Theater und Musik im Stadion?

Kulturpolitiker als „Heuchler“ bezeichnet

Wenn es nach dem Vorsitzenden des Kulturausschusses ginge, würde es in Zukunft viel mehr Kulturveranstaltungen im Stadion Hohenhorst geben. Sportvereine laufen gegen dieses Ansinnen Sturm.
Das Stadion Hohenhorst ist auch am 13. Juni Schauplatz einer Ruhrfestspiel-Veranstaltung. Die Fußballerinnen des 1. FFC Recklinghausen werden ausweichen. © Jörg Gutzeit

Der Recklinghäuser Leichtathletik-Club von 1952 ist einer von fünf Vereinen, die das Stadion Hohenhorst nutzen. Seine Geschäftsführerin Barbara Ziesmer-Praßni findet harte Worte für Kulturpolitiker wie Holger Freitag. „Was seid ihr Kulturis doch für Heuchler!“, schreibt Ziesmer-Praßni in einer Stellungnahme zu dem Vorstoß des Grünen-Fraktionschefs und Vorsitzenden des Kulturausschusses. Freitag wollte im Stadion Hohenhorst wegen des Erfolgs der ausgelagerten Ruhrfestspiel-Aufführungen auch in Zukunft mehr Kultur stattfinden lassen.

Die Geschäftsführerin des Recklinghäuser LC legt nach. „Seit Monaten bedauert ihr mit Krokodilstränen, dass unsere Kinder nicht zur Schule dürfen, quasi unter Hausarrest stehen, aber wenn es denn darum geht, den Kids etwas mehr an Freiheit und Bewegung zu ermöglichen, dann sind euch die kulturellen Bedürfnisse der Großen, eine tolle Akustik und ein Open-Air-Ambiente im Stadion Hohenhorst wieder viel wichtiger.“

Gruppen gegeneinander ausgespielt?

Sie befürchte, schreibt Ziesmer-Praßni, dass mit Kulturschaffenden und Kindern bzw. Familien nun zwei Gruppen gegeneinander ausgespielt werden, die beide besonders im Lockdown gelitten hätten.

Allein der Recklinghäuser LC trainiere pro Woche mehr als 400 Kinder, Jugendliche und Leistungssportler. „Darunter ein Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft für Gehörlose, das sich soeben für die Teilnahme an der Gehörlosen-WM in Lublin im August qualifiziert hat.“

Ursprünglich hätten die Vereine wegen der Ruhrfestspiele 18 Tage lang nur bis 15 Uhr trainieren sollen, was aus Sicht der Geschäftsführerin einem Sportverbot gleichgekommen wäre. Als Kompromiss sei eine sportliche Nutzung bis 18.30 Uhr beschlossen worden. Das Team der Festspiele habe unter anderem die Laufbahn und andere Bereiche des Stadions freigehalten. Dennoch sei das Ganze für die Sportler keine allzu schöne Erfahrung gewesen, klagt Ziesmer-Praßni. Für ältere Jugendliche und Senioren habe es zudem keine Ausweichmöglichkeit gegeben.

Der Lauftreff Recklinghausen nutzt das Stadion Hohenhorst nach eigenen Angaben immer dienstags mit rund 50 Läufern. Nordic Walking und das Erwerben von Sportabzeichen sind weitere Schwerpunkte. Auch der FC 96, der 1. FFC Recklinghausen und die Chargers nutzen das Stadion Hohenhorst.

Kritik hinter den Kulissen

Aus Reihen der Sportvereine war hinter den Kulissen schon vor der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses Kritik an den Plänen für mehr Konzerte und Aufführungen im Stadion Hohenhorst geübt worden. Fachbereichsleiterin Beate Ehlert-Willert hatte das Ansinnen Holger Freitags dann auch abgelehnt. Künftig rollt also wieder vor allem der Ball im Stadion Hohenhorst.

Der Abend in Recklinghausen

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt