Zukunft so gut wie gesichert

Trainingsbergwerk hat Probezeit überstanden

Den Sekt haben sie noch nicht kaltgestellt beim Trägerverein des Trainingsbergwerks. Dabei hätten sie allen Grund dazu. Die Zukunft des Imitats ist so gut wie gesichert.
Die originalgetreue Bergbau-Atmosphäre ist das Erfolgsgeheimnis des Trainingsbergwerks. © Oliver Kleine

Das ehemalige Trainingsbergwerk der RAG an der Wanner Straße in Recklinghausen hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt. 800 bis 1000 Besucher fahren Monat für Monat ein in den Stollen und erleben originalgetreue Unter-Tage-Atmosphäre. Eine weit und breit einzigartige Attraktion.

Das im Juli 2019 gestartete Experiment, das ehemalige Trainingsbergwerk als Besucherbergwerk fortzuführen, scheint geglückt. Auch wirtschaftlich. Verluste mussten bisher nicht von der Stadt übernommen werden. Auch deshalb schlägt die Stadtverwaltung dem Rat in seiner Sitzung am Montag, 27. September (17 Uhr, Bürgerhaus Süd), vor, einer „unbefristeten Fortsetzung“ des Betriebes zuzustimmen. Den Haupt- und Finanz-Ausschuss sowie den Wirtschaftsausschuss hat das Papier bereits passiert.

Im Juni ist das Trainingsbergwerk aus dem Coronaschlaf erwacht. Seither sind sie wieder möglich, „Schnupper-“, „Erlebnis-“ und „Aktivführungen“. Auch heiraten kann man seit geraumer Zeit im trauten Stollen. Um ein Haar hätte allerdings die Coronakrise das Trainingsbergwerk dauerhaft stillgelegt. „Ohne die Vermietung unserer Büroflächen hätten wir das nicht überstanden“, sagt Uwe Seeger. Der Vorsitzende des Trainingsbergwerks-Vereins spricht von 2700 Quadratmetern Bürofläche, die auf dem Gelände vermietet werden können. 95 Prozent davon seien auch tatsächlich vermietet. Auch ein „Escape-Room“ ist auf dem Areal beheimatet. Die gute Anbindung an die A2 sowie die A43 mache die Flächen für Mieter attraktiv. „Außerdem“, so Seeger, „bieten wir günstige Preise an.“

Auch auf dem Außengelände des Trainingsbergwerkes steht beeindruckendes Bergbau-Gerät. © Oliver Kleine © Oliver Kleine

Die Einnahmen durch Vermietungen und Führungen dienten dazu, die „enormen Fixkosten“ zu decken. In erster Linie fielen Strom- und Heizkosten an. Im Gegensatz zu echten Bergwerken 1000 Meter unter der Erdoberfläche muss der oberflächennahe Berg des Trainingsbergwerks nicht gekühlt, sondern geheizt werden. „Sonst würde uns alles wegschimmeln“, sagt Seeger. Viel Strom koste der Betrieb der Großgeräte wie Senklader und Hobel. Die Besucher erleben die Gerätschaften in Aktion und dürfen je nach gebuchtem Paket auch selbst Hand anlegen.

„Die meisten Geräte werden mit 500 bis 1000 Volt betrieben“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Personalkosten fallen so gut wie gar nicht an. Uwe Seeger: „Wir arbeiten alle ehrenamtlich.“ „Wir“ – das seien rund 100 ehemalige Kumpel, die nicht nur die Technik erklären können, sondern den Besuchern der Führungen auch jede Menge Bergmannsgarn und Anekdoten aus einer für sie meist exotisch anmutenden Arbeitswelt bieten können.

Ursprünglicher Vertrag läuft Ende des Jahres aus

Die Fläche des Trainingsbergwerkes gehört dem Regionalverband Ruhr (RVR). Der Trägerverein übernimmt den Betrieb unter „eigentumsähnlichen Bedingungen“. Heißt im Klartext: Der Bergwerksverein trägt alle Abgaben und Reparaturkosten, muss dafür aber keine Miete oder Pacht entrichten. Der Vertrag läuft bis zum Jahresende und soll nun mit Zustimmung der Städte Herten und Recklinghausen unbefristet verlängert werden.

„In Zukunft“, sagt Uwe Seeger, „wollen wir noch etwas professioneller werden.“ Kontakte zu anderen großen Einrichtungen wie der Zeche Zollverein in Essen seien geknüpft. Sorge bereitet Seeger der Faktor Zeit: „Wer weiß, wie viele von uns in zehn Jahren noch Führungen geben können.“ Er selbst hat 44 Jahre unter Tage gearbeitet. Die meiste Zeit davon auf der Zeche Leopold in Dorsten.

Es kann nie schaden, die Weichen für die Zukunft frühzeitig zu stellen. Aber derzeit bricht an der Wanner Straße keine Hektik aus. „Noch“, sagt Uwe Seeger, „haben wir ein bisschen Zeit.“

Neben dem Trainingsbergwerk soll auch das nahe Besucherzentrum Hoheward auf dem Ewald-Gelände weiter betrieben werden. Auch darüber entscheidet der Recklinghäuser Rat am Montag. Das Zentrum wurde 2013 vom RVR gemeinsam mit den Städten Herten und Recklinghausen eingerichtet. Steigende Besucherzahlen sind das Hauptargument für die Verlängerung.

Der Abend in Recklinghausen

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