Es wuchert allerorten

Feuchter Sommer lässt Unkraut in Recklinghausen sprießen

Die feuchte Wärme dieses Sommers lässt Unkraut und Sträucher sprießen wie lange nicht. Hauseigentümer müssen die Gehwege an ihren Grundstücken freihalten. Das sorgt mitunter für Irritationen.
Brennnesseln sind angesichts der feucht-warmen Witterung auf dem Vormarsch. So auch an der Hertener Straße in Hochlar. © Alexander Spieß

Ralph Herrmann ist stolz auf seinen Vorgarten. Koniferen und Hortensien gedeihen vor seinem Haus an der Hertener Straße prächtig – und allzu üppig. Die Stadt forderte ihn vor Kurzem auf, die bereits auf den Gehweg wuchernden Pflanzen zurückzuschneiden. Vom Bewuchs gehe eine Unfallgefahr aus, die es zu beseitigen gelte, argumentierte die Stadt. Als Anlieger stehe er, Herrmann, in der Pflicht. Der Hochlarer tat, wie ihm geheißen. Manche Hortensien-Blüte band er zurück. „Ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht, die Blüten abzuschneiden“, sagt der Gartenfreund.

Beim Blick die Straße hinunter kommen Ralph Herrmann jedoch Zweifel daran, dass die Verkehrssicherungspflicht für jeden gilt. Fast überall ragen Äste und Zweige auf den Bürgersteig. Kein Wunder: Pflanzen, die eben noch akkurat in Form geschnitten wurden, treiben Wochen, wenn nicht Tage später neu aus.

Einen Steinwurf entfernt von Herrmanns Grundstück verengen stattliche Brennnesseln den Gehweg. Es handelt sich um eine öffentliche Fläche. Hier müsste die Stadt sich selbst einen Brief schreiben, klagt Ralph Herrmann. Ein gefahrloses Durchkommen mit Rollator oder Kinderwagen sei hier nicht möglich. Auch zahlreiche Verkehrsinseln und Böschungen im Stadtgebiet könnten einen Rückschnitt vertragen.

Musste die Pracht seines Vorgartens auf Anordnung der Stadt zurückschneiden: Ralph Herrmann. © Alexander Spieß © Alexander Spieß

Die Stadt räumt ein, dass die feucht-warme Witterung das Wachstum sämtlicher Pflanzen vorantreibt und der Aufwand für Grünschnitt in diesem Jahr ein höherer ist. Ausgerechnet in diesem feuchten Sommer müssen die Kommunalen Servicebetriebe Recklinghausen (KSR) im Kampf gegen das Unkraut auch noch ohne ihre Geheimwaffe früherer Jahre auskommen. Der sogenannte „Waver“ ist außer Dienst gestellt. Das Fahrzeug versprühte heißes Wasser, das die Zellstruktur von Löwenzahn und Disteln zerstören sollte. Schon nach wenigen Minuten fiel die so behandelte Vegetation in sich zusammen. Doch das Gefährt erwies sich als fehleranfällig. Aus wirtschaftlicher Sicht sei der Waver nicht mehr tragbar gewesen, teilt die Stadt mit.

Nun beseitigen die KSR Unkraut überwiegend so wie Otto Normalbürger – mit der Hand. Auf gepflasterten Flächen komme ein Gasbrenner zum Einsatz – der sogenannte „Zacho“. Der sei aber nur etwas für kleinere Einsätze, da er per Hand geführt wird. Größere gepflasterte Areale werden mit einer Drahtbürste als Anbaugerät vor dem Aufsitzrasenmäher behandelt. Ein Traum für jede und jeden, der schon ungezählte Stunden auf den Knien mit Unkrautzupfen in der eigenen Garageneinfahrt verbracht hat.

Neue Geheimwaffe ist schon bestellt

Ein Argument fällt in diesem Jahr jedenfalls aus. Dass nämlich vor lauter Baumbewässerung keine Zeit mehr zum Unkrautzupfen bliebe. In den trockenen Vorjahren waren die KSR überwiegend damit beschäftigt, die Straßenbäume vor dem Verdursten zu retten. Doch ganz ohne Bewässerung geht es offenbar auch in diesem Jahr nicht. Auf Anfrage erklärt die Stadt, dass es einen „Bewässerungsdurchgang“ im Frühjahr gegeben habe. Dabei seien vor allem die Bäume am Wallring und generell jüngere Exemplare gewässert worden, die noch keine ausreichend tiefen Wurzeln gebildet hatten. Der bodennahe Bewuchs im Straßenbegleitgrün wurde sogar bereits dreimal gewässert, erklärt die Stadt.

Unterm Strich bleibt dennoch mehr Zeit für andere Arbeiten – wie zum Beispiel das Entfernen von Unkraut.

Große Hoffnungen setzt die Stadt in ein neues Gefährt, das bereits bestellt ist. Es ist eine Mischung aus fahrbarem „Zacho“ und „Waver“ und soll „zeitnah“ vom Hersteller ausgeliefert werden. Die neue Geheimwaffe fährt eine Doppelstrategie: Vorne wird das Unkraut mit einem Gasbrenner verbrannt, hinten mit heißem Wasser besprüht.

Kennen auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, zugewucherte Stellen im Stadtgebiet, die einen Rückschnitt dringend nötig hätten? Schreiben Sie uns an rzredaktion@medienhaus-bauer.de

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