Amtsgericht Recklinghausen

Im Kinderzimmer eingeschlossen: Zeuge wollte nicht aussagen

Laut Anklage war ein 18-Jähriger aus Recklinghausen Opfer eines Raubüberfalls. Im Prozess erzählte er jedoch eine ganz andere Geschichte.
Hier wurde der kuriose Fall verhandelt: Das Amtsgericht in Recklinghausen. © Jörn Hartwich

Dieser Fall ist kurios. Nach einem mutmaßlichen Raubüberfall musste sich am Donnerstag ein Mann aus Recklinghausen vor Gericht verantworten. Verurteilt wurde er jedoch nicht.

Dem Angeklagten war vorgeworfen worden, einem 18-Jährigen vor einem Jahr mit Gewalt dessen gesamtes Geld abgenommen zu haben – 130 Euro. Tatort war der Recklinghäuser Südbahnhof. Seinen Freunden und seiner Mutter hatte der 18-Jährige später erzählt, dass er abgezockt worden ist. Im Prozess hat er das jedoch nicht wiederholt. Eigentlich wollte er sogar gar nicht kommen.

Seine Mutter hatte schon morgens im Gericht angerufen und mitgeteilt, dass sich ihr Sohn im Zimmer eingeschlossen habe. Und zwar aus Angst. Am Ende war der Ex-Schüler dann aber doch da.

Die Geschichte, die er im Zeugenstand erzählte, war allerdings so unglaubwürdig, dass selbst der Staatsanwalt sagte: „Diese Aussage kann man komplett in der Pfeife rauchen.“

Der 18-Jährige hatte die Richter glauben machen wollen, dass er sein Geld völlig freiwillig abgegeben habe. Den Angeklagten erkenne er auch nicht wieder: „Der war nicht dabei.“ Ob er Angst habe? „Nein.“

Der Angeklagte selbst hatte in Absprache mit Verteidiger Jens Tuschhoff zu den Vorwürfen geschwiegen. Und weil auch ein Handyfoto keine eindeutige Identifizierung brachte, war eine Verurteilung nicht möglich. Das Strafverfahren wurde eingestellt.

Der Abend in Recklinghausen

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