Felix Jaehn über „Breathe“, seine Zeit im Kloster und Angela Merkel

Felix Jaehn hat sein neues Album "Breathe" genannt, weil er selbst versucht, auf eine kontrollierte Atmung zu achten, wenn er in Sorge ist. Die Songs auf "Breathe" haben deshalb auch alle eine besonders persönliche Note. © Viktor Schanz
Lesezeit

Atmen. Jeder von uns tut es über 15.000 mal täglich. Felix Jaehn hat über die Atmung nach einer schwierigen Zeit wieder zu sich gefunden. Passend dazu hat er am 1. Oktober sein neues Album „Breathe“ veröffentlicht. Wir sprachen mit ihm über seine neue Platte und die wichtige Bedeutung der Atmung für seinen Alltag.

Auf Deinem zweiten Studioalbum „Breathe“ thematisiert Du, wie Du nach einer langen Reise voller Panikattacken wieder begonnen hast, ruhiger zu atmen und zu Dir selbst gefunden hast. Wie gehst Du heute mit der Thematik um?

Ich versuche es jeden Tag, indem ich täglich meditiere, Yoga und Sport betreibe oder ein paar Dehnübungen mache. Dazu versuche ich mich gesund zu ernähren und im Alltag auf mich zu achten. All das, was ich die letzten Jahre an Wissen und Technik angehäuft habe, versuche ich in meinen Alltag zu integrieren. Manchmal ist es sehr herausfordernd, vor allem wenn ich unterwegs bin. Es funktioniert aber auf jeden Fall sehr gut.

Manche von unseren Leserinnen und Lesern kennen Panikattacken vielleicht aus ihrem eigenen Alltag. Hast Du einen Tipp für sie?

Was ich oft gerne mache ist, die Hände auf die Brust zu legen und zu kreisen. Dabei kommt man in Kontakt mit dem Körper. Dann schließe ich die Augen und zähle mit jedem Atemzug von zehn runter bis null. Tief zu atmen ist wichtig, denn dadurch wird der Atem immer ruhiger.

Die Theorie dahinter ist, die Atmung als Anker im gegenwärtigen Moment zu setzen. Immer wenn wir ängstlich oder gestresst sind, machen wir uns Gedanken. Diese Gedanken bringen uns nicht weiter, da wir das Endresultat sowieso nicht beeinflussen können. Wenn ich merke, dass ich in unnötigen Gedanken gefangen bin, versuche ich mich über den Atem zurückzuholen in den gegenwärtigen Moment.

Du hast eine Zeit lang im Kloster gelebt. Das war sicherlich seltsam, für jemanden wie Dich, der regelmäßig auf großen Bühnen steht. Wie bist Du damit umgegangen?

Mir ging es sehr gut im Kloster. Dort habe ich sehr viel Ruhe und Freude erfahren. Für mich war es wie ein Leben in Zeitlupe, weil man nichts erreichen musste und keine Termine hatte. Egal, was ich gemacht habe, ich habe es bewusst erlebt, beispielsweise das Trinken einer Tasse Tee. Ich habe eine Viertelstunde nur Tee getrunken.

In der Zwischenzeit habe ich den Dampf beobachtet, die Wärme der Tasse gespürt und gemerkt, wie der warme Tee meinen Körper aufwärmt. Durch die enorme Form von Fokussierung und Bewusstsein im alltäglichen Leben, bin ich sehr entspannt und glücklich geworden. Andererseits vermisse ich, wenn ich lange so ruhige Phasen habe, den Trubel und die Bühne. Ich brauche beides (lacht).

Was waren die größten Herausforderungen auf dem Album für Dich?

Eine der großen Herausforderung war, dadurch, dass ich die Texte mitgeschrieben habe und wollte, dass sie meine Geschichte zusammenfassen, die Texte so zu formulieren, dass ich mich darin wiederfinde.

Gleichzeitig sollten alle, die die Lieder hören, ihre eigene Interpretation finden. Allein dadurch, dass ich nicht singe, war es eine Herausforderung (lacht).

Parallel zu Deinem Album hast Du Deinen gleichnamigen Podcast „Breathe“ ins Leben gerufen. In der ersten Folge war Mark Forster zu Gast. Auf welche Gäste und Themen können wir uns in der kommenden Zeit freuen?

Ihr könnt Euch freuen auf Herbert Grönemeyer, auf Dagi Bee, Laura Malina Seiler und auch Clueso ist am Start. Viel mehr möchte ich noch gar nicht verraten. Thematisch hängt es vom Gast ab. Mit Herbert habe ich über die Polarisierung unserer Gesellschaft und Kommunikation, aber auch über die Musik gesprochen.

Mit Dagi habe ich viel über ihre Schwangerschaft gesprochen. Die Gespräche bekommen alle eine andere Farbe. Was das Ganze zusammenhält, ist der Titel des Podcasts „Breathe“.

Es gibt immer einen kleinen Schwerpunkt zum Thema Durchatmen, d.h. wie geht man mit stressigen Situationen um oder wird glücklich? Das ist ein Thema, was uns beschäftigt, und ich freue mich, dass so viele Menschen ihre Gedanken mit der Welt teilen.

Welche Person steht noch für eine Kollaboration im musikalischen Bereich auf Deiner Bucket-List und welche als Interview-Gast?

Auf die Musik bezogen würde ich sehr gerne einmal einen Song mit Sam Smith aufnehmen. Mal schauen, wann und wie realistisch das ist. Ich bleibe dran und hoffe. Für den Podcast würde ich gerne einmal eine Folge mit Angela Merkel aufnehmen, einfach weil sie eine sehr interessante Person ist.

Sie hat 16 Jahre ihres Lebens für uns alle investiert. Mich würde interessieren, was sie zu den Themen zu sagen hat, die ich auch gerne bespreche.

Was kommt in Zukunft? Gibt es eine Tour oder dürfen wir Dich irgendwo in NRW demnächst auf der Bühne sehen?

Könnt Ihr. Im November und Dezember ist eine Clubtour geplant. Da werden auch einige Termine in Deutschland dabei sein. Es ist alles ein bisschen kurzfristig, dadurch dass wir erst seit kurzem das „GO“ bekommen haben, dass wir spielen dürfen. In den nächsten ein bis zwei Wochen kann ich hoffentlich mehr über meine sozialen Netzwerke verraten.