Lieferverzögerungen

Möbel lassen auf sich warten

Nach den Lockdowns, einem gesperrten Hafen in China und einem blockierten Suezkanal nimmt die Holzindustrie wieder Fahrt auf. Doch der Rohstoff ist noch immer rar, Möbel haben längere Lieferzeiten.
Konzentriert bei der Arbeit: Tischler-Azubi Paul Meyer hat in der Tischlerei Jürgen Vogt gut zu tun. © Jörg Gutzeit

Langsam erholt sich die Holzindustrie von den Strapazen der vergangenen Monate. Firmen, die ihre Produktion wegen Kurzarbeit heruntergefahren haben, ziehen das Tempo an. Doch bei Tischlern und Möbelhäusern in Recklinghausen gibt es noch immer Lieferverzögerungen. Holzplatten sind noch immer knapp.

Im Möbelhaus Riegel Interior an der Kunibertistraße sei im Januar ein Stuhl bestellt worden, der erst jetzt geliefert werden konnte – sechs Monate später. „Bei der Ware aus Fernost haben wir noch immer Materialflussprobleme“, sagt Franchise-Unternehmer Benedikt Schürholz. Die Waren aus Fernost würden etwa über die niederländischen Händler bezogen.

Teilweise seien die Containerpreise durch den blockierten Suezkanal und des wegen eines Corona-Ausbruchs gesperrten Weltmarkthafens Yantian in China im Juni explodiert. „Trotzdem können wir für den Stuhl nicht plötzlich einen höheren Preis verlangen“, so Benedikt Schürholz.

Von Lieferverzögerungen betroffen seien auch die Bestellsofas. „Statt sechs bis acht Wochen warten die Kunden eher acht bis zwölf Wochen, auf Stühle sogar bis zu 16 Wochen“, so Schürholz. Auch bei Kastenmöbeln wie Sideboards Vitrinen und Schränken müssten sich die Kunden in Geduld üben. „Viele Hersteller haben in der Pandemie ihre Kapazitäten heruntergefahren. Das muss erst wieder anlaufen.“

Lieferzeit bleibt Überraschung

In der Tischlerei Vogt an der Dortmunder Straße ist Azubi Paul Meyer am Werk. Der Betrieb hat gut zu tun, die Auftragsbücher sind voll, doch auch hier werden die Verzögerungen spürbar. „Wir nennen den Kunden keine konkreten Lieferzeiten mehr“, sagt Tischlermeister und Inhaber Jürgen Vogt. „Wir können nur das verarbeiten, was wir bekommen.“

Plattenmaterialien, wie die Mitteldichte Holzfaserplatte, die man zum Beispiel für Küchen benötigt und auch OSB-Platten für das Verkleiden von Dächern ließen auf sich warten. „Stellenweise warten wir vier, fünf Wochen auf die Ware, sonst war sie innerhalb von Tagen abrufbar. Ähnlich ist es bei Fernstern. Darauf warten wir jetzt zehn bis zwölf Wochen, vorher waren es vier“, sagt Jürgen Vogt.

Kaum Verzögerungen bei Ware „Made in Germany“

Im Wohnstudio Fuchs an der Alten Grenzstraße seien die Lieferzeiten in der Pandemie relativ konstant geblieben und das hat einen einfachen Grund: „Ich biete viele Möbelstücke ‚Made in Germany‘ und sonst größtenteils Ware aus Europa an. Hier sind die Lieferketten zum Glück nie unterbrochen worden. Trotzdem haben sich bei angekündigten acht bis zehn Wochen eher die zehn Wochen eingependelt“, sagt Inhaber Joachim Fuchs.

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