Gedenkkultur im modernen Gewand

Erinnerung an Blumenthal per App

Die Kunstmeile wird digital: Ab sofort präsentiert ein digitaler Führer die Erinnerungsorte an den Bergbau. Eine multimediale App zum Thema wurde jetzt von der Stadt vorgestellt.
Bürgermeister Christoph Tesche (r.) stellte gemeinsam mit Dr. Nico Anklam (l.) und Dr. Johanna Beate Lohff (5. v. r.) die Web-App zur Kunstmeile vor. © Christian Pozorski

Mit der Präsentation der virtuellen Erweiterung der Kunstmeile, die die Bergbautradition und -kultur wachhält, findet zugleich das Projekt „Erinnerung an Blumenthal“ sein Ende. Es startete im November 2020 und wurde vom Ministerium für Heimat, Bau, Kommunales und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Programms #heimatruhr gefördert.

„Die Bergbautradition ist tief in unserer Stadtgesellschaft verwurzelt“, sagte Bürgermeister Christoph Tesche. „Ich begrüße es ausdrücklich, dass mit der neuen App die Kunstmeile mit ihrer Vielzahl an Erinnerungsorten eine virtuelle Begleitung erhält. Ich bin mir sicher, diese wird gerade junge Bürgerinnen und Bürger ansprechen und animieren, sich mit diesem Teil unserer Heimatgeschichte in Recklinghausen auseinanderzusetzen.“

Die sogenannte Web-App ist unter https://recklinghausen.kunstmeile.app von jedem internetfähigen Endgerät erreichbar. Ein Vorteil: Die Bürgerinnen und Bürger müssen diese gar nicht herunterladen. Sobald die App gestartet ist, geht es auf eine virtuelle Sightseeing-Tour zu den Erinnerungsorten des Bergbaus auf der Kunstmeile. „Viele Recklinghäuserinnen und Recklinghäuser kennen noch die ehemalige Zechenbahntrasse in Betrieb, auf der die Kunstmeile verläuft“, so Museumsdirektor Dr. Anklam. „Mit dem digitalen Angebot können wir nun der jungen Generation die Geschichte unter und über Tage näherbringen und ebenfalls all denen, die die alte Trasse noch kennen, einen neuen Blick auf bereits Vertrautes anbieten.“

„Augmented Reality“ ist ebenfalls möglich

Die ausgewählten Orte sind mit Punkten zum Anklicken versehen. Diese informieren über die Schachtanlage General Blumenthal und führen anhand historischer Fotos und Karten vor Augen, wie die Plätze zur Zeit des Bergbaus ausgesehen haben. Ein Highlight ist die Möglichkeit der „Augmented Reality“, auf Deutsch: erweiterte Realität: Den Passanten steht beispielsweise am Lokschuppen über das Smartphone eine originalgetreu nachgebaute Lok zur Verfügung. Dabei lässt sich die Lok virtuell direkt auf der Kunstmeile platzieren.

„Mithilfe der Web-App gelingt es uns, Geschichte sowohl lebendig als auch spielerisch zu vermitteln“, betont Projektleiterin Dr. Johanna Beate Lohff. „Die einfach zu bedienende GPS-Steuerung zeigt Fahrradfahrern und Fußgängern in Zukunft, wo sie sich befinden und bietet zugleich Wissenswertes über die Geschichte Recklinghausens an diesem Ort.“

In dem Kunstprojekt „Erinnerung an Blumenthal“ entwickelte sich zudem die Unterführung auf der Kunstmeile zwischen Herner Straße und Kurt-Schumacher-Allee zum Erinnerungsort an die Schachtanlage General Blumenthal 1, 2 und 6. Bereits im Sommer 2021 gestalteten die Künstlergruppe „Die Urbanisten“ die Wände mit Motiven aus der Geschichte des Bergbaus – angelehnt an Original-Aufnahmen, die der Geschichtskreis General Blumenthal zur Verfügung stellte. Diese künstlerische Wandmalerei wird von nun an auch in der App veranschaulicht.

Kooperation von Bergleuten und Künstlern

Ziel der Landesförderung war es, einen Heimatort in Recklinghausen zu schaffen. Das ist gelungen. Die Zusammenarbeit von ehemaligen Bergleuten und Künstlern war lebendig und hat die Erwartungen übertroffen. Der Zuspruch vieler Passanten zu dem Werk zeigt, dass partizipative Projekte im öffentlichen Raum gelingen können.

Die Identifikation mit den Motiven ist offensichtlich vorhanden. Viele Bürger erinnern sich noch lebhaft an die Zeche. Dem Geschichtskreis war es ein Anliegen, dass genau diese Erinnerung an ihre Zeche Blumenthal bewahrt wird. Der Ort überliefert nun ein kleines Stück der großen Bergbaugeschichte, die Recklinghausen maßgeblich geprägt hat. Die App bietet zusätzlich spielerische Möglichkeiten, auf diese materielle Kultur hinzuweisen.

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