Haraldstraße

Seniorin lebt ohne Fußboden, dafür mit Bautrocknern

Ein junger Mann sorgt sich um seine betagte Nachbarin. Nach einem Wasserschaden hat sie zwar keinen Fußboden mehr, dafür aber mehrere Bautrockner in ihrer Mietwohnung. Es ist laut und heiß.
In diesem Haus der LEG wohnt die Seniorin nach einem Wasserschaden immer noch. © Meike Holz

Das Mehrfamilienhaus der LEG an der Haraldstraße 6 ist nach einem Wasserschaden zur Baustelle geworden. Gleich drei Wohnungen, allesamt im Erdgeschoss des Hauses, müssen zumindest teilweise saniert werden. Für den Nachbarn einer älteren Dame ist es „ein Unding“, dass die Seniorin auch während der Bau- und Trocknungsphase noch immer in ihrer Wohnung lebt – und nicht etwa in einer Ersatzwohnung. Denn: Die Bodenbeläge haben die von der LEG beauftragten Handwerker bereits entfernt. Zudem stehen mehrere Bautrockner in der Wohnung. Das sorge für viel Lärm und wegen der Betriebswärme der Geräte für ein nahezu tropisches feucht-warmes Klima mit Temperaturen um die 30 Grad, erklärt der Mann, der anonym bleiben möchte. Er sagt: „In der Umgebung gibt es durchaus freie Wohnungen bei der LEG, in die die Frau vorübergehend einziehen könnte.“

Doch die Dame lebt nach wie vor auf ihrer ebenso tropisch warmen wie von Lärm durchdrungenen Baustelle.

Für die Wohnungsgesellschaft LEG mit Sitz in Düsseldorf stellt sich der Fall anders dar. Pressesprecher Nils Roschin erklärt: „Die Gebrauchsfähigkeit der Wohnung ist grundsätzlich gegeben, so dass eine Ersatzwohnung bzw. eine Hotelunterbringung nicht notwendig ist.“ Man stehe in ständigem Kontakt zur Mieterin und zu deren Pflegedienst. Die Mieterin habe klargemacht, dass sie in ihrer gewohnten Umgebung bleiben wolle. Nils Roschin: „Beschwerden der Mieterin über die aktuelle Situation liegen nicht vor und sind auch dem Pflegedienst nicht bekannt.“ Der Nachbar vermutet hingegen ein Kommunikationsproblem, da die Frau nur gebrochen deutsch spreche.

Hausratversicherung zahlt Übergangsbleibe

Generell würden Mieter nur dann ausquartiert, sagt die LEG, wenn „die Gebrauchsfähigkeit der Wohnung gar nicht mehr gegeben ist“. Das sei dann der Fall, wenn etwa Möbel im größeren Umfang abgebaut und eingelagert werden müssten und eine Instandsetzung im bewohnten Zustand nicht möglich sei.

Sei eine Ausquartierung unausweichlich, springe in der Regel die Hausratversicherung ein, teilt die LEG mit. Doch auch Mieter ohne eine solche Versicherung könnten in einem Hotel unterkommen. Dann würde die Ersatzunterkunft über die Gebäudeversicherung der LEG abgewickelt. „Vereinzelt“, so LEG-Sprecher Nils Roschin, „bieten wir auch vorübergehend Hotel, Ferien- oder Ersatzwohnungen an.“

145.000 Mietwohnungen gehören der LEG. Darin wohnen nach Angaben des Unternehmens rund 400.000 Menschen. Stammland der LEG ist Nordrhein-Westfalen. Allein hier unterhält die LEG sieben Niederlassungen. Bevor sie ein privates Unternehmen wurde, handelte es sich bei der LEG um die „Landesentwicklungsgesellschaft NRW“.

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