Tag des offenen Denkmals 2022: Rund 800 historische Gebäude haben ihre Türen geöffnet

Denkmalgeschützte Einrichtungen wie die Düsseldorfer Dominikanerkirche St. Andreas öffnen am 11.09.2022 einen ganzen Tag ihre Pforten.
Denkmalgeschützte Einrichtungen wie die Düsseldorfer Dominikanerkirche St. Andreas öffnen am 11.09.2022 einen ganzen Tag ihre Pforten. © Dominikanerkloster Düsseldorf
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Rund 800 historische Gebäude haben sich am Sonntag, den 11.09., am „Tag des offenen Denkmals“ beteiligt. Besucher konnten einen Blick in sonst teilweise nicht zugängliche Bauten werfen. An vielen Orten wurden Führungen oder Vorträge angeboten.

„Die derzeitige Lage erfüllt uns alle mit großer Sorge. Auch Kultur wird dabei gezielt zerstört, um Geschichte auszulöschen“, so Dr. Steffen Skudelny, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. „Gerade Kulturgüter verbinden Menschen und Völker über Grenzen und Zeiten hinweg.“ Am Sonntag, den 11.09., bestand die Möglichkeit, deutschlandweit eben diesen schützenswerten Kulturgütern nachzuspüren und sie hautnah zu erleben. Eine Auswahl von Gebäuden, die in Nordrhein-Westfalen dabei waren:

Alte Gartenstadt, Dortmund

Nördlich und südlich des Westfalendamms befindet sich dieses pittoreske Quartier, vornehmlich bestehend aus einer Villenkolonie, ab dem Jahr 1913 nach den Vorstellungen des damaligen Dortmunder Stadtrats Cremer realisiert. Vor allem die besondere Siedlungsstruktur und die spezifische architektonische Formensprache machen einen Besuch der Gartenstadt lohnenswert – es befinden sich gleich mehrere Gebäude auf der Denkmalliste der Stadt Dortmund. Am Tag des offenen Denkmals 2022 bestand die Möglichkeit, bei einer Führung die Alte Gartenstadt unter architektonischen und städtebaulichen Gesichtspunkten zu entdecken.

Christuskirche, Bochum

„Spuren der Kultur: Zerstörung, Neuanfang, Erinnerung“ – so der Titel einer Führung, die im Rahmen des Tag des offenen Denkmals 2022 in der Bochumer Christuskirche angeboten wurde. Die evangelische Kirche (Grundsteinlegung am 15.05.1877) befindet sich unweit des Bochumer Rathauses und gilt als Mahnmal gegen den Krieg. So erinnert die Gedenkhalle im Turm an den Ersten Weltkrieg – die Urkatastrophe Europas.

Das von Dieter Oesterlen gestaltete Kirchenschiff setzt sich mit der Vergangenheit, aber auch Gegenwart auseinander. Denn immer am 11.09. läuten die Glocken der Christuskirche, und zwar von 14:46 Uhr bis 15:03 Uhr: zur Erinnerung an die Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 sowie des Terrors weltweit.

Neugotisch, viergeschossiger Kirchturm, viel Ziegelstein: Die Bochumer Christuskirche zählt zu den epochalen Sakralbauten der Moderne. © Hartwig Dülberg

Heroldhaus, Essen

Erbaut in den Jahren 1954–55 von Architekt Emil Jung fungierte das Heroldhaus inmitten der Essener Innenstadt lange Zeit als Hauptsitz des gleichnamigen Versicherungsunternehmens. Seit 2010 steht das Gebäude unter Denkmalschutz, was nicht zuletzt an solch historischen Elementen wir dem imposanten Treppenhaus liegt. Dieses ist bis heute erhalten, auch, wenn das Heroldhaus mittlerweile ein Hotel beherbergt. Wer die Architekturgeschichte der deutschen Nachkriegszeit genauer unter die Lupe nehmen wollte, war hier am Tag des offenen Denkmals 2022 genau richtig: „Wie aus einem Verwaltungs- und Bürogebäude ein designorientiertes Hotel entstand“ – so der Name der Führung am 11.09.

Früher ein modernes Bürogebäude, heute ein designorientiertes Hotel: Das Essener Heroldhaus. © Motel One Essen

Abtei Hamborn, Duisburg

Im 12. Jahrhundert als Kloster errichtet und in der Folge durch den Erzbischof von Köln zur Abtei erhoben, litt das Gebäude immer wieder unter Kriegseinwirkungen und Zerstörungen. Im Jahr 1959 erfolgte die Wiederbesiedlung der historischen Stätte. Die Brüder der Abtei Hamborn sind heute in verschiedenen sozialen Bereichen und Gewerken tätig – am 11.09. rückte der Heimatverein Hamborn e.V. die heutige Abtei in den Fokus und stellte die Bedeutung des Prämonstratenser-Ordens für die Entwicklung der Einrichtung heraus. Zu jeder vollen Stunde konnten die Besucherinnen und Besucher die Paramentenkammer in der Abtei Hamborn besichtigen.

