Tierische Untermieter

Schräge Vögel brüten an kuriosen Orten in Recklinghausen

Vogelkundler wissen: Je weiter das Insektensterben in der Natur um sich greift, desto näher kommen uns Singvögel auf der Suche nach Nahrung – vor allem, wenn sie Junge durchfüttern müssen.
Gut versteckt brütet dieses Rotkehlchen in einem Blumentopf-Stapel von Heinz Ackermann. © Heinz Ackermann

Nach der Veröffentlichung von Fotos brütender Amseln auf dem Balkon einer Recklinghäuserin haben sich weitere Bürger gemeldet, die sich über tierische Untermieter wundern.

Fünf junge Amseln in einem Blumenkübel im Paulusviertel sind jedoch bei weitem nicht das größte Kuriosum.

So entdeckte etwa Thomas Isenburg aus Hochlar in seiner Garage einen wirklich schrägen Nistplatz: in einem Fahrradhelm, der am Lenker hängt. Und Heinz Ackermann fand an der Baumstraße in Grullbad ein brütendes Rotkehlchen, das einen Stapel von Blumentöpfen als Versteck für sein Nest auserwählt hatte.

Besucher im Fahrradhelm. Thomas Isenburg in Hochlar staunte nicht schlecht. © Thomas Isenburg © Thomas Isenburg

„Ich wollte hinter meinem Gartenhaus nach Steinen sehen. Dabei bin ich auf dieses brütende Rotkehlchen gestoßen. Jetzt können die Steine noch ein paar Wochen warten“, sagt Heinz Ackermann. Er reagiert damit genauso tierlieb wie Thomas Isenburg oder wie zuvor Gudrun Simannek mit ihrem Amselnest auf dem Balkon. Sie alle lassen die Vögel ein paar Wochen in Ruhe, und dann ziehen die piepsenden Untermieter von allein wieder aus.

Das bestätigen Experten des Naturschutzbundes: Die meisten Singvögel benutzen ihr Nest aus Hygiene-Gründen nur einmal. Sind die Jungen flügge, ist der Besuch in Garagen oder auf Balkons beendet. Der Grund für immer mehr Vögel in der Nähe der Gärten von uns Menschen ist jedoch ein trauriger: das Insektensterben draußen auf dem Land.

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