Jahresbericht Verbraucherzentrale Recklinghausen

Unseriöse Online-Händler im Fokus

Die Pandemie hat dem Beratungsbedarf von Verbraucherinnen und Verbrauchern keinen Abbruch getan. Vor allem Reisen und Online-Handel waren 2020 große Themen, sagt die Verbraucherzentrale.
Der Onlinehandel hatte 2020 Hochkonjunktur und habe auch unseriöse Anbieter auf den Plan gerufen, zieht die Verbraucherzentrale Recklinghausen Bilanz. © picture alliance/dpa/dpa-tmn

Die Corona-Krise hat ihre eigenen Gesetze, das hat auch die Verbraucherzentrale Recklinghausen im vergangenen Jahr festgestellt. Zwar bewegte sich die Anzahl der Beratungen mit 3100 Fällen auf dem gleichen Level wie 2019 (3045), aber vor allem durch die Themen Reisen und Online-Handel haben sich 2020 die Schwerpunkte verlagert.

Gutscheine statt Geld für ausgefallene Veranstaltungen und Reisen. Vermeintliche schufafreie Sofortkredite, die sich als kostenpflichtige Prepaid-Karten erweisen. Online-Bestellungen, die wochenlang unterwegs sind oder gar nicht eintreffen. Und nicht zuletzt einschüchternd auftretende Inkassobüros, die Verbraucherinnen und Verbraucher unter Druck setzen: Die Verbraucherzentrale Recklinghausen hatte auch 2020 reichlich zu tun. Martin Meiser, Leiter der Beratungsstelle an der Breiten Straße, stellte nun gemeinsam mit Wolfang Henkel und Nadine Koester – seit Februar in der Verbraucherzentrale Recklinghausen – den Bericht des zurückliegenden Jahres vor.

Beratungen per Telefon und E-Mail

„Auch wenn wir wegen der Pandemie einige Wochen lang keine persönliche Beratung anbieten konnten, waren und sind wir per Telefon und E-Mail stets mit Ratsuchenden in Kontakt“, sagt Meiser. Vor allem Auskünfte rund um Verbraucherrechte im Lockdown sowie angesichts von Öffnungen unter Auflagen seien im vergangenen Jahr stark gefragt gewesen: „Corona hat den Verbraucheralltag erheblich verändert. Der Onlinehandel hatte Hochkonjunktur und rief auch unseriöse Anbieter auf den Plan.“

ZUR SACHE

WELTVERBRAUCHERTAG

Der Weltverbrauchertag ist ein Aktionstag der internationalen Verbraucherorganisation „Consumers International“. Am 15. Mai wird öffentlich auf Verbraucherbelange aufmerksam gemacht. Der Aktionstag geht zurück auf US-Präsident John F. Kennedy, der am 15. März 1962 drei grundlegende Verbraucherrechte proklamierte.

Bei rund 1200 Rechtsberatungen und -vertretungen habe man sich zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt. 22 Prozent der rechtlichen Hilfestellungen erfolgte aufgrund von niedrigen Einkommen entgeltfrei, so Meiser.

Das Thema Reisen stand in der Statistik ganz weit oben

Angesichts von Reisewarnungen, Quarantäne- und Testpflichten, Absagen und Umbuchungen rangierten Anfragen rund ums Thema Reisen in der Statistik der Beratungsstelle ganz oben. „Oft beklagten Betroffene schleppende oder verweigerte Rückzahlungen von Veranstaltern bei Stornierungen sowie das Vertrösten mit Gutscheinen“, berichtet Verbraucherberater Wolfgang Henkel.

Ob gefälschte Internetseiten, Fakeshops, Phishing-Mails oder irreführende Werbung zu Sofortkrediten: „Immer wieder suchten Verbraucher unseren Rat, die auf unseriöse Angebote oder gezielte Betrugsmaschen im Internet hereingefallen waren und dann mit untergeschobenen Verträgen oder mangelhaften Warenlieferungen zu kämpfen hatten“, berichtet Nina Koester. Dass auf ihre Kosten eingekauft worden war, erfuhren Betroffene oft erst, wenn sie Rechnungen erhielten, unbekannte Abbuchungen feststellten oder sogar ruppige Inkassoschreiben im Briefkasten landeten. Auch verspätete Lieferungen im Online-Handel seien ein Schwerpunkt der Verbraucherzentrale gewesen.

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