Mit und von Jugendlichen lernen

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Halten den Kinder- und Jugendtreff "WiLmA" gemeinsam mit vielen weiteren ehrenamtlichen Helfern aufrecht: (v.l.) Gisela Brand, Dr. Walter Pohle und Christel Bois. © Alina Meyer
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Kinder und Jugendliche finden bei „WiLmA“ an der Marienstraße 7 eine Anlaufstelle, um sich auszutoben und den Schulunterricht aufzuarbeiten. Um Hausaufgabenbetreuung, Lernförderung und Jugendtreff aufrechtzuerhalten und bestenfalls weiter auszubauen, sucht „WiLmA“ ehrenamtliche Helfer. Jeder, der Lust hat, sich stundenweise einzubringen, ist willkommen.

„WiLmA“ steht für „Wohnen im Ladenlokal mit Aktionen“. Dr. Walter Pohle hat den Treff 2009 mithilfe der Rotarier ins Leben gerufen und mit viel handwerklichem Geschick aus zwei alten Ladenlokalen geschaffen.

Von außen kommt der Kinder- und Jugendtreff „WiLmA“, der in einem ehemaligen Ladenlokal an der Marienstraße 7 beheimatet ist, ein wenig unscheinbar daher, doch im Innern tobt das Leben. © Alina Meyer © Alina Meyer

Auf etwa 160 Quadratmetern Fläche gibt es einen großzügigen Wohnbereich mit Küche, Hobbyraum, Unterrichtsraum. Hinzukommt ein 2000 Quadratmeter großer Garten mit allerlei Freizeitangeboten. Rund 30 Kinder im Alter von fünf bis 15 Jahren suchen den Treff regelmäßig auf.

In dem großzügigen Wohnbereich gibt es Platz zum Kickern, Spielen und Lesen. © Alina Meyer © Alina Meyer

Walter Pohle und seine Mitstreiter bemerkten schnell, dass die kleinen Gäste häufig einen hohen Nachholbedarf in der Schule haben. Daher wurde zusätzlich zu den Spielenachmittagen eine Lernförderung geschaffen. „Aktuell kommen überwiegend Flüchtlingskinder aus arabischen Ländern. Leider sprechen sie zu Hause kein Deutsch, und auch die deutsche Schreibweise ist für sie völlig neu. Ich staune immer wieder, wie schnell sie trotz dieser Schwierigkeiten in der Schule zurechtkommen“, erzählt Gisela Brand. Pohle: „Dank ‚WiLmA‘ haben einige Jugendliche inzwischen ihre Mittlere Reife und sogar das Abitur gemeistert.“

Das neue Schuljahr startet zwar schon am Mittwoch (18.8.), der Nachhilfebedarf mache sich allerdings erst Wochen später bemerkbar. „Spätestens ab Herbst geht es wieder in die heiße Phase“, vermutet Gisela Brand.

Geduld und Spaß sind gefragt

Die 83-Jährige hat den Treff zu Anfangszeiten besucht und schnell gemerkt: „Spielen und toben – das ist nichts mehr für mich.“ Trotzdem ist die vierfache Mutter und neunfache Oma geblieben und hat mit den Schülern Hausaufgaben erledigt. Im Team hätten sie jede noch so schwierige Aufgabe lösen können. Vor einem Jahr hat sie ihr Engagement aufgegeben.

Das Ehepaar Brand hat 2000 Euro gespendet, um diesen Luftfilter anzuschaffen. © Alina Meyer © Alina Meyer

Kürzlich haben sie und ihr Mann 2000 Euro an den Jugendtreff gespendet, um einen Luftfilter anzuschaffen. Jetzt möchte sie die Chance nutzen, um andere Bürger für das Engagement begeistern. „Mir ist es wichtig zu betonen, dass man keine Vorerfahrung braucht“, sagt die Recklinghäuserin. Hausfrauen, Berufstätige, Mütter, Väter und Alleinstehende seien genauso willkommen wie Jugendliche, Studenten oder auch pensionierte Lehrer. Das Alter spiele keine Rolle. „Wichtig sind der Spaß und vor allem Geduld“, fügt Christel Bois hinzu. Für die Helfer selbst würden sich durchaus positive Nebeneffekte einstellen. Christel Bois: „Man kommt aus seinem Trott, bleibt fit und hat die Möglichkeit, mit der Jugend in Austausch zu kommen. Wo sonst hat man heute noch Gelegenheit dazu?“

70.000 Euro Kosten pro Jahr

Rund 30 Ehrenamtler sind Teil von „WiLmA“. Christel Bois hilft in der Lernförderung aus. „Um den größtmöglichen Lerneffekt zu erzielen, versuchen wir, eine Eins-zu-eins-Betreuung zu ermöglichen. Teilweise müssen wir bei null anfangen. Bei einer erheblichen Sprachbarriere lesen wir Bilderbücher, um langsam einen Grundwortschatz aufzubauen“, berichtet die 61-Jährige.

An diesen Gruppentischen findet die Lernförderung statt. Die Ehrenamtler bemühen sich, eine Eins-zu-eins-Betreuung zu gewährleisten. © Alina Meyer © Alina Meyer

„Christel Bois ist für uns ein echter Gewinn“, sagt Pohle. „Sie stellt auch den Kontakt zu den Schulen her.“ Der pensionierte Mediziner selbst kümmert sich um die Spendenakquise, denn „WiLmA“ ist ein rein spendenfinanziertes Angebot. „Wir haben Kosten von 70.000 Euro pro Jahr, allein 40.000 Euro Personalkosten. Die Spenden-Patenschaften bilden unser Fundament.“

Info: „WiLmA“ öffnet ab Montag, 23. August. Offener Kinder- und Jugendtreff: freitags, 15 bis 19 Uhr, und samstags, 14.30 bis 18 Uhr. Lernförderung: montags, mittwochs und bei Bedarf donnerstags ab 15 Uhr. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Wer sich engagieren möchte, meldet sich bei Dr. Walter Pohle unter Tel. 02361/21661. Spenden sind möglich unter Sparkasse Vest Recklinghausen, IBAN DE27 4265 0150 0095 1013 74. Weitere Infos unter www.wilma-re.de