Musik

„Alles war schön und nichts tat weh“: Das lang ersehnte Casper-Album

Der Rapper Casper hat nach endlich sein neues Album veröffentlicht. Er bleibt in den neuen Songs seiner Linie gewohnt treu und scheut sich nicht, auch mal düstere Themen anzusprechen.
Der Rapper Casper hat am 25.02.2022 sein fünftes Studio-Album: "Alles war schön und nichts tat weh" veröffentlicht. © picture alliance/dpa/CheckYourHead/Chris Schwarz

Nach fünf langen Jahren veröffentlicht der Wahlberliner und Befindlichkeitsrapper Casper nun endlich sein fünftes Studioalbum nach seiner letzten Platte „Lang Lebe der Tod“. Das neue Album trägt den lyrischen Titel „Alles war schön und nichts tat weh“ – ein Zitat aus dem Kurt-Vonnegut-Roman „Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“.

Wenn man sich die Themen, die Casper in seinen Songs behandelt, allerdings näher anhört, beschleicht einen schnell das Gefühl, dass vielleicht doch nicht alles so schön ist. Der Rapper ist ja bereits seit Beginn seiner Karriere dafür bekannt, sich in seiner Musik immer wieder auch mit den dunklen Seiten der menschlichen Psyche auseinanderzusetzen und das ist auch auf „Alles war schön und nichts tat weh“ der Fall.

Heftige Themen in den Songs verpackt

Der erste Satz, den der Zuhörer im Opener- und Titel-Song mit Geigeneinlage zu hören bekommt, lautet: „Ich hab heute wieder dran gedacht, dass ich mir zu viel Gedanken mach“. Klassisches Overthinking, wie es wohl viele kennen dürften. Und Casper, aka Benjamin Griffey, greift tatsächlich einige Themen auf, über die man sich viele Gedanken machen kann.

In dem Track „Wo warst du“ geht es beispielsweise um eine nicht zufriedenstellende Fernbeziehung, in „TNT“ featuring Tua um eine bipolare Störung, in „Billie Jo“ um das traurige Schicksal eines Kriegsveteranen und in „Fabian“ um den Tod.

Keine Platte für gute Laune

Neben der Psyche spielt auch das Weltgeschehen eine Rolle, wenn es in „Das bisschen Regen“ um die Klimakatastrophe geht. Alles Themen also, von denen man nicht unbedingt gute Laune bekommt und die einem den deutschen Winter nicht gerade versüßen.

Trotzdem wirkt die musikalische Produktion mit der Hilfe von Max Rieger von der Band „Die Nerven“ ein bisschen heller und optimistischer als noch auf dem Vorgängeralbum. Neben Caspers herausstechendem, rauen Gesang, überzeugt „Alles war schön und nichts tat weh“ vor allem auch mit einem interessanten Mix aus Rap, Indie, Postrock und Indie.

Casper bleibt sich musikalisch treu

Casper-Fans dürften mit dem neuen Album sehr glücklich sein, denn obwohl der Rapper sich an neuen Soundkulissen versucht, bleibt er sich seiner Linie im Grunde treu. Einige Songs auf dem Album hätten fast genauso auch auf seinem Durchbruch-Album „XOXO“ erscheinen können oder können nun auch als Fortsetzung verstanden werden.

Casper lässt tief in sein Seelenleben blicken und bietet dabei die Möglichkeit, sich mit ihm zu identifizieren. Musik muss nicht immer gute Laune machen und tanzbar sein. Manchmal darf Musik auch Fragen stellen und zum Nachdenken anregen.

Und vor allem kann man das neue Casper Album als Anlass dazu nehmen, „Schlachthof 5“ von Kurt Vonnegut zu lesen, falls man es noch nicht getan hat. Das ist nämlich auch ein wirklich tolles Buch!

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