Bundestagswahl 2021

Fragen an einen Nichtwähler

Bei jeder Wahl gibt es auch immer diejenigen, die sich enthalten. Die Gründe dafür können verschieden sein. Wir haben mit einem Nichtwähler gesprochen und ihn zu seinen Gründen befragt.
Nicht jeder geht den Weg ins Wahllokal. So auch Ben*, ein bekennender Nichtwähler. © pixabay.de

Bei jeder Wahl gibt es neben denjenigen, die pflichtbewusst zur Wahlurne gehen, und denjenigen, die gerne wählen würden, aber noch zu jung sind, eine Gruppe von Menschen, die sich bewusst dagegen entscheidet, an der jeweiligen Wahl teilzunehmen: die Nichtwähler.

Laut Bundeswahlleiter haben rund 24% der Wahlberechtigten bei der Bundestagwahl 2017 auf ihre Stimme verzichtet. Das mag viele Gründe haben: Politikverdrossenheit, Faulheit, Desinteresse oder die Einstellung, dass es auf eine Stimme mehr oder weniger nicht ankommen würde.

Auch Ben* (Name v. d. Red. geändert) hat mit seinen 29 Jahren noch nicht oft von seinem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Warum das so ist, hat er uns verraten.

Hast Du noch nie gewählt?

Ich habe mit 16 oder 17 an den Kommunalwahlen teilgenommen.

Warum gehst Du nicht zur Wahl?

Zu meiner ersten Wahl bin ich aus Neugier gegangen. Den folgenden Wahlen bin ich aus Faulheit und Desinteresse ferngeblieben. Zwischen 2012 und 2016 war ich überzeugter Nichtwähler mit der Begründung, das (Wahl-)System nicht aktiv unterstützen zu wollen.

Im Zuge der normalen intellektuellen Weiterentwicklung, sowie der Trump-Wahl 2016, hatte ich meine anarcho-kommunistischen und antikapitalistischen Wurzeln verlassen und realisiert, dass das Erwarten der Weltrevolution weder der Welt, noch mir persönlich hilft, und dass es durchaus möglich wäre, innerhalb des „Systems“ etwas zu verändern. In Deutschland gibt es meiner Meinung nach jedoch keine Partei, die gleichzeitig einen vernünftigen Diskurs führt sowie in der Lage ist, über die 5% Hürde zu kommen.

Was müsste sich ändern, damit du wählen gehst?

Sobald es eine Partei gibt, die die oben genannten Konditionen annähernd erfüllt, würde ich eine Wahl wieder in Erwägung ziehen. Dies wird jedoch wahrscheinlich noch 5-10 Jahren dauern.

Wie reagiert Dein Umfeld darauf, dass Du nicht wählst?

Die meisten stehen meiner Entscheidung negativ, aber verständnisvoll gegenüber. Unverständnis herrscht nur bei den Wenigsten. Meine Freunde teilen entweder diese Meinung oder sind desinteressiert.

Denkst Du dennoch, dass Du das Recht hast, politische Entscheidungen zu kritisieren?

Wer Kritik nicht an ihrer Substanz, sondern ihrer Berechtigung misst, hat den Sinn von Kritik nicht verstanden. Die Welt ist schön einfach, wenn man sich die größten Kritiker einfach wegdefinieren kann. Die Wahl ist zwar der formelle Ausdruck der Willensbildung des Volkes, die Willensbildung selbst findet jedoch vorher statt. Es gibt auch andere Ausdrücke der Willensbildung, die oft deutlicher sind.