Umwelt

„Kloake des Ruhrgebiets“: Emscher ist erstmals komplett abwasserfrei

Sie galt als „Kloake des Ruhrgebiets“, Kot und Dreck des Reviers flossen in den einst wohl schmutzigsten Fluss Deutschlands. Nun kommt die gute Nachricht: Die Emscher ist sauber.
Auf einem Schild steht «Emscher Genossenschaft – Emscher», während im Hintergrund die Emscher fließt.
Auf einem Schild steht «Emscher Genossenschaft - Emscher», während im Hintergrund die Emscher fließt. © picture alliance/dpa

Die Emscher im Ruhrgebiet ist nach aufwendigen Umbaumaßnahmen erstmals seit rund 170 Jahren vollständig abwasserfrei. In den Fluss, der einst als „Kloake des Ruhrgebiets“ galt, fließe ab sofort „kein Tropfen klärpflichtiges Abwasser“ mehr, teilte die Emschergenossenschaft am Montag mit.

Damit sei der „wichtigste und letzte Meilenstein des Emscher-Umbaus“ zum Jahresanfang geschafft. Bis zum Jahresende 2021 habe man dafür unter Hochdruck die letzten Nebenläufe erfolgreich an den unterirdischen Abwasserkanal (AKE) angeschlossen. Auch der WDR hatte berichtet.

1992 beginnt gewaltiges Öko-Infrastrukturprojekt

Die Emscher galt lange als wohl schmutzigster Fluss Deutschlands. 1992 begann dort das gewaltige Öko-Infrastrukturprojekt. Die gute Nachricht zum Jahresanfang 2022 laute nun: Der Fluss sei zum ersten Mal seit rund 170 Jahren wieder sauber, betonte die Emschergenossenschaft, ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen.

„Dass die Zeiten des stark riechenden Flusses nun endgültig der Vergangenheit angehören, bedeutet für uns alle einen riesigen Schritt in die neue blau-grüne Zukunft der Region“, sagte der Vorstandsvorsitzende Uli Paetzel.

Bis auf die Berne in Essen sind laut Genossenschaft alle Zuflüsse der Emscher ebenfalls von Schmutzwasserfracht befreit. Das Abwasser aus der Berne fließe jetzt über ein Provisorium direkt in den unterirdischen AKE-Kanal, so dass die Emscher wirklich komplett abwasserfrei sei.

Vor 30 Jahren hatte das Milliarden-Vorhaben an dem damals biologisch toten Fluss im bundesweit größten Ballungsraum begonnen. Es entstanden vier Großkläranlagen, mehr als 430 Kilometer neue unterirdische Kanälen waren verlegt worden. Die Erfahrungen aus dem Großprojekt könnten auch bei der Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Klimafolgenanpassung helfen.

Artenvielfalt an der Emscher hat sich verdreifacht

Parallel dazu wurden bereits rund 150 Kilometer an Gewässern renaturiert, wo den Angaben zufolge heute etwa Eisvögel, Libellen oder Stelzen leben. Die Artenvielfalt an der Emscher habe sich binnen 30 Jahren verdreifacht. Nun gehe es in die Phase der naturnahen Umgestaltung, unterstrich Paetzel. In den kommenden Jahren sollten auch viele Mitmachprojekte an den Gewässern ermöglicht werden.

Über viele Jahrzehnte hinweg waren Dreck und Kot großer Teile des Reviers in der 85 Kilometer langen Emscher gelandet. Das Gewässer wurde im Ruhrgebiet nur „Köttelbecke“ oder „die Schwatte“ (die Schwarze) genannt.

dpa

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