Wandertipp

Eine Landschaft mit abwechslungsreichen Strukturen

Inmitten der Stadt, zwischen Dortmunder Straße, Devensstraße und Oerweg erstreckt sich der Hinsberg. Genau das richtige Gebiet für Erholungssuchende die eine Rundwanderung starten wollen.
Der schmale, asphaltierte Weg gibt die Wanderroute vor. © Ulrich Nickel

Wer am Hinsberg wandern will, hat es von der Stadt aus nicht weit. Mit den Bussen 230 und 232 der Vestischen Straßenbahn GmbH lässt sich das grüne Fleckchen gut erreichen. Von der Haltestelle Lohweg starten wir unseren Rundgang und biegen in den Ostcharweg ein, der als breites Asphaltband in den siebziger Jahren für zahlreiche „Blechlawinen“ gebaut wurde. Komplett fertiggestellt wurde er jedoch nie. Nur ein kurzes breites Stück ist zwischen den Feldern noch erkennbar und passt hier nicht so richtig ins Bild. Plötzlich verengt sich dieses Pflaster und mündet in eine kleine Straße. Direkt am Wegesrand fällt uns das orangerote Habichtskraut ins Auge, das mit seinen Blüten einen farbigen Tupfer in der grünen Landschaft setzt. In den Gebirgen Europas ist es zuhause. Fast überall in Deutschland hat das Habichtskraut den Sprung aus den Gärten geschafft.

Der rote Klatschmohn ist unübersehbar und überall am Wegesrand. © Ulrich Nickel © Ulrich Nickel

Wir halten uns geradeaus und erblicken auf der rechten Seite das Dunkelrot des Klatschmohns, der auf unserem Weg noch häufiger mit der Kornblume um unsere Aufmerksamkeit buhlt. Wenn der Mohn seine Blüten öffnet, hat für viele Menschen der Sommer begonnen. Er steht mit seinen filigranen Blüten für Leichtigkeit und Ausgelassenheit. Eine einzelne Pflanze blüht nur zwei bis drei Tage, bevor sie verwelkt. Bis in den August hinein können uns die Klatschmohnbestände noch erfreuen. Er stammt aus dem Mittelmeerraum und hat sich als typischer Ackerbegleiter an den Rhythmus des Getreides angepasst.

„Seltene Ackerkräuter besitzen kaum eine Chance in der Feldflur Fuß zu fassen“

Hin und wieder zeigt sich der Meerrettich, der in Deutschland seit langer Zeit angebaut wird und in den meisten Fällen verwildert ist. Dieser stammt ursprünglich aus Südeuropa. Wintergerste, verblühte Rapsfelder und die ersten Maismonokulturen zeigen sich und führen uns vor Augen, dass seltene Ackerkräuter kaum eine Chance besitzen, in unserer intensiv genutzten Feldflur Fuß zu fassen. Kamille und Ackerstiefmütterchen trotzen diesen Bedingungen und haben sich, obwohl Pestizide eingesetzt werden, durchgesetzt. Wer das kleine Stiefmütterchen betrachtet, erkennt die wahre Schönheit dieser Pflanze.

Der männliche Goldammer buhlt mit seinen Rufen um die Aufmerksamkeit der Damenwelt. © Ulrich Nickel © Ulrich Nickel

Einige Meter weiter fasziniert uns ein seltener Doldenblütler, der nicht an jedem Wegesrand gedeiht. Die Hundspetersilie gilt als schwer bekämpfbares Unkraut in der Landwirtschaft, der Bestand geht jedoch zurück. Wir passieren links und rechts der kleinen Straße naturnahe Gartenstrukturen mit rotem Fingerkraut und verschiedenen Rosenarten. Es präsentiert sich die Kartoffelrose mit ihren dunkelroten Blüten. Sie stammt aus Ostasien und hat sich in Deutschland etabliert. Wir biegen links in die Straße „Zum Hinsberg“ ein und genießen den Ausblick, der sich in voller Weite bietet. Krauser Ampfer, Drüsiges Weidenröschen und später verschiedene Grasarten sind auf dem Weg zu finden. Wiesenlieschgras, Wiesenrohrglanzgras und Gewöhnliches Rispengras stehen stellvertretend für die große Gruppe. Auf der linken Seite erblicken wir einen kleinen Weiher, an dem Libellen wie kleine Hubschrauber über das Wasser huschen.

„Ein Goldammermännchen versucht, bei den Damen zu landen“

Viersamige Wicke, Wiesenlabkraut, Wiesenplatterbse und Frühlingsfingerkraut sorgen für farbige Akzente. Ein Männchen der Goldammer im Prachtkleid mit seinem leuchtend gelben Kopf und der gelben Unterseite versucht, bei den Damen zu landen. Ob er das Herz seiner Favoritin gewonnen hat, erfahren wir, wenn wir uns Zeit nehmen und den Strophen des hübschen Vogels lauschen. Die angelockten Weibchen erhalten als Geschenke Grashalme.

Heimat für viele Lebewesen: Der Weiher am Hinsberg. © Ulrich Nickel © Ulrich Nickel

Am Teich biegen wir links ab und durchwandern diese abwechslungsreiche Landschaft aus Hecken, einzelnen Sträuchern, Bäumen und großen Wiesenflächen, durchsetzt mit feuchteren Bereichen, in denen große Bestände des Schilfgrases wachsen. Wir bemerken auf der rechten Seite die Büschelrose, einen Neophyten (Neubürger), der in Ostasien verbreitet ist und sich entlang von Bahnanlagen ausbreitet. Wir gelangen auf den Ostcharweg, in den wir rechts einbiegen, und wandern zum Ausgangspunkt zurück.

Der Abend in Recklinghausen

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt