenster und machen ihren neuen Besitzern von dort aus schöne Augen. Die Reaktionen auf ihre Kunst seien unterschiedlich, sagt Prinz. Als „sexy“ und als „obszön“ seien die Schrullen schon bezeichnet, für Viren und Unterwasserwesen gehalten worden.

Neuerdings gibt es auch Schrullen für die Wand. Prinz ist dazu übergegangen, einigen ihrer besonders amorphen, sich zu winden scheinenden Wesen ein gerahmtes Zuhause zu geben. Wer damit liebäugelt, eine Schrulle bei sich daheim aufzunehmen, kann sich im „Schallplatten Kunsthaus“ umschauen. Das ist donnerstags und freitags von 14 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet; und außerdem ein Ort der 16. Atelier- und Galerietage (24.-26. September, 1.-3. Oktober, jew. 11-18 Uhr).

Einige Schrullen gibt es neuerdings auch für die Wand. © Meike Holz © Meike Holz

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