Rückgabe nach Masuren

Polen spüren gestohlene Ikone in Recklinghäuser Museum auf

Zwei Jahre zeigte das Ikonenmuseum ein Werk, das in Polen gestohlen worden war. Polnische Raubkunstexperten entdeckten die lang gesuchte Ikone aus dem 17. Jahrhundert in Recklinghausen.
Die Ikone stellt den Erzengel Michael dar. © Oliver Kleine

Eine in Polen vor Jahrzehnten gestohlene Ikone spürten polnische Raubkunst-Experten im Recklinghäuser Ikonenmuseum auf. Im Dezember 1990 hatten unbekannte Täter insgesamt 29 Werke aus dem Museum von Ermland und Masuren gestohlen. Die Kunstwerke blieben 30 Jahre lang verschwunden. Bis die polnischen Experten die Ikone schließlich im Internet entdeckten. Das Ikonenmuseum hatte mit dem besonders schönen Stück, das den Erzengel Michael darstellt, häufig für seine Ausstellungen geworben. Ein Experte der Unterabteilung für die Restitution von Kulturgütern des polnischen Ministeriums für Kultur und nationales Erbe erkannte es wieder.

Herkunft steht unzweifelhaft fest

Die russische Ikone stammt aus dem 17. oder frühen 18. Jahrhundert. Anhand der vorgelegten Dokumentation sei es unzweifelhaft, dass es sich bei dem gestohlenen Werk um die Ikone aus der Schenkung Zerlin im Recklinghäuser Ikonenmuseum handelt, sind sich die Experten einig. Das polnische Kulturministerium hatte nach der Entdeckung eine offizielle Anfrage an das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gestellt, das dann Kontakt mit der Stadt Recklinghausen aufnahm.

Feierliche Restitution einer Ikone: Mariusz Wiśniewski (Sachverständiger, Abteilung Raubkunst, Kulturerbe im Ausland und Kriegsschäden, Ministerium für Kultur, Nationalerbe und Sport der Republik Polen), Dr. Jolanta Miśkowiec (Stellv. Direktorin Abteilung für Kulturerbe im Ausland und Kriegsverluste, Ministerium für Kultur, Republik Polen), Dorota Wada (Leitende Sachverständige, Abteilung Raubkunst, Abteilung Kulturerbe im Ausland und Kriegsschäden, Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW), Jakub Wawrzyniak (Polnischer Generalkonsul), Museumsdirektor Dr. Nico Anklam, Bürgermeister Christoph Tesche, Dr. Hildegard Kaluza (Abteilungsleiterin Kultur, Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW) und Dr. Lutz Rickelt (Leiter Ikonen-Museum). © Oliver Kleine © Oliver Kleine

In einem feierlichen Akt wurde jetzt die sogenannte Restitution, die Rückgabe des Werks an die ursprünglichen Eigentümer, vollzogen. „Es ist mir eine große Ehre, diese Aufgabe zu übernehmen“, betonte Bürgermeister Christoph Tesche. „Die kulturelle Zusammenarbeit verschiedenster Institutionen, auch länderübergreifend, ist enorm wichtig für die Erschließung und den Erhalt von Kulturgut. Ich freue mich, dass dieser unglückliche Vorfall aufgeklärt werden konnte und das bedeutende Werk nun wieder an seinen eigentlichen Platz zurückkehrt.“

Ikone kam als Schenkung nach Recklinghausen

Die Ikone stammt aus der Sammlung von Dr. Reiner Zerlin, der seine hochwertige Sammlung ostkirchlicher Werke im Jahr 2019 der Stadt Recklinghausen geschenkt hatte. Der Sammler habe das Werk im Kunsthandel erworben, nicht ahnend, dass es sich um Diebesgut handelt.

Für den Transport nach Polen wird die Ikone von Stephan Marzak von der Kunstspedition Oettermann sicher verpackt. Museumsdirektor Dr. Nico Anklam packt mit an. © Oliver Kleine © Oliver Kleine

„Selbstverständlich geben wir die Ikone gerne zurück – auch wenn es für das Ikonenmuseum natürlich ein herber Verlust ist – und freuen uns sehr darüber, dass das Muzeum Warmii i Mazur ein bedeutendes Objekt seiner Sammlung wieder in Empfang nehmen kann“, sagte der Leiter des Ikonenmuseums, Lutz Rickelt.

Aufgrund ihrer hohen ästhetischen Qualität hätte sie in der Ausstellung der Schenkung Zerlins im Ikonenmuseum einen prominenten Platz eingenommen. Über den materiellen Wert des Kunstwerks hüllten sich die Beteiligten in Schweigen.

Alle übrigen gestohlenen Kunstwerke sind weiter verschollen

Die anderen 28 gestohlenen Werke sind allesamt noch nicht wieder aufgetaucht. Es ist wahrscheinlich, dass auch sie über den Kunsthandel an private Sammler in aller Welt gegangen sind. Umso größer ist die Freude der Polen, wenigstens die eine Ikone zurückzubekommen.

„Heute können wir die Ikone nach Hause holen und sie nach 30 Jahren wieder in der Heimat zeigen“, sagte Dr. Jolanta Miśkowiec. Die stellvertretende Direktorin der Abteilung für Kulturerbe im Ausland und Kriegsverluste war mit mehreren Mitarbeitern für die Restitution nach Recklinghausen gereist. „Wir sind sehr dankbar. Die professionelle Zusammenarbeit mit unseren deutschen Partnern war hervorragend“, betonte sie. Die Suche nach den anderen 28 Ikonen gehe weiter. „Wir hoffen, dass wir auch sie irgendwann finden.“

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