Tiere und Natur

Flip auf der Spur: Mit den Heuschrecken wandern

Während sich im Spätsommer die Brutsaison für die meisten Tiere dem Ende zuneigt, sind die Heuschrecken noch putzmunter. Bei einer Exkursion spürten Naturfreunde einige „Schrecken“ auf.
Die "Gemeine Sichelschrecke" zählt zu den bekannteren Heuschreckenarten und hat durchaus Ähnlichkeit mit der Zeichentrickfigur Flip. © Ulrich Nickel

Es gibt mehr Heuschrecken, als die meisten von uns ahnen: Die kleinen Gesellen, von denen in Deutschland ca. 80 Arten vorkommen, lieben die Wärme und bevorzugen trockene Lebensräume. Im Ruhrgebiet fühlen sich zahlreiche „Flips“ (so hieß die Heuschrecke bei „Biene Maja“) wohl. Sie finden auf Brachen und Halden gute Lebensbedingungen, weil sich diese Biotope aus Menschenhand schnell aufwärmen und dem natürlichen Lebensumfeld sehr ähnlich sind. Naturfreunde aus Recklinghausen begleiteten eine Exkursion des Arbeitskreises Heimischer Heuschrecken über Brachflächen in Oberhausen und erblickten Arten, die vom Klimawandel besonders profitieren.

Der „Arbeitskreis Heimischer Heuschrecken” lud zu einer Exkursion. Diese Teilnehmer fachsimpelten am Rande. © Ulrich Nickel © Ulrich Nickel

Neben der Blauflügeligen Sandschrecke und Ödlandschrecke, die zu den gefährdeten Heuschrecken gehören, zeigten sich Sichelschrecke, Westliche Dornschrecke und Langflügelige Schwertschrecke. Bemerkenswert waren die Laute der Weinhähnchen, einer Langfühlerschrecke, die in Südeuropa häufig vorkommt und langsam Mitteleuropa erobert. Innerhalb des Insektenreiches zählen die Zoologen die Heuschrecken zu den „Halbumwandlern“, die sich anders als Fliegen und Schmetterlinge nicht vom Ei über eine Larve und eine Puppe zum fertigen Insekt entwickeln. Vielmehr schlüpfen aus den Eiern die Larven, die sich mehrmals häuten und durch Abstreifen des mitwachsenden Chitinpanzers zur fertigen Schrecke entwickeln.

Larven sehen den erwachsenen Tieren schon sehr ähnlich. Nur die Flügel fehlen noch. Besondere Aufmerksamkeit erweckte die Ameisengrille, die unerkannt heimlich die Brust der Ameisen frisst. Sie kann sich perfekt tarnen, weil sie die Größe einer Ameise besitzt und auch deren Düfte nachahmen kann. Sie verbringt ihr gesamtes Leben im Ameisennest, ohne von ihrer Beute entdeckt zu werden.

Schwer zu erkennen: Die Ameisengrille ist nur zwei Millimeter groß und damit die kleinste Heuschreckenart in Deutschland. © Ulrich Nickel © Ulrich Nickel

Die Ameisengrillen sind mit bloßem Auge nur schwer zu erkennen. Deshalb ist es schwer, eine Aussage über ihre Gefährdung zu treffen. Tobias Rautenberg von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet hob zahlreiche Steine hoch, um die kleine Heuschrecke zu finden. Nach vielen Versuchen wurde er endlich fündig, fing sie mit einer Becherlupe ein, sodass die faszinierten Naturfreunde die fast ständig im Glas flitzende Grille bestaunen konnten.

Der Abend in Recklinghausen

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