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Zum Tag des offenen Denkmals 2022 warteten in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen „200 Jahre Strukturwandel im Ruhrgebiet auf einem Durchmesser von 200 Metern“ auf neugierige Besucherinnen und Besucher. Der einst barocke Adelssitz mit Herrenhaus und Wirtschaftsgebäuden erfuhr Anfang des 19. Jahrhunderts eine klassizistische Modernisierung.

Nach Kriegsbeschädigungen kam es zum Wiederaufbau der Wirtschaftsgebäude; das Herrenhaus wich dem heutigen Museumsbau, in dem ein abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm immer wieder Leihgaben aus aller Welt zeigt. Ein Rundgang zeichnete die Entwicklung und den Kulturwandel des Hauses nach.

Der Strukturwandel im Ruhrgebiet lässt sich am Schloss Oberhausen bestens ablesen. © Untere Denkmalbehörde Oberhausen

Dominikanerkirche St. Andreas, Düsseldorf

Die Klosterkirche St. Andreas befindet sich in der Düsseldorfer Altstadt und fungierte in der Residenzstadt Düsseldorf einst als Hof- und Jesuitenkirche. Seit dem Jahr 1972 wird St. Andreas von den Dominikanern betreut. Besonders die markanten Stuckarbeiten im Inneren der Kirche (Früh- und Spätbarock) stellen einen echten Blickfang dar; Gleiches gilt für die lebensgroßen Statuen der Zwölf Apostel, die sich in den Seitenschiffen der Kirche befinden.

Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg schuf Ewald Mataré den Hochaltar neu. Am 11.09. bebilderte die Ausstellung „400 Jahre Grundsteinlegung von St. Andreas und 50 Jahre Dominikaner in der Düsseldorfer Altstadt“ die Geschichte der Kirche.

KolonialSpuren, Münster

Auch in Münster hat der deutsche Kolonialismus (1871 bis 1918) seine Spuren hinterlassen, die heute noch im Stadtbild der ehemaligen westfälischen Provinzialhauptstadt zu erkennen sind. Eine gründliche Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Münsters steht noch aus; vergessene und verschwiegene Spuren ließen sich am Tag des offenen Denkmals 2022 auf einer Radtour entlang der Promenade entdecken. Dabei bestand die Möglichkeit, kriegerische Aussagen verschiedener Ehrenmale kritisch zu hinterfragen und mit dem heutigen Denken zu vergleichen.

Eine kritische Auseinandersetzung mit Kriegsdenkmalen ist am 11.09. in Münster möglich. © Stadt Münster

Historisches Wirtshaus, Köln

Das historische Wirtshaus in Köln – auch als Haxenhaus bekannt – fand erstmals 1231 eine urkundliche Erwähnung. Einst war es Gasthaus für anheuernde Matrosen oder auch weitgereiste Pilger, heute heißt das unter Denkmalschutz stehende Haus als Restaurant in der Kölner Altstadt seine Gäste willkommen. Neben gutbürgerlicher Küche steht hier also auch ein gutes Stück Historie auf dem Programm: Nach einem ersten Ausbau im 13. Jahrhundert wurde das Gebäude im Zuge eines großen Hochwassers im Jahr 1784 im Sinne der damals neuesten Mode umgestaltet.



Außerdem sind in Köln zahlreiche Termine den romanischen Kirchen gewidmet. Auch viele Relikte aus der Römerzeit sind sichtbar, zum Beispiel ein 70 Meter langer Abschnitt der römischen Stadtmauer. Sie konnten am Denkmal-Tag bei Führungen besichtigt werden.

Das heutige Haxenhaus atmet Geschichte und lädt am Tag des offenen Denkmals 2022 auch zum Verweilen ein. © Achim Hehn

In diesen weiteren Städten können Denkmäler besichtigt werden

In Bonn etwa wurde die Alte Sternwarte der Universität geöffnet, in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Nachthimmel systematisch erfasst wurde. Krefeld öffnete ein historisches Klärwerk von 1908. Das Jugendstil-Bauwerk wurde hochwertig ausgestattet – obwohl Klärwerke sonst keine präsentablen Bauten sind. In Marl kam unter anderem ein ehemaliger Eisenbahnwaggon der Deutschen Post von 1974/75 zu Ehren, der heute in ein Haus integriert ist.

Bielefeld zeigte eine 1953 eingeweihte Radrennbahn aus Beton, die zu den schnellsten in Europa gehört und immer noch genutzt wird. Wuppertal beleuchtete das Freibad Mirke, das 1851 für den Schwimmunterricht eröffnet wurde und als Wiege der westdeutschen Schwimmbewegung gilt. In Aachen wurde ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg präsentiert.

mit dpa