Kinderarmut

Recklinghäuser „Brückenbau“ gegen einen echten Notstand

Die Rote Runde Extra will nicht länger tatenlos zusehen, wie Kinder und Jugendliche in Recklinghausen verarmen. Sie ruft deshalb das Projekt „Recklinghäuser Kinderbrücke“ ins Leben.
Kinderarmut hat viele Facetten: Auch ein gesundes Frühstück ist keineswegs für alle Kinder eine Selbstverständlichkeit. © dpa

Tatsächlich sind die Zahlen, die Michael Materna (SPD) als Vorsitzender des städtischen Ausschusses für Soziale Gerechtigkeit und Demografie mitteilt, äußerst alarmierend: Rund jedes vierte Kind in Recklinghausen und fast jedes zweite Kind im Stadtteil Süd lebt von staatlichen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB ) II.

Für die Rote Runde Extra, hinter der sich bekanntlich ein Zusammenschluss von ehemaligen SPD-Ratsmitgliedern und Freunden der SPD verbirgt, ist das allemal Grund genug, sich selbst und auch die Öffentlichkeit zum Handeln zu animieren. Ex-Bürgermeister Jochen Welt erläutert den dreiteiligen Ansatz der Überlegungen: „Zunächst gilt es, eine Sensibilisierung für das Thema zu schaffen. In einem Stadtgespräch, das am 2. Juni stattfinden soll, wollen wir Experten unterschiedlichster Art zum Thema anhören, und schließlich geht es natürlich um die Umsetzung von notwendigen Maßnahmen.“

Klingt noch ziemlich theoretisch, aber das mag täuschen: Ziel ist die Installierung eines Netzwerks mit dem Namen „Recklinghäuser Kinderbrücke“, das ausgehend von dem bereits durch die Fraktionen von SPD und „Die Linke“ geforderten „Beirat Kinderarmut“ alle Akteure dieses sozialen Arbeitsumfeldes zusammenführt.

Kariesbefall bei den Kindern wird ansteigen

Und Anna Teresa Kavena (SPD) erklärt als Vorsitzende des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familie, wie wichtig das Handeln gerade in diesen Zeiten der Pandemie ist: „Durch regelmäßige Untersuchungen wissen wir jetzt schon, dass zum Beispiel der Kariesbefall ansteigen wird. Da fehlt einfach die Fürsorge in der Kita, wo die Kinder zum Zähneputzen angehalten werden. Das kann in der Familie oftmals gar nicht geleistet werden.“

Deswegen plädiert sie dafür, dass die Hilfe „unbedingt ankommen muss“ – in den Schulen oder eben in den Kitas. „Und das umfasst nicht zuletzt ein gesundes Frühstück oder auch Sprachförderung“, so Kavena weiter: „Das muss zudem ganz gezielt nach Stadtteilen oder Sozialgefälle eingesetzt werden.“

Franz Schwabe fungiert als Schirmherr für das Projekt

Als Schirmherr für das Projekt konnte der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe gewonnen werden, und den musste man nicht lange bitten: „Neben der Frage, wie die Menschen in Würde alt werden sollen, ist die Kinderarmut natürlich das große Thema unserer Zeit.“

Er erinnert daran, dass die Bundesregierung gerade in dieser Hinsicht ein Aufholpaket im Umfang von zwei Milliarden Euro geschnürt hat, „das aber garantiert nicht ausreicht“, wie er selbst umgehend einschränkt: „Deshalb fordert die SPD auch zusätzliche Anstrengungen wie einen Rechtsanspruch auf Offenen Ganztag oder die Einführung der Kindergrundsicherung.“ Zudem sollen Gutscheine für schnelle Hilfe sorgen, „und für Recklinghausen könnte ich mir vorstellen, die AWO-Stadtranderholung zu retten.“

Spender stellt vierstelligen Betrag zur Verfügung

In diesem Sinne begrüßt er das Engagement der Roten Runde Extra, das auch keineswegs auf warme Worte und hehre Absichten beschränkt ist: Franz-Josef Hauke erklärt, dass ein schon lange in Bayern lebender Recklinghäuser einen ansehnlichen vierstelligen Betrag zur Verfügung gestellt hat: „Der Spender ist natürlich vor allem daran interessiert, wie sein Geld am besten ankommen kann.“ Nicht zuletzt deshalb hat man bereits Kontakt zu zwei Recklinghäuser Organisationen aufgenommen, die sich um das Kinderwohl kümmern. Aber: Weitere Spenden sind selbstverständlich willkommen. Kontakt ist auf diesem Weg möglich: rote.runde.extra@unity-mail.de

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