Welle der Hilfsbereitschaft

Spenden für die Ukraine werden im Jugendtreff Hillerheide gesammelt

Auch in Recklinghausen wollen viele Bürger den Menschen in der Ukraine helfen. Eine spontane Sammelaktion findet im Jugendtreff Hillerheide statt. Die Stadt bereitet sich auf Flüchtlinge vor.
Sammeln Spenden für die Ukraine: Veronika Belitski mit ihrer Tochter Veronika, Stadtteilmanager Björn Schmidt-Freistühler mit dem ehrenamtlichen Jugendlichen Deyar Shekhy. © Oliver Kleine

Der Angriffskrieg gegen die Ukraine hat eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität mit den Menschen dort ausgelöst. Auch in Recklinghausen.

Anastasia Belitski gehört zu denen, die sofort mitanpacken und Hilfe organisieren wollen. Die Mutter von zwei Kindern lebt auf der Hillerheide, ist 1999 mit ihren Eltern aus Odessa nach Deutschland gekommen.

Ihr Onkel lebe mit seiner Familie dort, auch viele Freunde. „Wir sind ständig im Kontakt. In Odessa fallen immer wieder Schüsse. Die Menschen sind verängstigt und verzweifelt, sie wissen nicht, was sie tun sollen. Männer unter 60 dürfen das Land nicht verlassen. Viele wollen auch gar nicht, sie möchten es verteidigen. Und die Frauen wollen ihre Männer und Söhne nicht zurücklassen“, berichtet die 37-jährige, die sich spontan entschlossen hat, eine Spendenaktion zu unterstützen, die vom Konsulat der Ukraine in Düsseldorf koordiniert wird.

Sie habe einen Spendenaufruf in WhatsApp-Gruppen verbreitet. Zum Beispiel bei den Sportvereinen ihrer Tochter Veronika (10). Die große Resonanz traf sie unvorbereitet. „Ich habe so viele Anrufe bekommen. Diese große Solidarität, das ist Wahnsinn.“

Hygieneartikel und haltbare Lebensmittel werden gebraucht

Sie bat Björn Schmidt-Freistühler, den Hillerheider Stadtteilmanager und Leiter des Jugendtreffs, den auch Veronika besucht, um Hilfe. Und der sagte sofort zu. Am Dienstag (1.3.) von 11 bis 20 Uhr und Mittwoch (2.3.) von 11 bis 18 Uhr können Bürger am Jugendtreff Hillerheide Sachspenden abgeben. In den großen Städten laufe die Aktion schon seit Tagen, so Belitski. Es sei bereits viel warme Kleidung zusammengekommen. Dringender gebraucht würden deshalb Hygieneartikel aller Art wie Windeln, Zahnpasta/-bürsten, Damenbinden sowie lange haltbare Lebensmittel, Babynahrung, Schlafsäcke, Decken sowie Verbandmaterial, Kochsalzlösung, Desinfektionsmittel und Medikamente.

Die Spenden würde am Mittwoch zur zentralen Sammelstelle nach Düsseldorf gebracht. Vorn dort gehen sie Donnerstagmorgen per Lkw nach Lviv (Lemberg). „Dort stehen freiwillige Helfer bereit, die die Spenden dorthin verteilen, wo sie gebraucht werden“, sagt Anastasia Belitski.

„Die Neue Apotheke“ an der Bochumer Straße 146 beteiligt sich auch mit einer Spendenaktion. „In unserer Teststation sowie unseren drei Teststationen in Herne spenden wir pro Corona-Test fünf Euro für die Ukraine-Hilfe“, so Inhaberin Annegret Koglin. Es werden auch Sammelboxen aufgestellt, wenn Kunden ihrerseits spenden möchten. Das Geld werde am 4. März auf ein Spendenkonto überwiesen.

Stadt richtet einen Krisenstab ein

Auch die Stadtverwaltung hat reagiert. Die Stadt richte sich darauf ein, dass in den nächsten Tagen und Wochen Menschen aus der Ukraine auf der Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat auch den Weg nach Recklinghausen finden werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Deshalb seien ein Krisenstab und eine Koordinierungsstelle eingerichtet worden. Es gebe bereits private Angebote zur Unterbringung von Flüchtlingen, Bürger böten sich als Dolmetscher an oder fragten nach zentralen Sammelstellen für Hilfsgüter. „Noch können wir nicht alle Fragen beantworten, sondern müssen erst noch entsprechende Informationen sammeln. Wir werden aber die Öffentlichkeit über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden halten“, sagt der zuständige Koordinator André Fechner.

Die Stadtverwaltung bereitet sich auf die Aufnahme von Flüchtlingen vor. © Stadt Recklinghausen

Nach zahlreichen persönlichen Gesprächen gehe die Stadt davon aus, dass viele Recklinghäuser Familien mit ukrainischen Wurzeln ihre Verwandten selbst unterbringen und versorgen. Die Stadt verfüge aber auch über freie Kapazitäten in einer Größenordnung von 300 bis 400 Plätzen in ihren Flüchtlingsunterkünften, die kurzfristig aktiviert werden können. „Es hat sich als richtig erwiesen, dass wir diese nicht vorzeitig abgebaut, sondern als ,stille Reserve‘ behalten haben“, betont Sozialdezernent Dr. Sebastian Sanders.

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