Persönliches

Die Zeit nach der Quarantäne: Vorstellung vs. Realität

Zu Hause in der Quarantäne malt man sich die Zeit danach wie das Paradies aus. Endlich an die Sonne, endlich Leute sehen. Dass die Realität ziemlich ernüchternd ist, merkt Annika jetzt.
Die Quarantäne-Zeit wird zur Zerreißprobe und die Tage, bis man endlich wieder vor die eigene Haustür darf, werden sehnsüchtig gezählt. Das weiß auch unsere Jugendreporterin Annika. © cottonbro von Pexels

Wenn man für eine gewisse Zeit dazu gezwungen ist, sich von anderen Menschen zu isolieren, kann das sehr auf die Stimmung gehen. Vor allem, wenn draußen das schönste Wetter ist und man in diversen Freunde-Gruppen auf WhatsApp und Co. mitverfolgen kann, wie sich alle für den Park oder fürs Eis essen verabreden.

Nicht, dass man es den anderen nicht gönnen würde. Man wäre nur selbst auch gern ein Teil davon. Stattdessen sitzt man aber zu Hause mit einer doofen, ansteckenden Krankheit und kann nichts so richtig machen.

Der Langeweile entspringt im besten Fall eine blühende Fantasie und so war es auch bei mir der Fall, dass ich ab Tag drei in Quarantäne sehnsüchtig darüber nachgedacht habe, was ich in der Zeit DANACH tun werde.

Einfach kurz die Wohnung verlassen

Auf Nummer eins ganz prominent, war schon allein die Vorstellung, nach draußen zu gehen, frische Luft einzuatmen und die Sonne auf der Haut zu spüren – ohne vor einem Fenster zu stehen. Also wirklich draußen sein.

Am Anfang habe ich mir dabei noch schöne Natur oder einen Stadtpark vorgestellt, doch zum Ende der Quarantäne ist man irgendwann nicht mehr wählerisch. Und wenn ich nur rausgedurft hätte, um das Altglas wegzubringen – ich hätte es freudestrahlend angenommen und mich gefreut, meiner Wohnung zu entkommen. Wenn auch nur für die zehn Minuten für den Weg zum Container.

Sehnsucht nach Menschen und Unternehmungen

Der zweite große Wunsch war es, auf jeden Fall auch Menschen zu treffen und sich über dies und jenes auszutauschen. Ich bin nicht so die große Telefoniererin, weshalb ich in der Zeit auch nur wenig Kontakt zu anderen Menschen hatte – auch digital nicht, denn wenn man eh schon unzufrieden ist, sollte man das Handy meiner Meinung nach sehr weit weglegen.

Vor allem Social Media, das voll mit Beiträgen darüber ist, wie viel gute Laune das Wetter gerade macht und wie toll alles ist auf Korfu, in Thailand oder in Costa Rica.

Ernüchternde Realität

Ich hatte jedenfalls große Lust, etwas mit meinen Freunden zu unternehmen und war ein bisschen enttäuscht darüber, dass sie scheinbar nicht genauso euphorisch auf den Moment gewartet haben, ab dem ich wieder frei und damit verfügbar für jegliche Schandtat war. Stattdessen wollten sie „noch was schaffen“ und hatten „andere Pläne“ für den Tag. Die anderen Menschen, die ich gern gesehen habe, haben sich in der Zeit meiner Quarantäne selbst irgendwo anders angesteckt und sind entweder offiziell oder vorsichtshalber selbst in Quarantäne.

Ich habe mir die Zeit nach der Quarantäne in den schönsten Farben ausgemalt. Ich habe dabei vergessen, dass eigentlich noch alles ist wie vorher.

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