Wandertipp

Ein Naherholungsgebiet mit eigenem Wasserfall

Im Grenzbereich zwischen Recklinghausen und Oer-Erkenschwick befinden sich interessante Ecken. Diesmal erkunden wir mit einer kleinen Wanderung die Honermannsiedlung und die dortige Halde.
Der Wasserfall wurde in dem artenreichen Biotop künstlich angelegt. © Ulrich Nickel

Wir beginnen unsere Wanderung an der Haltestelle Speckhorner Straße, die wir mit dem Bus 220 der Vestischen bequem erreichen. Nach dem Abbiegen in die Kühlstraße passieren wir ein Feld mit Echtem Buchweizen, durchmischt mit Borretsch, Wilder Malve und Büschelschön.

Ein Feld voll Buchweizen: Ursprünglich stammt die Nutzpflanze aus Asien. © Ulrich Nickel © Ulrich Nickel

Als alte Nutzpflanze, die ursprünglich aus Asien stammt, wurde Buchweizen bis ins 19. Jahrhundert angebaut und besaß als Grundnahrungs- und Futtermittel eine große Bedeutung, die mit der Einführung der Kartoffel und der Intensivierung der Landwirtschaft abnahm. Der Buchweizen gehört zu den Knöterichgewächsen und hat seinen Namen durch die Samen in Form von Bucheckern und die weizenähnlichen Inhaltsstoffe. Er wurde gesät, um die einheimische Insektenpopulation zu fördern.

Das kleine Springkraut ist Neubürger in Europa

Wir biegen links ab und begegnen dem Gänse-Fingerkraut, das gegen Durchfall und Fieber hilft. Seine Blüten öffnen sich nur bei Sonnenschein und fallen durch ihre gelben Blüten auf. Nach Passieren des Feuerwehrgerätehauses überqueren wir die Reiffstraße und lassen die Don-Bosco-Schule rechts liegen.

Der Weg führt uns weiter nach links in die Christophstraße. Nachdem wir die Bahnstrecke Recklinghausen-Münster unterquert haben, erblicken wir das Kleine Springkraut, das vor knapp 200 Jahren aus botanischen Gärten verwildert ist. Es hat sich als Neophyt (neue Art) in Mitteleuropa eingebürgert und bewohnt Wälder, Gebüsche und Schutthalden. Durch seine erfolgreiche Methode, mit einen Schleudermechanismus die Samen zu verbreiten, hat es schnell Fuß gefasst und ist in Deutschland häufig anzutreffen.

Ist für seine beruhigende Wirkung bekannt: Baldrian. © Ulrich Nickel © Ulrich Nickel

Sobald wir in die Honermannsiedlung gelangen, erfreut uns die Nachtkerze mit ihren hellgelben Blüten. Ihre Blütezeit ist sehr kurz und abhängig von Temperatur und Sonnenintensität. Sie zieht mit ihrem Duft Nachtfalter magisch an. Der Baldrian mit seiner beruhigenden Wirkung gedeiht neben der Nachtkerze und bevorzugt feuchte Gräben und Wiesen.

Zieht Falter magisch an: die Nachtkerze. © Ulrich Nickel © Ulrich Nickel

Kurze Zeit später wechseln wir rechts in die Johannesstraße und biegen schräg rechts in den Wald ab, noch bevor der Silvertbach die Straße kreuzt. Ein Schild mit der Aufschrift „Naturschutzgebiet“, das uns daran erinnert, auf den Wegen zu bleiben, um die Tiere und Pflanzen nicht zu stören, wurde neben dem Pfad aufgebaut, den wir jetzt benutzen. Früher hat sich hier am Silvertbach der Eisvogel wohlgefühlt, er ließ sich regelmäßig bei der Fischjagd beobachten. Es gehört schon Glück dazu, den Vogel zu erspähen, obwohl er nicht selten ist. Wir halten inne, genießen das Rauschen des Baches und nehmen die Vogelgesänge wahr. Singdrossel, Heckenbraunelle, Amsel und Goldammer erfreuen uns mit ihren melodischen Tönen.

Ein Industriewald ist nach der Schachtschließung entstanden

Wir haben die Gelegenheit, einen Abstecher zur Halde zu unternehmen, und sehen die Wilde Karde, die in unserer Flora mit ihrem extravaganten Blütenstand sofort auffällt. Früher wurde hier Kohle abgebaut. 1964 erfolgte der Teufbeginn der Schachtanlage Zeche General Blumenthal 8. Vor 20 Jahren wurde der Schacht aufgegeben. Nach aufwendigen Rekultivierungsmaßnahmen dient die Halde heute der Naherholung. Die natürliche Sukzession hat einen sogenannten Industriewald entstehen lassen. Birken und andere Bäumen haben diese Flächen erobert. Aufforstungen mit anderen Baumarten erfolgten bereits. Die Entwicklung von Flächen im Ruhrgebiet, auf denen sich die Natur verloren gegangenes Terrain zurückerobert, verfolgen Biologen mit großer Spannung. Nicht selten entstehen hier artenreiche Biotope mit seltenen Pflanzen und Tieren.

Abstand vom Alltag gewinnen

Über einen kleinen Weg – bitte vor Zecken in Acht nehmen – gelangen wir zu einem kleinen Wasserfall, der künstlich angelegt wurde. Mit einem Bauzaun ist der Zugang versperrt. Die naturnahen Strukturen dieser Sekundärlandschaft sorgen dafür, dass wir vom Alltagsstress Abstand gewinnen.

Unter der Eisenbahnbrücke hindurch geht es zurück zum Ausgangspunkt. © Ulrich Nickel © Ulrich Nickel

Wir nähern uns der Straße „Im Hampffeld“ und halten uns rechts, sodass wir die Halde nun von der anderen Seite sehen können. Intensiver Kamillenduft verwöhnt unsere Nase. Am Ende der Straße biegen wir links ab, unterqueren die Eisenbahn und halten uns links (Mühlen-, dann Reiffstraße). An der Schule biegen wir rechts ab und gelangen zum Ausgangspunkt zurück. In einer Blumeninsel mit roten Rosen wächst die Breitblättrige Stendelwurz, die häufigste heimische Orchidee, die sich an die Nähe zu menschlichen Siedlungen angepasst hat und sogar in Parks und auf Friedhöfen vorkommt. Sie hat sich sogar als Pionierpflanze in Rekultivierungsflächen der Braunkohle angesiedelt.

Der Abend in Recklinghausen

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