Wohnungsgesellschaft

Mieter warten seit acht Monaten aufs Internet

Die Neubauten der Wohnungsgesellschaft an der Jägerstraße sind schick. Gar nicht schön finden die Mieter, dass sie seit dem Einzug im Februar auf den versprochenen Glasfaseranschluss warten.
Am 1. Februar sind die Mieter in die neuen Häuser der Wohnungsgesellschaft an der Jägerstraße 13 und 14 eingezogen. Bis heute warten sie auf den versprochenen Glasfaseranschluss. © Jörg Gutzeit

Fast acht Monate nach ihrem Einzug haben die Mieter im Neubau der Wohnungsgesellschaft an der Jägerstraße keinen vernünftigen Internetanschluss. Seitdem würden sie immer wieder mit neuen Erklärungen abgespeist und vertröstet, „aber vor allem werden wir verschaukelt“, sagt die Frau, die am 1. Februar 2021 eingezogen ist. Sie und ihre Nachbarn fühlen sich im Stich gelassen, von der Wohnungsgesellschaft (WG), der Stadt und der Firma Gelsen-Net.

Eigentlich war alles ganz anders geplant: An der Jägerstraße in Süd baute die WG öffentlich geförderte Wohnungen zwischen 50 und 77 m². Die dreigeschossigen Häuser haben eine ansprechende Klinkerfassade, die Wohnungen Balkone und Terrassen. Und das Haus sollte ans Glasfasernetz angeschlossen werden.

„Darum habe ich auch direkt zum Einzug einen Vertrag mit Sky abgeschlossen“, erzählt die Mieterin, die ihren Namen öffentlich nicht nennen möchte. Bis heute zahlt sie dafür 20 Euro im Monat, nur hat sie nichts davon. Denn mit dem Glasfaseranschluss wurde es bis heute nichts und damit hat das Haus auch nicht den Internetanschluss, der etwa für Sky nötig ist.

Die Wohnungsgesellschaft kann die Aufregung ihrer Mieter nicht wirklich nachvollziehen. „Alle Mieter unserer beiden öffentlich geförderten Neubauten an der Jägerstraße 13-14 wurden bereits am 15. Juni darüber informiert, dass sich der Anschluss der Häuser an das Glasfasernetz verzögert“, heißt es in einer Stellungnahme. Die Ursache dafür liegt einige Kilometer weit weg, nämlich an der für Lkw gesperrten, baufälligen Emscherbrücke. Die Laster müssen von der A43 abfahren und werden unter anderem über die Bochumer Straße umgeleitet. „Daher wird der Firma Gelsen-Net aktuell keine Genehmigung zur notwendigen Verlegung der Glasfaserkabel erteilt“, erläutert die WG weiter. Das alles ist den Mietern bekannt. Doch eine konkrete Antwort, wann das Kabel verlegt werden könne, habe sie nie bekommen. „Ich rufe immer wieder an, wurde von der WG ans Ordnungsamt und wieder zurück verwiesen“, erzählt sie. Und als ihr dann gesagt wurde, dass die Brücke über Jahre gesperrt bliebe und so lange auch die Bochumer Straße für ein Glasfaserkabel nicht aufgerissen werden dürfe, wandte sie sich an unsere Zeitung.

Eine schnellstmögliche Lösung finden

Dass der Zustand tatsächlich Jahre anhalten könne, diese Auskunft will der Frau auf unsere Nachfrage niemand gegeben haben. „Derzeit laufen Gespräch mit allen Beteiligten, um eine schnelle Lösung des Problems zu finden und die Glasfaseranschlüsse schnellstmöglich zu realisieren“, teilt eine Sprecherin von Gelsen-Net mit: „Wir hoffen auf eine positive Rückmeldung der Behörden in der nächsten Woche und können dann direkt den Bau weiterumsetzen.“

Die Nachbarschaft an der Jägerstraße ist skeptisch, dass ihr Problem sich nun doch so „schnell“ lösen soll. Schließlich seien sie in der Vergangenheit von WG und Gelsen-Net schon oft genug vertröstet worden, auch wenn es um angebliche Alternativen ging.

So hatte die WG etwa in ihrer Stellungnahme betont: „Unabhängig davon möchten wir darauf hinweisen, dass die Firma Gelsen-Net den Mietern auf Kulanz kostenfrei DVBT-Receiver sowie Internet-Surfsticks zur Verfügung stellt.“ Ob diese Technik funktioniert, hat den Hauseigentümer offenbar nicht interessiert. „Ich habe den Receiver nie bekommen, schon an der Haustür wurde mir von den Technikern gesagt, dass das Signal zu schwach ist.“ Und überhaupt wäre nur den wenigen Gelsen-Net-Kunden im Haus das Gerät zur Verfügung gestellt worden: „Von denen hat es aber keiner mehr, weil es nicht lief.“

Kostenloser Receiver hatte Signaleinbrüche

Dass es Probleme gab, räumt das Unternehmen sogar ein: „Nach Beschwerden der Mieter über Signalabbrüche beim Fernsehen, hat die Firma Gelsen-Net auf eigene Kosten direkt im Februar eine Satelliten-TV-Kopfstelle auf dem Gebäude installiert und kostenfrei SAT-Receiver bereitgestellt, so dass den Mietern seitdem alle digitalen Standardprogramme zur Verfügung stehen.“ Pay-TV-Angebote wie Sky sind darüber allerdings nicht zu empfangen.

Gelsen-Net hat den Mietern an der Jägerstraße vor wenigen Wochen ein neues Angebot gemacht: „Zusätzlich können die Mieter seit Anfang August unsere VDSL-Produkte mit Telefon- und Internetanschluss bis zur Realisierung des echten Glasfaseranschlusses kostenlos buchen und werden dann automatisch auf das HighSpeed-Produkt umgestellt“, teilt die Pressestelle mit. Die Mieterin hat diese Post auch bekommen, sie habe aber kein Interesse: „Die wollen auf diesem Wege nur erreichen, dass wir Verträge mit denen abschließen.“

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