Raupenplage

„Spinner“ befallen 224 Eichen in Recklinghausen

Hunderte Bäume in Recklinghausen sind von Eichenprozessionsspinnern befallen, am stärksten betroffen ist aktuell die Ortlohschule.
Mit speziellen Saugern werden die Nester der Eichenprozessionspinner von den Eichen entfernt, wie hier in Marl an der Langehegge. © Jörg Gutzeit

Lange Zeit war es ruhig um den Eichenprozessionsspinner. Keinerlei Hinweise deuteten im Frühjahr darauf hin, dass sich die Raupen bald auf den Weg machen – im Gegenteil. Es war zu kalt. Doch die Schonfrist ist inzwischen verstrichen. Nach Angaben der städtischen Pressestelle sind im gesamten öffentlichen Stadtgebiet bisher 224 Eichen befallen.

Am stärksten betroffen ist die Ortlohschule in Röllinghausen mit aktuell 32 Eichen. Auf Platz zwei liegt die Bladenhorster Straße im selben Stadtteil mit 19 befallenen Bäumen, auf Platz drei das Freibad Mollbeck in Speckhorn mit zwölf besetzten Eichen.

Allergische Reaktionen durch Brennhaare

Das wäre gar nicht weiter tragisch, wenn die Brennhaare der Raupen nicht so tückisch wären. Sie enthalten ein Eiweißgift, das bei Kontakt bei Mensch und Tier allergische Reaktionen, Schwindel, Fieber und in Einzelfällen sogar allergische Schocks auslösen kann.

Deshalb rät die Stadt, betroffene Gebiete zu meiden. Spazierwege hätten bislang allerdings noch nicht abgesperrt werden müssen. Die Kommunalen Servicebetriebe Recklinghausen (KSR) und weitere Firmen sind im Einsatz, um die Nester abzusagen.

Ein wahres Naturspektakel: Prozessionsartig befallen die haarigen Raupen die Eichen, hier in Marl. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Gewöhnlich entwickeln die Raupen ab dem dritten Stadium, üblicherweise Ende April, Anfang Mai, ihre gefährlichen Brennhaare. In diesem Jahr allerdings verzögerte sich die Entwicklung um einen Monat. Erst im Juni seien die ersten Nester in Recklinghausen gemeldet worden.

Das könne „an den tiefen Wintertemperaturen im Zusammenhang mit Tief ‚Tristan‘ Anfang Februar und den bis zu minus 15 Grad liegen, unter deren Einfluss möglicherweise einige Gelege auf der Rinde der Bäume erfroren sind. Möglich ist aber auch, dass der überdurchschnittlich kalte April, in dem die Eichen noch kein Blattwerk entwickelten, von dem sich die Raupen ernähren, Grund dafür ist“, teilte die Stadt Anfang Juni mit.

1793 betroffene Bäume im Jahr 2020

Die Witterung führte offenbar dazu, dass bislang nur wenige Eichen betroffen waren. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 waren 1793 Bäume befallen, 2019 waren es 1764. Laut Alfons Pennekamp, Hobby-Ornithologe beim Naturschutzbund Deutschland (NABU), könne es sein, dass sich Ende August, Anfang September eine zweite Generation von „Spinnern“ auf den Weg macht. Er geht jedoch davon aus, dass sich die Raupen künftig nicht mehr so massiv ausbreiten. „Die Ausbreitung verläuft in Wellen. Das wird auch wieder abklingen. Im Normalfall regelt das die Natur von allein.“

Per Hubsteiger werden auch die Baumkronen auf Nester kontrolliert. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Anfang Juli waren in Oer-Erkenschwick 25 Standorte von Eichenprozessionsspinner-Nestern befallen. Dort macht man die Plagegeister mit einem Sprühkleber unschädlich und saugt die Nester ab. In Marl kamen im vergangenen Jahr große Sprühkanonen mit einem speziellen Margosa-Extrakt, dem „Neem-Protect“, zum Einsatz. In diesem Jahr sei man bei der Behandlung sanfter vorgegangen und habe das Mittel aus geringer Entfernung auf die Eichenblätter gesprüht.

Auch im Nachbarort Herten hält man die Kombination aus Neem-Protect und Absaugen der „Spinner“ für die beste Lösung. In Recklinghausen will man allerdings vorerst auf den Extrakt verzichten, weil er auch anderen Insekten schade.

Info: Falls es zu Kontakt mit den Brennhaaren kommt, sollten so schnell wie möglich Kleider und Schuhe gewechselt und gereinigt werden. Die Kleidung sollte bei mindestens 60 Grad gewaschen werden, damit das in den Brennhaaren enthaltene Nesselgift zerstört wird. Nester können der Stadt per Melde-App oder montags bis donnerstags zwischen 8 und 15 Uhr sowie freitags zwischen 8 und 12 Uhr unter Tel. 50 2807 gemeldet werden.

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