Meinung

In der SPD tun sich Gräben auf

Der SPD stehen stürmische Wochen bevor. Dabei besteht die Gefahr, dass die Partei in einem offenen Lagerkampf Schaden nimmt, meint der Kommentator.
Der SPD in Recklinghausen steht ein Dreikampf um die Landtagskandidatur ins Haus. © picture alliance/dpa

Viele Jahre ruhte die SPD von außen betrachtet so still wie ein Bergsee in den Alpen. Die Spitzenpositionen in Fraktion und Stadtverband waren in festen Händen. Gleiches galt für das Landtagsmandat der Genossen. Seit 2005 sitzt der langjährige Stadtverbandsvorsitzende Andreas Becker für die Recklinghäuser SPD im Düsseldorfer Parlament. Nun gibt es mit Anna Teresa Kavena und Andreas Leib plötzlich zwei Mitbewerber bei der Kandidatenkür. Beide sind ambitioniert und sehen nun ihre Chance gekommen, den seit der Kommunalwahl schwer angeschlagenen Becker zu beerben und so endgültig zu entmachten.

Auf seinen „Amtsbonus“ als MdL kann sich Becker dabei nicht verlassen. Seine Hausmacht im Stadtverband ist geschrumpft.

Deutlich wurde dies schon vor ziemlich genau zwei Jahren, als die SPD ihren Bürgermeisterkandidaten kürte. Damals setzte sich Becker mit gerade einmal 154 zu 118 Stimmen gegen seinen bis dato weitgehend unbekannten Parteifreund Sven Mosdzien durch. Die krachende Niederlage gegen Christoph Tesche bei der Kommunalwahl im September 2020 besiegelte schließlich Beckers Amtszeit als Chef des Stadtverbandes.

Es ist offen, welcher der drei Kandidaten sich durchsetzt. Wettbewerb und Alternativen tun grundsätzlich jeder Partei gut. Bei der SPD in Recklinghausen besteht allerdings die Gefahr, dass dieser Wettbewerb ein persönlicher wird und die Partei vor eine Zerreißprobe stellt. Gelingt es nicht, die Gräben nach der Kandidatenkür schnell zu schließen, könnte das Direktmandat für den Landtag in Gefahr sein. Denn zerstrittene Parteien mit angezählten Kandidaten sind für den Wähler unattraktiv. Das erlebt die CDU gerade auf Bundesebene.

Der Abend in Recklinghausen

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