Leser-Aktion

Stoischer „Coronaheld“ gibt Halt in der Krise

Wir haben unsere Leser gefragt: Wer ist Ihr persönlicher Coronaheld? Für Gabriele Weber aus Recklinghausen gibt es auf diese Frage nur eine Antwort: „Mein Mann.“
Kein Zweifel: Für Gabriele Weber ist ihr Mann Gerhard ihr Coronaheld. © Alexander Spieß

Gerhard Weber, ehemaliger Schlosser auf Blumenthal, passionierter Motorradfahrer und 72 Jahre alt, ist ahnungslos, als der Reporter plötzlich vor der Wohnungstür an der Menzelstraße steht. „Ich ein Held?“ Er fasst sich an den Kopf und muss sich erst mal setzen. Seine Frau Gabriele lacht herzhaft. Und genau das sei der Grund, warum ihr Mann ihr Coronaheld ist. „Gerhard bringt mich jeden Tag mindestens einmal zum Lachen“, meint Gabriele Weber. Ein Spritzer Lebensqualität im ansonsten weitgehend tristen Corona-Alltag.

Den ersten Lockdown noch gut verpackt

Vor genau einem Jahr ging die Außendienst-Mitarbeiterin bei Westlotto in den Ruhestand. Vorbei die Zeiten, in denen Gabriele Weber jeden Tag auf Achse war und Annahmestellen besuchte. Ihr Radius schmolz zusammen. „Den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 habe ich noch gut verpackt“, berichtet sie. Dann seien ihr die Einschränkungen doch merklich aufs Gemüt geschlagen. Denn mit dem Job brachen auch fast alle Freizeitaktivitäten weg. Wassergymnastik, Reha-Sport, Muskelaufbau für den lädierten Rücken – alles ausradiert aus dem Wochenplan.

Und die geliebten Urlaubsreisen? Ebenfalls Geschichte. „Meinen Ruhestand“, sagt Gabriele Weber, „habe ich mir ganz anders vorgestellt.“ Dabei sei ihr klar, dass sie „auf hohem Niveau“ jammere. „Wir haben wenigstens einen Balkon, auf den wir uns setzen können. Leute mit beengteren Verhältnissen und Kindern im Homeschooling trifft es noch viel härter.“ Im Grunde sei in dieser Zeit jeder ein Held, der seinen Dienst zu Hause oder auf der Arbeit verrichte.

Da haben sich zwei gefunden

Und was sagt Gabriele Webers persönlicher Coronaheld dazu? Er wiegt sein graues Haupt und nimmt das pandemische Übel stoisch hin. Genau wie die Stimmungsschwankungen seiner Frau. „Die erträgt er geduldig“, sagt Gabriele Weber. Wer die beiden beobachtet, stellt fest: Da haben sich offenbar zwei gefunden, die in der Coronakrise vielleicht noch ein Stückchen enger zusammengerückt sind und ganz bewusst gemeinsam durch diese Zeit gehen. Der Humor der Webers ist trocken. Kostprobe von Gerhard Weber: „Wir sind seit 44 Jahren zusammen. Es gab halt keine Alternative.“ Und schon hat er seine Frau wieder zum Lachen gebracht.

Vom Balkon geht der Blick ins Grüne

Vom Wohnzimmer und Balkon geht der Blick ins Grüne. Eine Wiese, Bäume, dahinter zu hören und zu erahnen: die Autos auf dem Westring. Der Verkehr dort sei mehr geworden, seit die A43-Brücke für Lkw gesperrt ist. Dennoch wollen die Webers nicht weg aus der Wohnung, in der sie seit 34 Jahren leben. Die beiden Söhne sind längst aus dem Haus. Es gibt Enkel. Und einen Coronahelden mit ausgeprägtem handwerklichen Talent. Die holzvertäfelte Decke des Wohnzimmers ist nur eines von vielen Projekten. „Mein Mann macht alles außer kochen“, schwärmt Gabriele Weber. Auch das mache ihren Helden aus. Früher beackerte Gerhard Weber unten noch einen Garten. Doch den hat er mittlerweile abgegeben. Die Webers wollten mehr Zeit haben für Reisen, die sie nun im Lockdown ohnehin nicht machen können. Aber das konnte ja niemand wissen.

Auch Gerhard Weber verbringt die meisten Tage zu Hause. Er ärgere sich über die vielen Leute, die es mit den Abstands- und Hygieneregeln nicht so genau nehmen. „Da bleibe ich lieber auf dem Balkon.“

Im Juni geht es nach Kühlungsborn – vielleicht

Bald wollen sich die Webers jedoch aufmachen. Sie hoffen wie viele andere auf bessere Zeiten. Mal wieder Urlaub machen können. Das wäre was. Im Juni soll es nach Kühlungsborn an die Ostsee gehen. Endlich wieder Seeluft atmen. Auf der Promenade flanieren. Schiffe gucken. Mehr brauche sie nicht, sagt Gabriele Weber. Die Chancen, dass es klappt, stehen nicht schlecht. Ende Mai bekommen die Webers ihre zweite Corona-Impfung. Vielleicht können sie dann schon ihre Koffer packen.

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