Straßenserie

Viel Grün, Lamas und ein Gotteshaus

Sie bietet Eseln und Lamas ebenso ein Zuhause wie dem Sport – und muss ständig buchstabiert werden: die Lülfstraße in Recklinghausen-Suderwich.
Knotenpunkt: die Kreuzung der Lülfstraße mit der Ehlingstraße. © André Przybyl

Hand in Hand biegen ein Mann und ein Mädchen in die Lülfstraße ein. „Hallo!“, ruft die Kleine plötzlich. Mit einem Strohhut auf dem Kopf läuft sie um ihren Begleiter herum und versteckt sich hinter dessen Rücken. „Hallo!“, entgegnet dieser, lässt sich auf das Spiel ein und fängt sie. „Lass mich los!“, fordert darauf das Mädchen und läuft lachend vor ihm davon.

Hier endet die Lülfstraße, die sich über eine Länge von rund 900 Metern durch Suderwich schlängelt. Zur Linken erstreckt sich das Gelände der SG Suderwich, auf dessen grüner Mauer in weißer Schrift „Wir sind Surk“ zu lesen ist. Gegenüber fläzt sich die Helmut-Pardon-Sporthalle in der Sonne.

Wir sind Surk: Hinter einer grünen Mauer liegt das Gelände der SG Suderwich. © André Przybyl © André Przybyl

Sanfte Grashügel – von Eseln, Lamas sowie Gänsen bevölkert und mit diversen Spielgeräten ausgestattet – das ist die Bauspielfarm Recklinghausen, die auf die Sportstätte folgt. „Kommen Sie rein“, sagt Raphael Lämmerzahl. Er ist pädagogischer Leiter der Einrichtung. „Hier können Kinder spielen und Erfahrungen mit der Natur sammeln“, sagt er.

„Viele Kinder haben noch nie ein Lama gesehen“

Seit über zehn Jahren hat die Bauspielfarm ihr Zuhause an der Lülfstraße. „Während der Woche können zurzeit bis zu 20 Kinder von sechs bis 14 Jahren unser regelmäßiges Angebot nutzen“, erklärt Lämmerzahl. „Sie können Kettcar fahren, Trampolin springen und unsere Tiere kennenlernen.“ Daneben bietet die Einrichtung noch weitere Angebote wie beispielsweise ein Ferienprogramm an.

„Unsere Klientel ist verschieden“, berichtet Raphael Lämmerzahl. „Während das Ferienprogramm bunt gemischt ist, nutzen den offenen Bereich eher Kinder aus sozial ärmeren Familien.“ Die zunehmende Digitalisierung mache sich durch die Bank bemerkbar. „Häufig fehlt der Bezug zur Natur“, sagt er. „Viele Kinder können eine Gans nicht als solche erkennen und haben noch nie ein Lama gesehen.“

Corona hat auch die Bauspielfarm getroffen. „Von November bis Anfang Mai waren wir geschlossen“, erzählt Lämmerzahl. Unter Auflagen läuft der Betrieb nun wieder. „Aufgrund des langen Lockdowns haben die Kinder jetzt richtig Bock sich zu bewegen.“

Mit Esel: Raphael Lämmerzahl leitet die Bauspielfarm. © André Przybyl © André Przybyl

Hinter der Bauspielfarm liegt der Hochseilgarten Recklinghausen. In luftiger Höhe können hier Kletterinnen und Kletterer ausprobieren, ob sie schwindelfrei sind.

Weiter geht es auf der Lülfstraße gen Suderwicher Dorfkern. Links sind Flüchtlinge in Wohncontainern untergebracht. Nur wenige Autos, doch dafür zahlreiche Fahrräder stehen vor der Unterkunft. Der Weg präsentiert sich grün, ist von Bäumen und Sträuchern gesäumt. Fahrradfahrer sind ebenso unterwegs wie Spaziergänger, Frauchen und Herrchen gehen mit ihren Hunden spazieren.

An einer Unterführung ist für Autofahrer Schluss. Weiß-rote Pfeiler versperren die Durchfahrt. Danach ändert sich das Bild: Gepflegte Wohnhäuser säumen nun die Straße. Gelb, rot und violett blühen Blumen und Sträucher in den großzügigen Vorgärten.

„Den Straßennamen muss man ständig buchstabieren.“

„Sie wissen, wem wir den Straßennamen zu verdanken haben?“, fragt eine Frau. Mit Gartenschere und kleiner Schaufel bewaffnet, widmet sie sich gerade ihrem Vorgarten. „Ein Pfarrer, der hier tätig war, hieß Lülf mit Nachnamen“, fährt sie fort. „Den Straßennamen muss man ständig buchstabieren.“ Doch es gebe weitaus Schlimmeres als das.

Zur Sache

Nach Pfarrer Lülf benannt

Pfarrer Ludwig Lülf ist der Namensgeber der Lülfstraße. Der Geistliche war von 1921 bis zu seinem Tod 1927 Pfarrer in der Gemeinde St. Johannes in Suderwich. Er machte sich vor allem um das Armenwesen verdient. 1926/27 baute er das Caritashaus als Altenheim auf. Die Lülfstraße ist etwa 925 Meter lang. Sie erhielt ihren Namen im Oktober 1927. Vorher hieß sie Brucherstraße.

Dann ist die Kreuzung mit der Ehlingstraße erreicht. Zum Zentrum Recklinghausens sind es über fünf Kilometer, bis zum Dorfkern von Suderwich nur noch 400 Meter. Wohnhäuser bestimmen das Straßenbild auch im weiteren Verlauf. Die üppigen Vorgärten sind jedoch verschwunden.

Am Anfang: Nach einer Kurve entspringt die Lülfstraße der Sachsenstraße. © André Przybyl © André Przybyl

Das Altenheim St. Johannes kommt in Sicht, kurz darauf auch die gleichnamige Kirche. Laut katholischer Kirchengemeinde Liebfrauen, zu der das Gotteshaus gehört, wurde der Sakralbau 1904 eingeweiht. In dem 75 Meter hohen Kirchturm verbirgt sich mit der Johannesglocke eine der ältesten Glocken im Vest.

Nach wenigen Metern ist in einer Kurve schließlich das Ende der Lülfstraße erreicht. Ein Fachwerkhaus zur einen, eine große Eiche mit Holzschuppen dahinter zur anderen Seite. Und der Dorfkern Suderwichs mit seinem Brunnen, seinen Fachwerkhäusern und seinem Kreuz ist bereits in Sichtweite.

In Sichtweite: der Dorfkern von Suderwich, der Alte Kirchplatz. © André Przybyl © André Przybyl

Der Abend in Recklinghausen

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt