„Archive 81“ überzeugt mit tollem Plot und Ähnlichkeiten zu „Dark“

Freie Mitarbeiterin
Dan Turner, der Protagonist der Serie "Archive 81", soll für seinen Chef verbrannte Kassetten wieder herstellen. Die Inhalte der Kassetten machen ihn zunehmend neugierig und er beginnt mit Nachforschungen zum mysteriösen Visser Gebäude, in dem die Kassetten aufgenommen wurden. © QUANTRELL D. COLBERT/NETFLIX
Lesezeit

„Archive 81“ ist eine neue Sci-Fi-Mystery-Serie, die seit dem 14. Januar auf Netflix zu sehen ist. Alleinstellungsmerkmal ist, dass sie mit einem relativ innovativen Plot-Konzept um die Ecke kommt, das es so noch nicht oft gab.

Man verschmilzt mit dem Futon der eigenen Couch und vermag nur noch chirurgisch entfernt zu werden. Das heißt nicht zwingend, dass die Serie sensationell ist. Das heißt aber schon sehr, dass Showrunner Rebecca Sonnenshine (u.a. „The Boys“) imponierend akkurat ihre Angel zu ködern weiß.

Die Geschichte nimmt schon in der ersten Folge rasant Fahrt auf und versucht, mit diversen Zaunpfählen winkend, darauf aufmerksam zu machen, dass etwas faul ist. Dan restauriert alte Videotapes, Kassetten und sonstige Relikte der Ära Atari.

Sein Chef beauftragt ihn, eine Rutsche Aufnahmen wiederherzustellen, die 1994 von der Historikerin Melody im sogenannten Visser Gebäude produziert wurden. Ein Haus mit reichlich schlechtem Image, leicht brennbaren Bauelementen und lästiger Nachbarschaft.

Dan und Melodys Leben im Wechsel

Nicht zuletzt Melodys Charme lässt in Dan das Oxytocin brodeln, vor allem aber auch die Tatsache, dass sie seinen Vater kannte, der bei einem mysteriösen Brand ums Leben kam. Dieser Sachverhalt entfacht in Dan das Feuer der Neugierde (ha!) und so beginnt er mit einigen Nachforschungen.

Die Geschichte von Melody Pendras wird in einem zweiten Handlungsstrang erzählt. Sie ist die Macherin der mysteriösen Aufnahmen, die Dan in die Hände gefallen sind. © QUANTRELL D. COLBERT/NETFLIX

In einem parallelen Handlungsstrang verfolgen wir Melodys Leben auf der anderen Seite der Kamera. Sie ist auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter und alle Indizien führen sie in das Visser Gebäude. Ihre Mutter findet sie zunächst zwar nicht, dafür mancherlei seltsame Bewohner. Lärmbelästigung und Schimmel treiben sie allmählich in den Wahnsinn. Bis sie Dan kennenlernt.

Neben Rebecca Sonnenshine besteht das Macherteam von „Archive 81“ aus Menschen, die unter anderem für Produktionen wie „Stranger Things“, den „The Conjuring“-Franchise oder „Hellraiser“ verantwortlich sind. Es ist dementsprechend kaum verwunderlich, dass die gesamte Serie ein zärtlicher Liebesbrief an das Mystery-Horror-Genre ist.

Auch wenn die Serie hin und wieder droht unter dem Gewicht der sporadischen Langatmigkeit und den weitschweifenden Szenen einzuknicken, ist es das raffiniert eingesetzte Mystery-Element, dass einen bei der Stange hält.

Aufmerksames Zuschauen ist gefragt

Es ist spannend, gleichwohl auch wirklich verwirrend. „Archive 81“ ist keine Serie, bei der man gleichzeitig am Smartphone verfolgen kann, mit welch absurden Tweets Julian Reichelt der Gesellschaft wieder auf den Sack geht.

Aufmerksames und investigatives Konsumieren sind an der Stelle eine obligatorische Voraussetzung um dieses Netflix-Goldstück in Gänze genießen zu können.

Die akzentuiert gestreuten Irrungen und Wirrungen rund um das ersehnte Dénouement führen zunächst in einen retardierenden Moment, in dem man kurz Luft holen und sich sammeln kann. Die darauffolgende Auflösung ist ein Plot Twist par excellence, der wiederum auch einige Momente braucht, bis er in den Tiefen des Großhirns angekommen ist.

„Archive 81“ ist keine typische Horror-Serie, die mit blutigen Jumpscares oder brutalem Massaker auffährt. Nicht im Geringsten. „Archive 81“ lebt von dem atmosphärischen und kunstvollen Arrangement an Schauspielern, Setting, Kamera und natürlich der Art der Darstellung.

Found-Footage-Filme sind seit der Blair-Witch-Hexe ein erfolgreiches Instrument für Gruselgeschichten. Mit Elementen wie der zweiten Ebene, dem verschobenen Raum-Zeit-Kontinuum und den binauralen Klängen hat Genre-Galionsfigur „Dark“ schon gezeigt, was für einen imposanten Effekt es auf das Konsumerlebnis hat.

Ich würde sagen, die Macher von „Archive 81“ haben alles richtig gemacht und Netflix hat wieder einmal ein findiges Händchen bei der Auswahl der Inhalte bewiesen. Kann man absolut guten Gewissens empfehlen.