Corona-Pandemie

Corona-positiv: Der Moment, wenn der zweite Strich erscheint

Unsere Jugendreporterin Lena* hat eigentlich alles dafür gegeben, sich nicht mit dem Corona-Virus zu infizieren. Doch jetzt hat es auch sie getroffen. Wie sie diese Zeit erlebt hat.
Auch wenn man sie sich vorher vielleicht "gewünscht" hat, sind die Corona-Zwangspause und die angeordnete Isolation dann doch nicht so schön. © cottonbro von Pexels

Seit gut zwei Jahren unternehme ich mehr oder weniger alles, um mich nicht mit dem Coronavirus zu infizieren. Relativ schnell habe ich mich am Anfang isoliert und die Empfehlungen des RKI gewissenhaft umgesetzt. Natürlich hat man hier und da mal ein Auge zugedrückt und vor allem auch mal seine Freunde oder die enge Familie im Arm gehabt – vor allem als die Zahlen zwischenzeitlich mal wieder niedriger waren.

Aber generell würde ich sagen, habe ich mich ausreichend geschützt und bin bis dato ja auch ganz gut damit durchgekommen. Nun ist ja schon länger die offizielle Ansage, dass wir uns alle irgendwann sowieso infizieren werden und es nur eine Frage der Zeit ist, wann es so weit sein wird.

Feste Überzeugung, man könne sich nicht anstecken

Bei mir hat das so lange gedauert, dass ich vor kurzem noch voller Überzeugung war, dass es mich einfach nicht erwischen wird. Ich bin aus Teflon. Ich habe Corona-abweisende Superkräfte. Und so kam es dann auch, dass ich mich leichtfüßig, naiv und übermütig doch noch angesteckt habe.

In meiner Vorstellung muss ich sagen, ist dieser Moment, in dem der zweite Strich auftaucht, anders abgelaufen, als es nun letztendlich der Fall war. Ich wusste nämlich schon, was mir blüht, da ich engen Kontakt zu einem positiv getesteten Menschen hatte. Und nicht nur einem, der mir über die Corona-App angezeigt wurde, sondern einem, mit dem ich mir ein Bett, ein Badezimmer und die Couch teile, auf der ich abends Fernsehe gucke.

Sehnsüchtiges Warten auf das Testergebnis

Es war also wirklich nur eine Frage der Zeit, bis bei mir der zweite Strich beim Test erschien. Und da ich wusste, dass die Quarantänezeit meines Ansteckers schon lief und ich mich bis dahin nur freiwillig isoliert hatte, um nicht noch mehr Leute anzustecken, aber die offiziellen sieben bis 14 Tage für mich noch gar nicht angefangen hatten, wurde ich richtig ungeduldig.

Ich murrte, dass mein Test immer noch negativ sei, obwohl ich schon Halsschmerzen und Schnupfen hatte und ärgerte mich noch mehr darüber, dass meine Selbsttests zu Hause dann den zweiten Strich anzeigten, die offiziellen Teststellen aber immer noch keine Infektion bemerkten. Es war wie eine dunkle Gewitterwolke, die die ganze Zeit über mir schwebte und jeden Moment loslegen wollte.

Bestätigung löst mulmiges Gefühl aus

Das muss man sich mal vorstellen – zwei Jahre lang will man um um jeden Preis vermeiden sich anzustecken und dann wartet man auf einmal sehnsüchtig darauf. Sobald das offizielle positive Ergebnis und die Quarantäne-Anordnung dann kamen, war ich auch wieder in meiner Spur und musste erstmal verdauen, dass ich nun auch zum Kreis der Infizierten gehöre. Dass ich einer der mehreren Tausend Menschen bin, die jeden Tag in der Statistik aufgeführt werden. Dass ich gerade eine Krankheit habe, die so viele Menschen nicht überlebt haben.

Das ist dann doch irgendwie erschreckend, auch wenn ein größerer Teil ohne Probleme da durchgegangen ist. Am erschreckendsten ist aber eigentlich, dass man es sich die ganze Zeit Zeit wünscht – und wenn man dann auf einmal eine Woche oder länger Zwangspause hat, weiß man auch nicht mehr, was man mit dieser Zeit anfangen soll.

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