Die Kurve gekriegt: Lara besiegt ihre Phobie, Rebecca entdeckt die Lust auf Schule

Zwei junge Frauen stehen vor dem Rathaus in Recklinghausen.
Einst Problemschülerinnen, heute erfolgreiche Absolventinnen: Lara Gremerath und Rebecca Billenkamp. © Jessica Klute
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Nicht jeder Schulweg ist linear. So auch nicht für die Recklinghäuserinnen Rebecca Billenkamp und Lara Gremerath (beide 19). Trotz größter Schwierigkeiten haben sie für den gesamten Regierungsbezirk Münster besondere Abschlüsse geschafft. Bürgermeister Christoph Tesche zeichnete die beiden Recklinghäuserinnen nun in einer Feierstunde im Rathaus aus.

Lara Gremeraths Weg zum Hauptschulabschluss war steinig. Sie leidet unter einer sozialen Phobie, zuletzt musste ihre Mutter sie bis in das Klassenzimmer begleiten. Aufgrund dieses Krankheitsbildes ist sie drei Jahre lang nicht zur Schule gegangen. Doch dann entschied sie sich, ihren Hauptschulabschluss in der Jugendwerkstatt Quellberg zu machen – und nach nur einem Jahr in der Einrichtung an der Amelandstraße hat sich ihre Angst spürbar gelegt. Nun ist sie deutlich entspannter und meistert soziale Situationen augenscheinlich spielend. Bei dem Termin im Rathaus scheint sie etwas zurückhaltend, aber entspannt und offen für die ungewohnte Situation. Eine immense Entwicklung für diesen kurzen Zeitraum.

Zweimal in der 9. Klasse sitzengeblieben

Rebecca Billenkamp bezeichnet sich selbst als klassische Schulschwänzerin. Sie hat bereits zweimal die neunte Klasse besucht und nicht bestanden, bevor sie zur Jugendwerkstatt gekommen ist. „Die Jugendwerkstatt ist meine letzte Chance“, ist sie sich bewusst. Heute erkennt sie, dass es keine gute Idee war, die Schule zu meiden. Sie hat nun eine ganz andere Einstellung zum Lernen. Sie hat jetzt Spaß am Unterricht und macht bereits konkrete Pläne für die Zukunft. Nach der für beide Schülerinnen als Nächstes anstehenden Fachoberschulreife bei der Jugendwerkstatt Quellberg, möchte sie auch das Vollabitur machen und danach ein Studium der Pädagogik absolvieren.

Im Gegensatz dazu hat Lara Gremerath noch keine konkreten Zukunftspläne. Nur eines ist ihr bereits klar. Sie macht „auf jeden Fall weiter Schule“ und das ist eine unfassbar positive Entwicklung nach nur einem Jahr in der Jugendwerkstatt Quellberg. Bürgermeister Christoph Tesche zeigt sich im Rathaus beeindruckt von dieser Motivation zu lernen von beiden Schülerinnen und betont: „Ich finde es bewunderns- und auch nachahmenswert, dass Sie sich direkt wieder neuen Herausforderungen stellen.“

Eine sechsköpfige Gruppe steht vor dem Rathaus in Recklinghausen.
Im offiziellen Rahmen wurden die beiden Recklinghäuserinnen von Bürgermeister Christoph Tesche (r.) ausgezeichnet. Mit dabei (v.l.): Schuldezernent Dr. Sebastian Sanders, Gerd Lambertz (Leiter Jugendwerkstatt), Lara Gremerath, Rebecca Billenkamp und Patrick Dülge (Jugendwerkstatt). © Jessica Klute

Am Dienstag (6.9.) ehrte Bürgermeister Christoph Tesche die beiden Recklinghäuser Schülerinnen nun für ihre außerordentlichen Hauptschulabschlüsse. Besonders mit Blick auf ihre steinigen Wege sei dies ein riesiger Erfolg für die beiden jungen Frauen. Patrick Dülge, stellvertretender Leiter der Jugendwerkstatt Quellberg, erklärte, dass im Regierungsbezirk Münster bei der sogenannten Externen-Prüfung etwa 250 Abschlüsse in diesem Jahr vermerkt wurden, und Rebecca Billenkamp und Lara Gremerath sind mit ihren Hauptschulabschlüssen die beiden Besten, mit den Noten 1.0 und 1.2.

Auf die Jugendwerkstatt Quellberg angesprochen merkte Rebecca Billenkamp an, dass sie vom Unterricht positiv überrascht sei, da sie es sich „schlimmer“ vorgestellt habe. Es gäbe keinen Druck auf die Schüler vonseiten der Jugendwerkstatt, wie es oft in Schulen der Fall ist. „Das Lernen macht sogar Spaß“, betonte die ehemalige Schulschwänzerin.

Auch das Verhältnis zu den Eltern hat sich entspannt

Gerd Lambertz gab einmal mehr den Rat, den er seinen Schülern gerne gibt: „Macht das, worauf ihr Lust habt. Ich wollte in die Verwaltung und bin nun seit etwa 30 Jahren in der Verwaltung und nur an drei Tagen jemals unglücklich dabei gewesen.“

Auch in ihrem Privatleben gehe es mittlerweile entspannter zu, erklärte Rebecca Billenkamp. Früher sei es immer wieder zu Konflikten mit ihren Eltern gekommen. Mittlerweile habe sich das Verhältnis deutlich gebessert.

„Ich bin stolz darauf, dass wir in Recklinghausen so erfolgreiche Einrichtungen haben, die Jugendlichen helfen“, sagt Bürgermeister Chistoph Tesche über die Jugendwerkstatt Quellberg. Die Angebote der von der Stadt Recklinghausen getragenen Jugendwerkstatt Quellberg richten sich an Jugendliche, die die Schule mit schlechtem Zeugnis oder ohne Abschluss verlassen haben und keine Aussicht auf einen Ausbildungsplatz haben. Vor allem gehe es darum, den Jugendlichen ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurückzugeben. Bei Rebecca Billenkamp und Lara Gremerath hat das funktioniert.

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