Im Gespräch mit Scenario

Anne-Marie im Interview: „Musik ist Therapie für uns alle“

„Therapy“ heißt das neue Album von Anne-Marie und der Name ist Programm: Die Britin singt auf ihrer neuen Platte über ihre eigene Therapie und ermutigt ihre Zuhörerinnen zu mehr Selbstliebe.
Mit ihrer Single "Alarm" gelang Anne-Marie 2016 der internationale Durchbruch. © Bella Howard/Warner Music

Sängerin Anne-Marie (30) hat den Lockdown 2020 dazu genutzt, eine Therapie anzufangen. Für sie war diese Entscheidung der Schritt in die richtige Richtung und deshalb hat sie beschlossen, ihr neues Album „Therapy“ zu taufen. Die Platte ist nun draußen und wir haben mit Anne-Marie über einige ihrer neuen Songs und mentale Gesundheit gesprochen.

Dein neues Album „Therapy“ ist seit dem 23. Juli draußen. Was können diejenigen, die noch nicht reingehört haben, von der Platte erwarten?

Ihr könnt viele verschiedene Emotionen und Situationen erwarten, in denen ich mich in den letzten Jahren befand. Ich versuche immer, wirklich ehrlich in meiner Musik zu sein, also gibt es eine Menge trauriger, glücklicher, rachsüchtiger, wütender und Offenbarung-Songs. So fühlen sich hoffentlich viele angesprochen.

Der Name des Albums hat eine besondere Bedeutung. Du bist selbst seit einem Jahr in Therapie. Wie hat diese Entscheidung Dein Leben verändert?

Ich habe während des Lockdowns im Jahr 2020 mit der Therapie begonnen und es hat mir so sehr geholfen. Ich glaube nicht, dass ich die Musik gemacht hätte, die ich gemacht habe, oder diese Person wäre, die ich heute bin, ohne sie. Ich wollte es wirklich „Therapy“ nennen, um in ein paar Jahren, wenn ich älter bin, zurückzublicken und zu denken, „das war dieser große Moment der Veränderung“. Musik ist Therapie für uns alle. Ich habe das Gefühl, dass wir uns alle auf Musik verlassen, um uns durch traurige Situationen zu helfen. Hoffentlich kann dieses Album dies auch bei den Leuten bewirken.

Glaubst Du, dass psychische Probleme noch offener behandelt werden sollten?

Ja, ich glaube, sie sind ziemlich beängstigend für die Menschen, weil sie unsichtbar sind. Wenn man seinen Arm gebrochen oder einen Schnitt am Bein hat, ist es für alle sofort sichtbar und die Leute helfen einem. Aber wenn es unser Inneres betrifft und wir die Möglichkeit haben, es vor unseren Mitmenschen zu verstecken und so zu tun, als wären wir okay, scheint es viel schwieriger zu bemerken. Ich denke, dass jeder mit seinen Mitmenschen darüber sprechen sollte, was in seinem Kopf vor sich geht. Jeder sollte in der Lage sein, einfach herauszulassen, was er durchgemacht hat.

In dem Lied „Breathing“ singst Du davon, dass lieben genau so leicht ist wie atmen. Was ist Deiner Meinung nach das Schönste an der Liebe?

Ich würde sagen die Gesellschaft und das Vertrauen. Wenn es der/die Richtige ist, ist es pures Glück. Für mich waren es bisher oft die Falschen (lacht). Es war bisher für mich so eine Reise mit der Liebe… Sie hat mir geholfen, mich selbst zu lieben, denn das habe ich vorher nie getan.

Viele Deiner älteren Songs wie „Alarm“ oder „Ciao Adios“, aber auch die neuen wie „X2“ oder „Kiss My (Uh Oh)“, handeln von einem untreuen Kerl. Sind diese Lieder immer dem gleichen Mann gewidmet?

(lacht) Ich wünschte, ich könnte ja sagen, aber nein, sie sind alle unterschiedlichen Männern gewidmet. Ich erinnere mich oft an einen Manager, den ich vor Jahren hatte. Ich hatte zu der Zeit ziemlichen Liebeskummer und er meinte zu mir „Write Songs! This is where the best songs come from“. Wann immer ich seitdem in so einer Situation war, schreibe ich sofort darüber. Ich denke, sowas haben leider viele durchgemacht.

Die Lieder, bei denen es darum geht, betrogen zu werden, sind immer sehr kraftvolle Lieder, voller Energie und manchmal Rachegelüste. Liegt das daran, dass Du den Menschen lieber positive Kraft gibst, als sie durch emotionale Herzschmerzlieder zum Weinen zu bringen?

Ja! Ich versuche immer, als stärkere Person aus der Situation in dem Lied herauszugehen. Selbst in „Alarm“ oder „Then“ und „Ciao Adios“ gibt es wirklich traurige Situationen und ich glaube, wenn ich sie nur akustisch singe, kann man sehen, wie traurig ich bin. Aber ich denke, am Ende eines Herzschmerzes bist du immer ein stärkerer Mensch. Es ist nicht immer so, dass man sich völlig traurig und am Boden fühlt. Am Ende wird man immer stärker und das versuche ich zu vermitteln.

Das Duett „Our Song“ mit dem Ex-One-Direction-Mitglied Niall Horan hatte Anne-Marie bereits im Vorfeld ausgekoppelt. © Bella Howard/Warner Music © Bella Howard/Warner Music

Das Lied „Our Song“ ist ein Duett mit Niall Horan. Wie habt Ihr Euch gefunden und was macht Eure Beziehung so besonders?

Wir kannten uns schon eine Weile, aber nie so richtig. Ich wurde in einem Radio-Interview gefragt, mit wem ich gern zusammenarbeiten würde, und ich sagte mit Niall. Er muss das Interview gehört haben, denn er schrieb mir sofort: „Lasst es uns tun, lass uns ins Studio!“ Es hat so viel Spaß gemacht, weil ich den ganzen Lockdown über in meinem Wohnzimmer Musik gemacht und Songs geschrieben habe.

Und das war die erste Session, für die ich wieder ins Studio ging. Es war ein toller Moment wieder ins Studio zu kommen und Niall war großartig. Er ist so talentiert, wirklich lustig und es ist einfach liebenswert ihn um sich zu haben.

Dein Song „Beautiful“ handelt davon, sich selbst zu lieben. Warum glaubst Du, dass Selbstvertrauen und Zufriedenheit mit dem eigenen Körper so wichtig sind?

Der Grund, warum ich Songs wie diesen schreibe, ist, weil ich selbst so viel damit gekämpft habe, zu lieben, wie ich aussehe, und anzunehmen, dass ich ich bin. Ich musste auf diese Reise gehen, um zu erkennen, dass ich glücklich damit bin, wie ich bin. Und es dauerte so lange! Früher habe ich Lieder wie „Beautiful“ von Christina Aguilera gehört. Auch ich möchte Lieder haben, die die Menschen hören können, um sich zu stärken und sie auf den Weg der Selbstliebe zu bringen. Denn sobald du dich selbst liebst, scheint alles andere besser zu sein, du bist viel glücklicher und alles ist klarer. Es ist ein völlig anderes Leben, in dem du lebst, wenn du dich selbst liebst und ich versuche, die Menschen dazu zu ermutigen.

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