Horizontobservatorium

Lösung noch in diesem Jahr? Stahlbögen sollen erhalten bleiben

Seit 2009 sind die weithin sichtbaren Bögen des Horizontobservatoriums auf der Halde Hoheward gesperrt. Der Rechtsstreit um die Schäden am Bauwerk schien endlos. Doch nun tut sich etwas.
Dämmert hier neue Hoffnung? Seit 2009 sichern Stützpfeiler das beschädigte Horizontobservatorium. © Jörg Gutzeit

Man spricht miteinander. Das war lange nicht der Fall. Der Regionalverband Ruhr (RVR) bestätigt, dass es „Verhandlungsgespräche“ mit allen Beteiligten des Beweissicherungsverfahrens rund um das gesperrte Horizontobservatorium gibt. Also auch mit den Windgutachtern, Statikern und der Münchener Stahlbaufirma, die das Monument 2008 auf dem Gipfel der Halde an der Stadtgrenze zwischen Recklinghausen und Herten errichtete. Zwar finden diese Gespräche bislang noch am Landgericht Bochum im Beisein des Vorsitzenden Richters statt, aber das Ziel sei eine außergerichtliche Einigung mit dem vorrangigen Ziel, die Landmarke zu erhalten.

Die Gutachter hatten vor wenigen Jahren gar den Abriss des Horizontobservatoriums empfohlen. Das wäre jedoch der finanzielle Super-GAU. Die Kosten für Abriss und Neubau dürften bei mindestens fünf Millionen Euro liegen. Der Regionalverband äußerte bereits vor Jahren die Sorge, dass sich in der Öffentlichkeit kaum Akzeptanz dafür finden dürfte, wenn abermals Steuergelder in Millionenhöhe für das Projekt ausgegeben würden.

„Das Horizontobservatorium sollte auf keinen Fall abgebaut werden“, sagt die Recklinghäuser SPD-Vorsitzende Anna Teresa Kavena, die seit der Kommunalwahl auch einen Sitz im Ruhrparlament, der RVR-Verbandsversammlung, hat. Nun seien „kreative Lösungen“ gefragt, um das Bauwerk erhalten und alsbald wieder öffnen zu können.

Schuldfrage nicht eindeutig zu klären

Gutachter hatten festgestellt, dass die Schuldfrage der gerissenen Schweißnähte nicht eindeutig zu klären sei. Eine Teilschuld sahen die Gutachter bei nahezu allen Beteiligten, das heißt in der Planung wie auch in der Bauausführung.

Eine vertrackte Situation. Oder nicht? Anna Teresa Kavena glaubt, dass die Teilschuld aller Beteiligten auch etwas Gutes hat: „So kann man sich zusammensetzen und wirklich einen Kompromiss finden, bei dem alle aufeinander zugehen. Es geht ja nicht mehr darum, einen allein Schuldigen zu finden.“ Eine rasche Wiedereröffnung des Bauwerkes mache auch aus einem anderen Grund Sinn, meint Kavena: „Die zugesagten Fördergelder fließen nur, wenn das Horizontobservatorium auch für Besucher zugänglich ist.“

Zur Sache

Das Horizontobservatorium

Im November 2008 wurde das Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward mit einem Volksfest eröffnet. Bereits Anfang Januar 2009 bemerkten Spaziergänger eine gerissene Schweißnaht. Die Bögen der Landmarke haben einen Durchmesser von 90 Metern. Unter ihnen ist ein Amphitheater in den Boden eingelassen, in dem astronomische und kulturelle Veranstaltungen stattfinden sollten. „Das abgesenkte Forum ermöglicht die Beobachtung von Gestirnsauf- und Untergängen an einem künstlichen Horizont“, heißt es in einer Beschreibung der Sternwarte Recklinghausen. „Peilmarken markieren ausgezeichnete Richtungen wie z.B. Sonnenauf-/-untergang zur Sommer-/Wintersonnenwende.“

Bereits vor Jahren präsentierte Dr. Burkard Steinrücken, Leiter der Recklinghäuser Sternwarte und geistiger Vater des Horizontobservatoriums, Pläne für den Erhalt der Stahlbögen. Sein Modell sah weitere Äquatorbögen vor, um das Bauwerk zu stabilisieren. Dem RVR hat Steinrücken sein Konzept bereits vorgestellt.

Beim Regionalverband hofft man, noch in diesem Jahr zu einer Einigung mit den anderen Beteiligten des langwierigen Beweissicherungsverfahrens zu kommen. Längstens ein halbes Jahr dürfte dann noch vergehen. Gemessen an den zwölf Jahren der Sperrung ist das nicht viel.

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