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MGNFY – eine Agentur startet durch

Erfolgsgeschichten muss man in der Corona-Pandemie suchen, Martin Königsmann und Marco Völkel können definitiv eine erzählen. Und das Ende ist wohl noch lange, lange nicht erreicht...
Die MNGFY-Macher: Martin Königsmann (l.) und Marco Völkel. © Privat

Krise? Welche Krise? Auch am Königswall 9 blickt man mit einer gewissen Nachdenklichkeit auf die vergangenen anderthalb Jahre zurück, doch ganz aktuell können Martin Königsmann (46) und Marco Völkel (40) höchst erstaunliche Zahlen liefern: „Wir hatten früher zumeist drei Mitarbeiter, in die Pandemie sind wir mit nur noch einem Mitarbeiter gegangen, und jetzt arbeiten hier mit uns zusammen elf Leute.“ Und was daran am meisten verblüfft, ist: Königsmann und Völkel leiten im weiteren Sinne eine Agentur für Künstlermanagement, sie bewegen sich somit in einer Branche, die wie fast keine zweite vom Corona-Virus in den Schwitzkasten genommen wurde. Wie geht das also?

Die Antwort ist komplex, aber eines ist definitiv richtig: Die Corona-Krise, die anfangs auch Swinque, wie die Agentur damals noch hieß, kalt erwischte („Es war die Hölle.“) hat das Duo letztlich dazu bewegt, zunächst einmal innezuhalten und sich dann ein paar entscheidende Frage zu stellen. Martin Königsmann erklärt, welche das waren: „Wer sind wir? Wie sind wir hier hergekommen? Was haben wir richtig gemacht? Und wo wollen wir hin?“

Was im Anschluss passierte, war nicht weniger als ein Neuanfang, der letztendlich auch in eine Namensänderung mündete, die symbolischer kaum sein könnte: Aus der Agentur Swinque wurde MGNFY, wobei man einfach nur die Vokale aus dem englischen Wort Magnify entfernt hat, was nichts anderes bedeutet als „Vergrößern“.

„Wir wollen Trendsetter sein“

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Auch Swinque, das 2010 von Königsmann und Völkel gegründet wurde, die sich vier Jahre zuvor nicht gesucht, aber gefunden hatten, war bereits ein erfolgreiches Unternehmen. Und das quasi betriebseigene „Sunset Beach Festival“ in Haltern, wo Musiker wie Martin Solveig, Jax Jones, Alle Farben, Lost Frequencies oder Felix Jaehn jährlich mehr als 12.000 Besucher anlockten, war ein deutlicher Beleg für die Schaffenskraft.

Allerdings hat sich Swinque immer in erster Linie als Künstleragentur begriffen. Marco Völkel erinnert sich an nächtelange Gespräche mit Musikern, in denen es darum ging, „deren Charakter und Visionen zu lesen“, und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. „Wir wollen Partner, Ideengeber, Mitdenker und Trendsetter sein“, sagen die beiden unisono, und das künftig für Künstler und Veranstalter gleichermaßen.

Und das ist eben neu bei MGNFY, das seine Philosophie auf vier Säulen stellen will: Musik, Live, Marketing und Business. Vollversorgung, doch eben nicht nur ausschließlich für Musiker, sondern auch für Veranstalter, die gerne auch als Event-Kunden bezeichnet werden. Denn die hängen in Deutschland (und auch woanders) oft am langen Arm der großen Ticketanbieter. „Und da wollen wir demokratisieren“, sagt Königsmann.

Sie arbeiten an der „Demokratisierung des Marktes“

Was bedeutet: Man will im besten Sinne Dienstleister für die Veranstalter sein und die gesamte Marketing-Planung übernehmen: „Wir kümmern uns um die Analyse der jeweiligen Eventmarke, beraten bzgl. Content-Kreation, strukturieren die PR und setzen sowohl das Social Media- als auch das Performance-Marketing um. Dabei kooperieren wir mit dem Ticketanbieter Ticket iO sehr intensiv. Dadurch ist eine Mehrleistung entstanden, die z.B. Eventim eben nicht bietet.“ „Wir denken immer „pro Veranstalter“, das ist die Demokratisierung“, erklärt Völkel. Im Idealfall soll den Veranstaltern eine ganzheitliche Lösung geboten werden vom Ticketing bis hin zum Marketing. Möglicherweise das Wichtigste ist aber: Die Event-Kunden/Veranstalter zahlen pro Ticket. „Und das ist bisher einzigartig auf dem Markt.“

Und das alles ist nicht etwa reine Absicht, es ist längst angelaufen und kommt bei den Veranstaltern gut an: „Das Ding geht durch die Decke“, sagt Königsmann. Das hat Folgen: Die Zahl der Mitarbeiter wächst, der Arbeitsraum schrumpft entsprechend. Deswegen haben sich Königsmann und Völkel in der Stadt nach einer neuen „Bleibe“ umgeschaut, und sie sind fündig geworden – am Kurfürstenwall. Ein neues 220 Quadratmeter großes Büro wird MGNFY dort beziehen, und so international die Agentur auch ausgerichtet ist, so bodenständig bleibt sie hier: „Wir rütteln nicht am Standort Recklinghausen, wir fühlen uns hier wohl.“ Aber: Es gibt weiterhin Personalbedarf im Bereich Social Media Manager, Media Buyer und Marketing Manager: „Daten sind die wirkliche Währung“, sagt Marco Völkel, „je mehr man von seiner Zielgruppe weiß, desto besser kann man kommunizieren.“ Und deshalb richtet Martin Königsmann einen dringenden Appell an die, die es angeht: „Kommt zu uns!“

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