Schwimmkurse starten

Weniger Kinder machen Seepferdchen

In dieser Woche haben die Anfänger-Schwimmkurse wieder begonnen. Doch der Start nach langer Pause bringt Schwierigkeiten mit sich. Den Kindern fehlt die Übung, den Vereinen die Helfer.
Sophia (vorne) und Suraya haben das Seepferdchen bereits in der Tasche und üben nun für das Schwimmabzeichen in Bronze. © Alina Meyer

Es herrscht wieder Leben im Hallenbad an der Herner Straße. Im Schwimmerbecken strampeln junge Schwimmer mit bunten Nudeln um die Wette, nebenan im Nichtschwimmerbecken wagen sich die Vier- bis Siebenjährigen mit Zureden wieder ins kühle Nass. Hier und da fließen Tränen. Die Sorgenfalten von Friederike Redemann und Birgit Klein, zwei Schwimmtrainerinnen des SV Blau-Weiß Recklinghausen, sind groß.

Der Grund: Zehn Monate lang mussten die Kinder insgesamt auf ihren Schwimm-Unterricht verzichten. „Ohne die lange Pause wären wir schon viel weiter, die Wartelisten kürzer“, sagt Redemann, die auch Vorsitzende des SV Blau-Weiß Recklinghausen ist. 160 Kinder warten darauf, einen Platz beim Verein zu bekommen. „Manche sind schon in der zweiten Klasse und können immer noch nicht schwimmen. Wir haben einiges aufzuholen.“

Der Stadtsportverband bietet zusätzliche Kompaktkurse in den Sommerferien an, die Stadt hat die Nutzungszeiten der Bäder für die Schwimmkurse verlängert. Doch die fehlenden Übungsstunden sind nicht das einzige Problem. Genauso mangelt es dem Verein an Übungshelfern. „Viele unserer Helfer und Trainer sind noch nicht vollständig geimpft und haben Sorge, sich bei den Kindern anzustecken. Sie haben sich vorübergehend abgemeldet. Das kann ich nachvollziehen, immerhin gehen sie mit den Nichtschwimmern ins Becken rein und haben engen Kontakt.“

Keine Seepferdchen-Kurse bei der DLRG Recklinghausen

Bei der DLRG Ortsgruppe Recklinghausen sorgt dieser Umstand sogar dafür, dass aktuell keine Anfänger-Schwimmkurse angeboten werden können. „Unseren Übungsleitern ist das Infektionsrisiko zu hoch. Das muss ich respektieren. Sie engagieren sich ehrenamtlich“, sagt der Vorsitzende Gerhard Weiling. Alternativ bietet die DLRG nun eine Wassergewöhnung an. Dabei ist ein Elternteil mit Kind im Wasser, die Trainer geben Anweisungen – vom Beckenrand aus.

Dass im Juni größtenteils nur Zweitimpfungen angeboten werden sollen, schmälert Gerhard Weilings Hoffnungen, dass die Übungshelfer möglichst bald an der Impf-Reihe sind. „Ich hoffe sehr, dass die Inzidenzen weiter sinken und uns in die Karten spielen.“ Der TuW Recklinghausen-Süd wird die Anfänger-Schwimmkurse ab kommenden Donnerstag (10.6.) wieder aufnehmen.

Mütter freuen sich über Schwimm-Start

Die wartenden Mütter am Hallenbad an der Herner Straße sind froh, dass es in Sachen Schwimmenlernen vorangeht. Natalja Wolinski: „Mein Sohn Artem freut sich schon den ganzen Tag aufs Schwimmen. Schon im Kindergarten heute Morgen hat er nur davon erzählt. Er behauptet, dass er alles noch kann und nichts verlernt hat. Ich vermute trotzdem, dass einiges nachzuholen ist.“

Der fünfjährige Artem rutscht auch nach sieben Monaten ohne Schwimmunterricht noch mutig rückwärts ins Wasser. © Alina Meyer © Alina Meyer

Das bestätigt Schwimmtrainerin Birgit Klein, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Kleinsten das Schwimmen beizubringen: „Die Kleinen müssen erst wieder Vertrauen zum Wasser gewinnen. Wir haben mit der Seestern-Übung begonnen, bei der sich die Kinder mit dem Rücken aufs Wasser legen. Das war für viele eine Überwindung, obwohl wir das vorher monatelang geübt haben. Erst zum Ende der Stunde hin hat es wieder besser geklappt.“

Spielerisch an die Bewegungen gewöhnen

Die Trainer versuchen, die Kinder spielerisch an die Schwimmbewegungen zu gewöhnen. „Der Spaß wird bei uns groß geschrieben, sonst kann das schnell nach hinten losgehen“, weiß Friederike Redemann. „Die Kinder bekommen Panik und wollen plötzlich partout nicht mehr ins Wasser. Das wollen wir vermeiden. Sie sollten gerne zum Schwimmen kommen.“ Schließlich sei es wichtig, dass jedes Kind schwimmen lernt. „Schön wäre es, wenn jedes Kind zur Einschulung schwimmen kann. Das ist unser Ziel.“

Doch sicher schwimmen kann das Kind erst, wenn es das Schwimmabzeichen in Bronze erworben hat. Da sind sich die Vereine einig. „Die Anforderungen für die Schwimmabzeichen haben sich zuletzt verschärft mit dem Ziel, sichere Schwimmer aus den Kindern zu machen“, sagt Redemann. Und weiter: „Um das Seepferdchen zu erlangen, müssen die Kinder nun erkennbar ins Wasser ausatmen wie beim klassischen Brustschwimmen. Für das Bronze-Abzeichen muss das Kind jetzt per Kopfsprung ins Wasser springen. Das ist für die Kleinen eine Herausforderung.“ Aus diesem Grund wird der Kopfsprung beim SV Blau Weiß früh geübt. Mit einer lustigen Rutschmatte und ganz viel Spaß, versteht sich.

Lesen Sie jetzt