Ermittlungserfolg

Nach „Aktenzeichen XY“-Sendung: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Von „Aktenzeichen XY... ungelöst“ hat sich die Polizei Recklinghausen neue Ermittlungsansätze nach einem Raub versprochen. Die dicke Überraschung gab‘s jedoch schon vor der TV-Ausstrahlung.
Live im Studio: Kriminaloberkommisser Michael Scheib (l.) von der Kripo Recklinghausen im Gespräch mit "Aktenzeichen XY"-Moderator Rudi Cerne. © Screenshot: Christian Pozorski

Einer der mutmaßlichen Täter hatte sich wenige Stunden vor der Live-Sendung über seinen Anwalt bei der Polizei gemeldet und angekündigt, sich stellen zu wollen. Offenbar hatte der Mann mitbekommen, dass er per Fahndungsfoto gesucht wurde – auch die Recklinghäuser Zeitung hatte das Bild, das den Verdächtigen beim Geldabheben an einem Automaten zeigt, veröffentlicht. „Heute um 10 Uhr wurde ein zur Tatzeit 20-jähriger Mann vorläufig festgenommen“, meldet Polizeisprecherin Corinna Kutschke am Donnerstag (15.7.).

„Noch haben wir den Verdächtigen nicht vernommen, aber natürlich erhoffen wir uns von seiner Aussage wichtige Erkenntnisse, die uns möglicherweise auch zu seinem Komplizen führen“, sagt Polizeisprecherin Kutschke. Weitere Details zu dem Festgenommenen nennt sie mit Verweis auf dessen Alter – sollte der junge Mann einer der Täter sein, wäre er im strafrechtlichen Sinne als Heranwachsender zu behandeln – nicht.

Moderator Rudi Cerne spricht von „unfassbarer Situation“

In der Sendung, die am Mittwoch (14.7.) im ZDF ausgestrahlt wurde, kamen neue Details zu dem brutalen Raubüberfall im Nordviertel am 5. März 2020 ans Licht. „So einen Tatablauf habe ich noch nicht erlebt – eine unfassbare Situation“, staunte selbst der langjährige „Aktenzeichen XY… ungelöst“-Moderator Rudi Cerne. Zwei Männer hatten am Morgen des besagten Tages an einem Haus Im Romberg geschellt. Als der 18-jährige Sohn der Besitzerin öffnete, wurde er direkt mit einem Faustschlag niedergestreckt.

Die Täter hielten ihrem Opfer vor, er habe an der Schule – er ging zum damaligen Zeitpunkt auf ein Berufskolleg in Recklinghausen – jemanden beleidigt. Der 18-Jährige, so zeigen es die nachgestellten Szenen, war sich keiner Schuld bewusst, doch die Angreifer ließen nicht von ihm ab, schubsten und traten ihn und fragten nach Geld.

Während einer der Männer das Opfer bewachte, suchte der andere Wertsachen. Mehrere Uhren und selbst Kleingeld steckten die Täter ein. Kurios: Die Angreifer benutzten keine Waffen, zudem forderten sie den 18-Jährigen wiederholt auf, etwas zu essen. Letztlich griffen sie sich die EC-Karte des 18-Jährigen und erpressten dessen PIN.

1000 Euro vom Konto des Opfers erbeutet

Damit begab sich einer der Männer – bei ihm soll es sich um den jetzt Festgenommenen handeln – zu einem Geldautomaten der Sparkasse Vest am Wall, wo er 1000 Euro vom Konto des 18-Jährigen abhob. Nach der Rückkehr ins Nordviertel verließen beide Männer den Tatort gemeinsam, nach Erkenntnissen der Ermittler mit einem älteren hellen Auto, bei dem es sich um einen Mercedes gehandelt haben könnte. Der 18-Jährige blieb leicht verletzt zurück und konnte schließlich Hilfe holen.

„Das Verhalten der Täter ist völlig rätselhaft“, sagte Kriminaloberkommissar Michael Scheib aus dem Recklinghäuser Präsidium bei „Aktenzeichen XY“. Ihm sei solch ein Fall in seiner Dienstzeit noch nicht untergekommen. Seine Vermutung: „Die Täter wollten ihr Opfer verunsichern oder unter Druck setzen. Es klingt, als hätten sie gewusst, dass das Opfer allein zu Hause ist, und es gezielt ausgesucht.“

Polizei sucht weiterhin nach dem zweiten Angreifer

Auch wenn jetzt möglicherweise ein Täter festgenommen wurde, sucht die Polizei weiter nach dem zweiten Mann. Er soll ca. 1,85 Meter groß und kräftig bzw. dick sein. Möglicherweise ist er arabisch- bzw. türkischstämmiger Herkunft, er sprach Deutsch mit Akzent. Auffallend: Er trug einen Vollbart, bei dem die Oberlippe ausgespart war. Weiterhin trug er einen hellbraunen Pulli mit Strickmuster, blaue Jeans, schwarze Schuhe, einen Mund-Nasen-Schutz und gelbe Handschuhe.

Nicht auszuschließen ist, dass das Duo schon vor der Tat in der Wohngegend im Bereich Im Romberg zwischen Silcherstraße und Nordcharweg unterwegs gewesen ist. Hinweise nimmt die Polizei an der Zeugen-Hotline unter Tel. 0800/2361550 entgegen. „Denn leider haben wir – abgesehen von der Festnahme – bislang nur eine weitere Reaktion auf die Sendung bekommen“, sagt Polizeisprecherin Corinna Kutschke.

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