25 Jahre „invito“

Mittler zwischen Winzer und Weinhändlern

Was ist das Geheimnis einer guten Ehe? Getrennt arbeiten! Darum gründete Rainer Haag die Weinhandelsagentur „invito“ und „verließ“ seine Frau. Aber nur beruflich. Das ist jetzt 25 Jahre her.
Runde eine Million Flaschen wechseln im Jahr den Besitzer: Rainer Haag bringt Winzer und Fachhändler zusammen. © Meike Holz

Rainer Haag wollte seine Ehe retten. Genau das gelang ihm mit der Weinhandelsagentur „invito“. 25 Jahre sind seitdem vergangen. Und im November feiert der erfolgreiche Unternehmer sogar seinen 30. Hochzeitstag.

Wenn Haag heute die Geschichte seines unfreiwilligen Starts in die Selbstständigkeit erzählt, muss er schmunzeln. Blicken wir zurück: Seine Ehefrau Ingeborg Molitor wollte die Weinhandlung ihrer Eltern weiterzuführen. Und das Paar war sich sofort einig: Rainer Haag, ebenfalls ein studierter Önologe, sollte mit ins Geschäft einsteigen. Theoretisch. Praktisch funktionierte das nicht. „Wir konnten alles, aber nicht zusammenarbeiten“, berichtet der 61-Jährige. So „verließ“ er sie, aber nur beruflich.

70.000 Kilometer sind kein Gegner

Wie es der Zufall wollte, stand in der Nachbarstadt Herten eine kleine Weinhandlung zum Verkauf. „Das passte“, erinnert sich Haag. Aber bald stellte er fest: „Fachkompetenz war dort nicht von großer Bedeutung.“ Haag fühlte sich unterfordert. Darum traf er eine Entscheidung, und „invito“ verwandelte sich in eine Agentur. Das heißt: Haag wurde Mittler zwischen den Welten: Winzer und Weinhändler. Zunächst bedeutete das vor allem eins: Klinken putzen, um Kunden zu werben – und viele Stunden auf der Autobahn. 70.000 Kilometer im Jahr sind da kein Gegner. Zum Glück fährt Rainer Haag gerne Auto. Die Weinhandlung in Herten indes behielt er, bis nach zehn Jahren der Mietvertrag auslief. Sein Büro befindet sich seitdem in den Räumen der Weinhandlung Molitor an der Hertener Straße, ist aber trotzdem keine Gefahr für die Ehe.

Weinkenner unter sich: Rainer Haag liebt die edlen Tropfen und verkauft sie umso lieber in seiner Weinagentur „invito“. Das Foto entstand im Fassweinkeller seiner Ehefrau Ingeborg Molitor an der Hertener Straße, wo sich auch der „invito“-Firmensitz befindet. © Meike Holz © Meike Holz

Haag entschied sich für Weine aus den Regionen Pfalz, Rheinhessen und Baden. Exklusiv sollte die Ware sein, überwiegend von kleinen Weingütern. Mit Erfolg. Längst besitzt Haag in ganz Deutschland Kunden, etwa 350, vor allem aus dem Fachhandel oder Lieferanten der Gastronomie, und auch die Erzeuger arbeiten gerne mit ihm zusammen. Auf acht bis zehn hat er sich spezialisiert. „Ich bin oft dort, schaue mir die Produktion an und weiß darum genau, was ich verkaufe.“ Haag sucht das Individuelle. Und auf drei Weingütern „mischt“ der Hertener sogar selbst kräftig mit und unterstützt dort den Winzer-Nachwuchs – von der Weinlese bis zum Abfüllen. Das Marketing nicht zu vergessen.

Eine Million Flaschen wechseln den Besitzer

Etwa eine Million Flaschen wechseln auf diese Weise jährlich den Besitzer. Und es könnten noch mehr sein. „Aber mein Tag hat leider nur 24 Stunden“, meint Rainer Haag und zuckt mit den Achseln. Das Interesse an seinem Angebot ist groß. Eigentlich kann er keine neuen Kunden mehr in die Kartei aufnehmen. Trotzdem fährt der Recklinghäuser Unternehmer nächste Woche wieder los, diesmal nach Bayern. „Ich bin halt ein Jäger“, sagt er grinsend. Übrigens macht er seinen größten Umsatz, etwa 30 Prozent, direkt vor der Haustür: „Das Postleitzahlengebiet 40“, verrät er. Düsseldorf und Umgebung also.

Und auch in seiner kargen Freizeit hält es Haag nicht auf dem Sofa (er besitzt überhaupt keinen Fernseher). Vielmehr unterstützt er ein Schulprojekt im Senegal in Westafrika oder schafft dort Arbeitsplätze – dank einer einfallsreichen Geschäftsidee: das Vermieten von mobilen Toiletten. Und dann gibt es da ja auch noch seine Frau Ingeborg. Mit ihr ist er immer noch glücklich verheiratet. Dank „invito“.

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