Erinnerungen an den Bergbau (mit Video)

Unterführung mit General-Blumenthal-Motiven ist eröffnet

Zwischen Herner Straße und Kurt-Schumacher-Allee können Radelnde nun die Geschichte der Zeche General Blumenthal „erfahren“. Starker Regen hat einen Teil der Bergbau-Motive aber beschädigt.
Unter Tage in Recklinghausen: Als Vorlage für die Grafiken dienten Fotos aus dem Archiv des Geschichtskreises General Blumenthal. © Meike Holz

Schlechte „Wetter“ waren schon bei Bergleuten gefürchtet: Der Sauerstoffgehalt unter Tage nahm ab, der Anteil schädlicher Gase nahm zu. Und auch nun hat schlechtes Wetter dem Bergbau einen Strich durch die Rechnung gemacht. Teile der mit Bergbau-Motiven der Zeche General Blumenthal neu gestalteten Unterführung (wir berichteten) zwischen der Herner Straße und der Kurt-Schumacher-Allee sind noch vor der Fertigstellung vom Regen beschädigt worden. In den außenliegenden Bereichen des Tunnels ist schwarze und weiße Farbe ineinandergeflossen.

Das jedoch hat die Verantwortlichen nicht davon abgehalten, die Unterführung auf der Kunstmeile vorzustellen. Und warum auch? Schließlich ist nur ein kleiner Teil der Betonwände dem Wetter zum Opfer gefallen. Das Thema Bergbau dürfe man nicht nur rückwärtsgewandt betrachten, sagt Bürgermeister Christoph Tesche. An Oliver Marc vom umsetzenden Künstlerkollektiv Urbanisten gerichtet sagte Tesche: „Wir hoffen, dass es so gut angenommen wird wie die Gestaltung der Schlachthofbrücke gegenüber.“ Der künstlerische Anstrich der Unterführung habe eine „wahnsinnig gute“ Resonanz erfahren.

Dass die Urbanisten aus Dortmund nach der Gestaltung der nur wenige Meter entfernten Schlachthofbrücke erneut einen Zuschlag bekommen haben, sei Zufall, so Tesche. Damit nahm der Bürgermeister Bezug auf Kritik, die aufgekommen sei, weil keine Recklinghäuser Künstler mit der Gestaltung beauftragt worden seien. Der Auftrag sei „breit ausgeschrieben“ worden, so der Bürgermeister. „Am Ende kann es nur einen geben.“

Unter Tage im Süden, über Tage im Norden

Die südliche Seite der Unterführung zieren Motive aus dem Blumenthal-Bergbau unter Tage, die nördliche Seite schmücken Grafiken von über Tage. Der Geschichtskreis General Blumenthal lieferte dafür die entsprechenden Fotos. „Seit 20 Jahren sammeln wir Geschichten und Bilder von Bergleuten“, so Rolf Euler. Mit der Gestaltung der Unterführung wolle man an das Bergwerk und Tausende von Bergleuten erinnern, das sei man ihnen schuldig. „Die ehemaligen Bergleute haben die Motive von über und unter Tage aus ihrem Fotoarchiv sorgfältig ausgewählt“, berichtet Johanna Beate Lohff, Projektleiterin „Erinnerung an Blumenthal“, vom Entstehungsprozess.

Während die Grafiken im Inneren des Tunnels unbeschädigt blieben, habe es die „ganz alte Zechenansicht aus dem 19. Jahrhundert“ am westlichen Ende des Bauwerks erwischt, so Euler. Eine andere Szene zeigt „Jungs, die ihre Väter von der Schicht abholen“, oder besser: abfangen, damit diese nicht ihre Lohntüte in die nächste Kneipe tragen. Auf der „Unter-Tage-Seite“: Schwarz-Weiß-Grafiken, die die Arbeit im Stollen im Wandel der Zeit zeigen.

Jetzt heißt es, auf gutes Wetter zu warten. Sobald sich fünf trockene Tage am Stück abzeichnen, so Urbanist Oliver Marc, wolle sein Team die Arbeit fertigstellen. Die Mehrkosten, so Johanna Beate Lohff, seien über die Fördersumme gedeckt. Das NRW-Heimatministerium hatte die Gestaltungskosten der Unterführung im Rahmen des Programms „#heimatruhr“ in Höhe von 20.000 Euro voll übernommen.

Der Abend in Recklinghausen

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