Schülerin erlebt Rassismus „Ich fühlte nur Angst, Wut, Trauer und Einsamkeit“

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Mein Name Meryem. Ich bin 15 Jahre alt und besuche die neunte Klasse. In letzter Zeit habe ich viel Rassismus mitbekommen und niemand traute sich, seine Stimme zu erheben. Deswegen entscheide ich mich dazu, Betroffenen von Rassismus, Sexismus u. ä. mit diesem Leserbrief eine Stimme zu verleihen. Am besten, ich fange an: Als ich klein war, ist mir aufgefallen, dass ich anders bin. Ich bin Muslima und habe zum Zeitpunkt des Geschehens so eine Art Hjab getragen. Man konnte meine Haare sehen, dennoch habe ich dieses Hijab mit Stolz getragen. Ich fühlte mich schön, aber die Blicke der Fremden haben mir Angst gemacht!

Eltern anderer Kinder sagten, ich sei gefährlich. Ich war erst sieben oder acht Jahre alt, ein Kind, das Rassismus erlebte. Ein Kind, das spielen und Freunde finden wollte. Ich fragte mich schon damals, was der Grund der Blicke dieser Menschen war. Warum sagten sie, ich sei nicht schlau, nicht gebildet genug oder ich sei zu anders und hätte einen Migrationshintergrund? Ich wollte doch nur ein sorgenloses Leben leben.

Mit 14 habe ich angefangen, mein Hijab zu tragen. Ich liebe es, es ist wie eine Krone, die man trägt. Aber warum versuchen Menschen, mir diese Krone wegzunehmen? Ohne jegliche Ahnung wird behauptet, ich würde dazu gezwungen werden oder ich sei zu religiös. Sie sagen, ich sei anders!

„Haben die anderen den Vorfall ignoriert?“

Als ich anfing, den Hijab zu tragen, ist mir folgendes widerfahren: Der Vorfall passiert im Bus, morgens auf dem Weg zu Schule. Der Tag begann, wie sonst auch, ganz normal. Aber etwas war anders an diesen Tag. Ein alter Mann hat mich die ganze Zeit angeschaut, ich bekam Angst. Er redete mit einem anderen Mann. Er meinte, dass Ausländer nicht nach Deutschland gehörten. Obwohl ich Kopfhörer aufhatte, habe ich ihn deutlich gehört! Vor diesen älteren Männern befanden sich junge Menschen. Sie hatten Kopfhörer auf, aber ich fragte mich die ganze Zeit: Hören sie das oder ignorieren sie es?

Die Männer haben mich ganze Zeit angeschaut, als wäre ich eklig oder hätte was Schlimmes getan. Ich wollte doch nur normal Bus fahren und heil an der Schule ankommen. ,,Scheiß Kopftuch-Mädchen“, sagte einer der Männer. Diese Worte haben mich so verletzt! Ich hatte das Gefühl, meine Tränen zurückhalten zu müssen. Ich wollte diese Menschen ansprechen, aber ich musste schon an der nächsten Haltestelle raus. Ich ging raus und fühlte nur Angst, Wut, Trauer, Einsamkeit und Enttäuschung. Ich werde niemals diesen Moment vergessen! Niemals.

„Lasst uns unsere Stimmen gegen Rassismus erheben“

Ich habe mit meiner Klassenlehrerin geredet, es hat so wehgetan! Ich habe auch mit meinen Freunden über diesen Vorfall gesprochen und sie haben mich unterstützt. Ich habe meine Lehrerin nach Rat gefragt. Sie unterstützte mich, und tut es auch bis heute, wofür ich ihr unendlich dankbar bin. Sie sagte aber auch, ich solle mir keine Gedanken drüber machen. Dennoch finde ich, man sollte sowas nicht akzeptieren! Auch wenn ich den Tränen nah war, habe ich nicht geweint! Mir wurde klar: Ich darf wegen solcher Menschen nicht weinen! Sie verdienen keine einzige Träne, weder von mir, noch von irgendjemandem!

Ich wusste, dass ich meine Stimme erheben sollte. Ich habe es in diesem Moment nicht getan, tue es aber mit diesem Brief. Ich bereue es und ich frage mich jeden Tag, ob dieser Mann seine rassistische Einstellung jemals geändert hat. Lasst uns alle unsere Stimmen gegen Rassismus erheben und sprechen! Let’s talk!