Land gibt Geld

Projekt zeigt Wirkung: Infusion für den Patienten Altstadt

Ein „Sofortprogramm“ des Landes soll der Recklinghäuser Altstadt neues Leben einhauchen. 2300 Quadratmeter Gewerbefläche werden schon „bespielt“. Nun soll auch Süd profitieren.
Früher Flaniermeile, heute Sorgenkind: Gleich fünf neue Ansiedlungen sind auf der Breiten Straße im Zuge des "Sofortprogramms Innenstadt" geplant. © Oliver Kleine

Das Rechenspiel der Landesinitiative „Sofortprogramm Innenstadt“ ist vergleichsweise einfach. Vermieter verzichten auf 30 Prozent der bisherigen Miete. Die verbleibenden 70 Prozent teilen sich das Land NRW und die Stadt mit ihrem Eigenanteil (50 Prozent) sowie der Mieter (20 Prozent) auf. Müsste ein Mieter eigentlich 5000 Euro für ein Ladenlokal zahlen, sind es im Förderprogramm nur 1000 Euro. 798.000 Euro stellt die Landesregierung für die Recklinghäuser Altstadt zur Verfügung.

Profitieren sollen am Ende alle: die Vermieter, weil 70 Prozent der früheren Mieteinnahmen immer noch besser ist als gar keine Miete durch einen Leerstand; die Städte, weil eben jene Leerstände aus dem Ortsbild verschwinden – und die Mieter, weil auch junge Start-ups mit wenig Rücklagen dank der erschwinglichen Mieten eine Chance auf dem Markt bekommen.

In Recklinghausen gibt es bereits 15 solcher Projekte. Gefragt sind nicht zuletzt alternative Konzepte wie „s‘Fachl“ an der Großen Geldstraße 17. Dort können Anbieter einzelne Regalfächer anmieten, um ihre Waren zu präsentieren. Neu ist auch der französisch angehauchte Concept Store AMA an der Breiten Straße 13.

Das Programm sichert die niedrigen Mieten für zwei Jahre. Für die Zeit danach zeichneten sich bereits weitere Fördermöglichkeiten ab, erklärte Axel Tschersich, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung auf der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses. Gleichwohl mache es auf Dauer keinen Sinn, ein Konzept am Leben zu erhalten, das sich nicht bewährt habe und nicht auf eigenen Beinen stehen kann.

Die Wende an der Breiten Straße?

Für Tschersich ist an der Breiten Straße der Wendepunkt zum Besseren erreicht: „Natürlich gibt es da noch die verrammelte Bretterbude, aber es gibt eben auch zahlreiche Bauaktivitäten. Da tut sich was.“ Die Zukunft der einstigen Flaniermeile liege auf dem Dienstleistungssektor. Lebenshilfe und ADFC siedeln sich außerdem in ehemaligen Leerständen an der Breiten Straße an. Schon lange ist auch im Recklinghäuser Rathaus die Erkenntnis gereift: Mit klassischem Einzelhandel allein lassen sich die Lücken nicht mehr schließen.

Lobende Worte für die Landesinitiative fand im Ausschuss CDU-Ratsherr Torsten Jakob. „Es ist gut, dass auch das Handwerk durch die vielen Renovierungen profitiert“, sagte der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Recklinghausen.

Von den aktuell 15 neuen Nutzungen in der Altstadt entfallen allein fünf auf die Breite Straße. Künftig soll auch die Südstadt profitieren. Die Bezirksregierung Münster hat 395.166 Euro bewilligt. Davon sollen in Recklinghausen-Süd der „Verfügungsfond Anmietung leer stehender Gebäude“ und das Zentrenmanagement unterstützt werden. Mit der Summe soll ebenfalls ein Gebäude an der Theodor-Körner-Straße „vorübergehend erworben“ werden. Das Programm deckt 90 Prozent der Kosten. Den Rest übernimmt die Stadt als Eigenanteil.

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