Tiererziehung (mit Video)

Hunde müssen nachsitzen

Während der Lockdowns mussten auch Hundevereine ihre Pforten schließen. Die Trainer des DVG Recklinghausen sehen jetzt jede Menge Nachholbedarf bei der Erziehung der Vierbeiner.
Ganz wichtig: Leckerchen als Belohnung. Die müssen sich die Hunde freilich erst verdienen. © Meike Holz

Die Pandemie geht auch an Hunden nicht spurlos vorbei. Diese Erfahrung hat man beim Hundeverein DVG (Deutscher Verband der Gebrauchshundsportvereine) Recklinghausen gemacht. „Es gibt ganz viele Hunde, die sich corona-bedingt nicht anfassen lassen“, weiß die Vorsitzende Monika Steier zu berichten.

Ganz viele Anfragen von oft verzweifelten Hundebesitzern würden den an der Waldstraße neben dem Tierheim angesiedelten Verein erreichen. Im Mai hatte dieser seinen regulären Betrieb wieder aufgenommen.

Genau wie Menschenkinder bräuchten Welpen Kontakt zu anderen Artgenossen, aber auch zu anderen Menschen, so Steier. Wenn der nicht gegeben sei, könne das zu Problemen führen, die Besitzer selbst mit der richtigen Erziehung nicht mehr lösen könnten. Die Tiere seien von den Corona-Einschränkungen also auch betroffen. Herrchen oder Frauchen sahen kaum andere Menschen, in der Folge blieb auch der Kontakt zu anderen Hunden aus. Und das habe negative Auswirkungen.

Trainer Markus Schäfer gibt den Hundebesitzern wichtige Tipps. © Meike Holz © Meike Holz

Welpenschule musste ausfallen

Anja Rubin ist ein gutes Beispiel dafür. „Paul ist schon mein vierter Hund“, sagt die Frau aus Hochlarmark. Der 7,5 Monate alte Old English Bulldog sei sehr ängstlich. Rubin führt das darauf zurück, dass sie während des Lockdowns mit ihm nicht die Welpenschule des DVG besuchen konnte. Deshalb sei der Rüde direkt in die Junghundegruppe gerutscht. Und da muss er nun nachsitzen: Trainerin Jeanette Klappstein muss ihn kurz aus dem Rudel nehmen. Während die anderen Hunde unterschiedlich gut über die gelben Stangen hüpfen, reißt Paul diese Minimal-Hindernisse ungestüm um. Er scheint die Aufgabe nicht ansatzweise zu verstehen. „Euch lege ich mal eine einzelne Stange auf den Boden“, sagt Klappstein.

Paul habe aber schon Fortschritte gemacht, sagt seine Besitzerin, die einmal pro Woche mit ihm zum Training kommt. Inzwischen verstehe er sich mit anderen Hunden, vor Menschen aber habe er nach wie vor Angst. „Ich muss beim Gassigehen jedes Mal die Straßenseite wechseln, wenn mir jemand entgegenkommt. Das kann nicht die Lösung sein“, sagt Rubin. Paul solle auch mal problemlos mit in ein Café kommen können. Die Kommandos Sitz, Platz und Aus müsse er noch lernen, außerdem ein bisschen Hundesport betreiben. Mindestens ein Jahr dauere es noch, bis er so weit sei.

Im Hundeverein DVG Recklinghausen haben Frauchen, Herrchen und ihre Tiere nach dem langen Corona-Lockdown einiges aufzuholen. Dieser Hund gehört zu den Fortgeschrittenen in der Junghundgruppe. © Meike Holz © Meike Holz

Schäferhund pariert, aber Herrchen vergisst die Kommandos

Während der schwarz-weiße Rüde sich an den Stangen auf dem Boden versucht, werden seine Artgenossen von ihren Besitzern durch den Parcours der Anlage geschickt. Dabei stellen Mensch und Tier sich unterschiedlich geschickt an. Während der Schäferhund ganz passabel über ein Hindernis springt, einen Tunnel durchläuft und über einen Balken balanciert, lässt sein Herrchen die entsprechenden Kommandos vermissen. „Du musst ,Hopp‘ oder ,Drüber‘ sagen“, belehrt ihn Jeanette Klappstein.

Was passiert, wenn Besitzer mit einem Tier überhaupt nicht zurechtkommen, macht Monika Steier unmissverständlich klar: „Dann erfolgt eine entsprechende Meldung von uns an das Ordnungsamt.“ Kurz zuvor hatte sie die Besitzerin eines sieben Monate alten „Corona-Hundes“ in die Mangel genommen. „Das Tier ist im Welpenbereich aufgefallen, weil es attackiert, wo es nur geht. Das Problem ist die Hundeführerin, weil sie ihrem Tier alles durchgehen lässt.“ In diesem Fall sei die Ursache nicht in den Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie zu suchen.

Junghunde gewöhnen sich an Artgenossen

Trainer Markus Schäfer betreut die Fortgeschrittenen in der Junghundgruppe. Er lässt die angeleinten Vierbeiner von ihrem Frauchen oder Herrchen um die im Kreis stehende Gruppe laufen. So gewöhnen sich die Hunde sowohl an Artgenossen als auch an Menschen in ihrer Umgebung. Die Hoffnung von Anja Rubin teilen wohl alle beim DVG: „Hoffentlich kommt Corona nicht nochmal so gravierend zurück.“

Der Abend in Recklinghausen

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