Der neue Museumsdirektor privat

Nie ohne mein Fahrrad

Anfang Juni hat Dr. Nico Anklam seine neue Stelle als Museumsdirektor in Recklinghausen angetreten. Mit dem Fahrrad erobert er seit einigen Wochen seine neue Heimat.
Erobert seine neue Heimat mit dem Fahrrad: Museumsdirektor Dr. Nico Anklam. © Oliver Kleine

Es hat nicht lange gedauert, bis Dr. Nico Anklam seinen ersten Lieblingsplatz in Recklinghausen gefunden hat. Wir treffen den neuen Museumsdirektor an der kleinen Eisdiele „La Cremeria“ auf der Großen Geldstraße. Hier sitzt der 39-Jährige gerne, beobachtet die vorbeiflanierenden Menschen, plaudert mit den italienischen Inhabern oder läutet abends auf dem Heimweg mit einer Kugel Pistazieneis und einem Espresso den Feierabend ein.

Er ist wie immer mit dem Fahrrad unterwegs. „Eine schöne Geschwindigkeit, um eine Stadt kennenzulernen.“ Ein Auto braucht und besitzt der Mann, der zuletzt in Greifswald gelebt hat, momentan nicht. Schließlich gibt es für größere Entfernungen die Bahn, aber auch längere Strecken mit dem Rad sind kein Gegner. „Natürlich kannte ich Recklinghausen schon vorher von den Ruhrfestspielen, auch Kunsthalle und Ikonenmuseum sind zwei bekannte Größen in der Kulturszene, aber ich wusste nicht, dass das hier so ein grünes Fleckchen Erde ist.“

Erste Kontakte zu Segel- und Tennisverein geknüpft

Sämtliche Ausstellungsorte der Urbanen Künste Ruhr, die gerade ihr „Ruhr.Ding: Klima“ in Herne, Gelsenkirchen, Haltern am See und der Festspielstadt zeigen, hat Nico Anklam schon abgeradelt. Seine Ausflüge hat er sofort genutzt, um Kontakte zu einem Segelverein am Halterner Stausee oder den Tenniscracks der RTG im Stadtgarten zu knüpfen. Ein Turniersieger sei er hier wie da sicher nicht, aber mit viel Spaß an der Gemeinschaft dabei.

Regelrecht genossen habe er den ersten Theaterabend nach eineinhalb Jahren mit „Peer Gynt“ und Lars Eidinger im Ruhrfestspielhaus, erzählt Nico Anklam. Schon als Schüler sei er immer der Erste am Reste-Ticketschalter der Theater in Berlin gewesen. „Obwohl ich schon damals wusste, dass ich mal Museumsdirektor werden will. Das Rätsel von Bildern oder sperriger Kunst zu lösen, hat mich von jeher fasziniert.“

Mit 25 Jahren war die Zeit reif für die Theorie im Studium

Nach dem Abitur zog es Nico Anklam zunächst in die Welt hinaus, um in Montreal, Paris, Südafrika, Argentinien etc. praktische Erfahrungen in den jeweiligen Kunstszenen zu sammeln. „Alles aufsaugen und lernen für die Kunst und die Ausstellungsmacherei“, lautete die Devise. Im Alter von 25 Jahren war die Zeit dann reif für die Theorie im Studium mit Stationen in London, Berlin und New York. Nach dem Magister-Abschluss folgte eine Phase intensiver kuratorischer Arbeit. Die Promotionszeit war zuletzt von der Forschung geprägt.

Zur SacheZur Person Dr. Nico Anklam

Geboren in Düsseldorf und aufgewachsen im Bergischen Land, machte Dr. Nico Anklam sein Abitur in Berlin. Studien- und Forschungsaufenthalte in den Fächern Kunstgeschichte, Kulturwissenschaft, Ästhetik und Kulturmanagement führten den 39-Jährigen nach London, Berlin und New York. Als Kurator hat er viele Ausstellungen in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Estland, Schweden und Norwegen verantwortet. Im Rahmen seiner Promotion über „Die Malerei des 19. Jahrhunderts in Nordeuropa“ war er zuletzt Mitglied einer Forschungsgruppe am Pommerschen Landesmuseum und der Universität Greifswald. Für die Recklinghäuser Kunsthalle plant er eine neue Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Voices from around the Baltic. Neue Kunst aus Nordost“.

Mit 39 Jahren ist Dr. Nico Anklam jetzt am Ziel seiner Träume angekommen. Der Kalender des Museumsdirektors ist momentan noch voll mit Kennlern-Terminen: Erste Gespräche mit Kulturvertretern oder Kollegen aus Nachbarmuseen haben genauso stattgefunden wie ein Treffen mit Ruhrfestspiel-Intendant Olaf Kröck. „Ich will verstehen, wer was macht und wie die Menschen hier ticken.“ Das gelte auch für den netten älteren Herrn, den Nico Anklam beim Warten auf den Coronatest kennengelernt hat und mit dem er, eloquent und offen für Neues und Fremdes, sofort in ein Gespräch über Gott und die Welt und die Kunst vertieft war. Schließlich wolle er die Kunsthalle international, aber auch vor Ort noch sichtbarer machen. Und die Vermittlungsarbeit sei dafür das A und O. Deshalb war die englische Übersetzung der Internetseiten der Recklinghäuser Museen auch das Erste, was der Mann, der selbst sechs Sprachen spricht, angestoßen hat.

Erstes kleines eigenes Kunstprojekt für den Herbst geplant

Das Ausstellungsjahr haben Vorgänger Dr. Hans-Jürgen Schwalm und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Kerstin Weber auf den Weg gebracht. In Kürze sollen zur aktuellen Ruhrfestspiel-Schau von Mariechen Danz der Katalog und eine Vinylplatte erscheinen. Die erste große eigene Präsentation von Nico Anklam werden die Besucher erst 2022 sehen. Aber ein kleines niederschwelliges Projekt plant der Neue schon für diesen Herbst. Noch ist nichts spruchreif. Nur so viel: Er möge kluge Kunst, bei der man schmunzeln kann.

In der eigenen Recklinghäuser Altbauwohnung hängen nur wenige Werke von befreundeten Künstlern. Dazu gesellen sich Design-Klassiker des 20. Jahrhunderts. Besonders stolz ist Nico Anklam auf den italienischen postmodernen 80er-Jahre-Herd, den er bei Ebay erstöbert hat und demnächst mit seinen neuen Recklinghäuser Freunden einweihen will.

Der Abend in Recklinghausen

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