Ehre für Recklinghäuser Künstler

Wolter an den Wänden

Mit einer großen Ausstellung ehrt das Institut für Stadtgeschichte – Retro Station den Recklinghäuser Maler Clemens Wolter (1875-1955). Zu Lebzeiten war dem Künstler das nicht vergönnt.
Wolter wirkt (v.l.n.r.): Kuratorin Dr. Angelika Böttcher, Co-Kurator Dr. Werner Koppe und Stadtarchivar Dr. Matthias Kordes. © Jörg Gutzeit

Wo war Wolter? Dr. Angelika Böttcher und Dr. Werner Koppe haben den Recklinghäuser Künstler ausfindig gemacht, einen beachtlichen Teil seines Schaffens jedenfalls. 80 Exponate und dazu einige Fotografien des 1955 verstorbenen und (bislang) gemeinhin nur wenig bekannten und beachteten Malers werden ab dem 17. September im Institut für Stadtgeschichte – Retro Station ausgestellt. Kuratiert hat die umfassende Werkschau – die erste Wolter-Ausstellung überhaupt – Dr. Angelika Böttcher zusammen mit Dr. Werner Koppe.

Die Idee zur Ausstellung, die übrigens den Titel „Ein malerisches Fleckchen Erde – die Region Recklinghausen im Blick von Clemens Wolter“ trägt, entstand im Mai 2020 im Zusammenhang mit der Herausgabe eines Recklinghäuser Bildungsbausteins über die Altstadtschmiede, so erzählt es das Kuratoren-Duo. Parallel habe das soziokulturelle Zentrum ein Wolter-Gemälde erworben. „Der Aufruf, dass sich Besitzerinnen und Besitzer von Wolter-Werken bei uns melden sollen, brachte eine großartige Resonanz“, erzählt Böttcher. Mehr als 200 Bilder seien von rund 50 Leuten angeboten worden. Aus Platzgründen beschränkte man sich auf 80 Werke plus Fotos. „Er muss irrsinnig viel produziert haben“, sagt die Kuratorin. Sie schätzt, dass er in seinem Leben bis zu 1000 Bilder gemalt haben muss.

„Esseler Loh“ (1897) © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Künstler hat seinerzeit „offensichtlich nicht für seine Werke getrommelt“

Dass Wolter es nie zu Ruhm und Ehre gebracht habe, führt Böttcher darauf zurück, dass er ein zurückhaltender Mensch gewesen sein müsse, „der offensichtlich nicht für seine Werke getrommelt hat.“ Sie und Koppe haben bei der Auswahl der Leihgaben aus ganz Deutschland darauf geachtet, das Malspektrum von Wolter in seiner ganze Breite darzustellen. „Wir wollten nicht nur die Ölschinken zeigen“, sagt Koppe. Und so können die Besucherinnen und Besucher an der Hohenzollernstraße 12 nicht nur Gemälde im Großformat, sondern auch zahlreiche kleine und mittelgroße Objekte bewundern. Und so finden sich etwa auch Behänge für Krippen in der Schau. Mit diesen von Wolter bemalten Tüchern wurden die Beine der Tische, auf denen die Krippen standen, verhüllt.

Einige Motive ziehen sich wie ein roter Faden durch das Schaffen von Wolter. In mehreren Variationen hat er den Altstadtmarkt mit Pinsel und Farbe festgehalten. Auch der in der Mitte des 19. Jahrhunderts abgebrochene Quadenturm findet sich gleich auf mehreren Darstellungen des Malers. Die Kuratoren interpretieren das als Wolters Votum für den „in der Bürgerschaft diskutierten Wiederaufbau des Turms, der einst Bestandteil der mittelalterlichen Stadtmauer war“. Auf vielen Motiven des Künstlers findet sich zudem eine Postkutsche. Auch davon können sich Besucherinnen und Besucher bei der Ausstellung überzeugen.

Wolter kam 1875 in Lippramsdorf zur Welt und kam für seine Ausbildung als Maler und Anstreicher nach Recklinghausen. Er soll sein Geld unter anderem mit Auftragsarbeiten von heimischen Unternehmen verdient haben. „Deren Inhaber ließen sich nur allzu gern vom Heimatmaler porträtieren“, so Koppe. Fertigte Wolter vor dem Zweiten Weltkrieg vor allem sehr aufwendige Ölgemälde, produzierte er laut der beiden Kuratoren unter großem wirtschaftlichen Druck nach dem Krieg viele Bilder im Kleinformat.

Dr. Werner Koppe zeigt ein Bild von Wolter, das in einer nahezu mittellosen Phase des Künstlers aus Recklinghausen entstand. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Die Ausstellung wird am Freitag, 17. September, um 15 Uhr im Institut für Stadtgeschichte – Retro Station an der Hohenzollernstraße 12 eröffnet. Durch die Werkschau leiten Dr. Angelika Böttcher und Dr. Werner Koppe. Die Teilnahme ist kostenlos. Das umfangreiche Rahmenprogramm zur Wolter-Schau reicht von Vorträgen über Workshops bis hin zu Exkursionen und Stadttouren. Hier geht‘s zum Programm: www.retro-station.de.

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