Band-Porträt

Inhaler – junge Hunde mit riesigem Herz für die Musik

Die Rockband Inhaler kommt aus Dublin, ihr Sänger ist der Sohn von U2-Frontmann Bono, doch auf ihrem ersten Album „It Won’t Always Be Like This“ finden die Jungs bereits ihre eigene Stimme.
Josh Jenkinson (v.l.n.r.), Ryan McMahon, Elijah Hewson und Robert Keating machen seit 2016 unter dem Bandnamen Inhaler zusammen Musik. © Lillie Eiger/Universal Music

Seiner privilegierten Herkunft und den damit verbundenen Vorteilen ist sich der 21 Jahre alte Elijah, genannt Eli, Hewson zwar voll und ganz bewusst. Seine Eltern heißen Ali und Paul Hewson, letzterer ist von Beruf Sänger von U2. Zehren möchten Eli und seine drei gleichaltrigen Freunde Robert Keating, Josh Jenkinson und Ryan McMahon aber nur ungern vom Bono-Bonus.

„Wahr ist, dass sich die Türen anfangs für uns sehr schnell geöffnet haben“, sagt der Sänger und Hauptsongschreiber von Inhaler. „Aber sie hätten sich auch besonders schnell wieder geschlossen, wenn wir nichts taugen würden.“

Ein berühmter Vater reicht nicht für eigenen Erfolg

Jede Band, so Hewson, brauche eine Basis, ein solides Fundament. Mit einem der charismatischsten Musiker der Welt aufzuwachsen, reiche bei weitem nicht aus, um selbst einer zu werden. „Die Leute denken, dass es einfacher ist und ich mir vieles hätte abgucken können.

Aber etwas lernen kannst du nur, wenn du es selbst ausprobiert hast. Durch die Arbeit meines Dads sind wir ein wenig besser vorbereitet auf das Leben, das wir jetzt führen. Doch rauszugehen auf die Bühne und die Menschen von unserer Musik zu überzeugen, das liegt komplett in unserer eigenen Verantwortung.“

Es ist ganz lustig, mit Eli kurz über seinen Rock’n’Roll-Vater zu plaudern. Die beiden, so der Eindruck, haben ein herzliches Verhältnis, alles andere als frei von Frotzeleien. „Ich würde niemals auf einem Tourneeplakat unter ihm stehen wollen“, erteilt er der Idee eines gemeinsamen Stadionkonzerts grinsend eine Absage. „Und ich bin mir sicher, dass so einige Inhaler-Fans noch nie etwas von U2 gehört haben. Das ist ja eher die Musik ihrer Eltern.“

Kontaktverbot war schwer für die engen Freunde

Eli Hewson und seine Kumpane sitzen beim Zoom-Gespräch eng zusammengequetscht auf dem Sofa ihres Proberaums in Dublin, der Enthusiasmus der Jungs scheint riesig, sie wirken sympathisch aufgedreht. „Wir sind sowieso an den Hüften zusammengewachsen“, kommentiert der muntere Drummer McMahon die intime Nähe, und Gitarrist Robert Keating erinnert daran, wie hart jene drei Monate im vergangenen Frühjahr waren, als die Freunde komplett getrennt voneinander zubringen mussten.

Doch das Leben ist nun selbst in die corona-strenge irische Hauptstadt zurückgekehrt, die Jungs, die Anfang 2020 direkt nach einer triumphalen Japantournee durch den Lockdown hart ausgebremst wurden, üben gerade unermüdlich für die Konzerte, die dann hoffentlich bald stattfinden. Alles in allem wirken sie wie junge Hunde, die man im Park endlich von der Leine gelassen hat. Und sie klingen auch so.

Inspiration bei Rock-Größen gesucht und gefunden

„It Won’t Always Be Like That“, aufgenommen im vergangenen Sommer in London, ist ein Debütalbum, das vor Ideenreichtum regelrecht überschäumt. Die meisten der Songs machen ordentlich Dampf und gute Laune. Das vorab veröffentlichte „Cheer Up Baby“ ist die pure Indiepop-Heiterkeit, auch der Titelsong, der schon Jahre alt ist und von frühjugendlichem Liebeskummer handelt, oder auch das energetisch funkelnde „My Honest Face“ fördern die Bewegungslust der Hörenden.

Richtig nachdenklich wird es nur mal kurz im noch recht frischen Song „What A Strange Time To Be Alive“. Ein wenig erinnert Eli hier und da gesanglich an seinen alten Herrn, doch die musikalischen Inspirationen für Inhaler kommen aus anderen Ecken: The Strokes, The Killers, Interpol, Thin Lizzy, Roxy Music und sogar Duran Duran lassen sich als Einflüsse heraushören.

Herz schlug schon immer am meisten für die Musik

Inhaler ist zweifelsohne eine Rockband mit massivem Pop-Drall. „Mit zehn, elf Jahren waren wir von Gitarrenmusik total besessen“, sagt Hewson. „Später kam dann die Liebe zu Dance-Acts wie Daft Punk oder LCD Soundsystem dazu.“

Als Eli, Robert und Ryan (Josh stieß 2015 dazu) beschlossen, eine Rockband zu werden, gingen sie zusammen aufs St. Andrews College in Dublin. Auf die Schule als solche hatten sie nicht so richtig Lust. „Wir wollten immer nur Musik machen“, so Eli.

Schritt ins Erwachsenen-Leben ist eine verrückte Hürde

„Wenn du jung bist, willst du rebellieren. Gegen die Schule, gegen alles. Ich wusste, dass ich niemals einen herkömmlichen Bürojob haben wollte. Uns war allen klar, dass Musik ein wichtiger Teil unseres Lebens sein würde. Wir wollten einfach mitmischen und übten an fünf Tagen pro Woche.“

Mit 16 verließen die Teenager die Schule und stürzten sich zu hundert Prozent ins Abenteuer Rock’n’Roll, 2017 veröffentlichten sie eine erste Single, am Album selbst tüftelten sie drei Jahre lang.: „Die meisten unserer Songs handeln vom Großwerden“, so Eli Hewson. „Es ist ganz schön verzwickt, den Übergang vom Teenager zum jungen Erwachsenen hinzubekommen. Wir alle müssen irgendwie einen Weg suchen, um zu uns selbst zu finden.“

Was insbesondere in den vergangenen anderthalb Jahren nicht immer einfach gewesen sei. „Corona hat uns manches Mal deprimiert, aber das Virus hat uns nicht fertiggemacht. Wenn überhaupt, lachen wir jetzt noch mehr zusammen als früher. Und wenn die Party, die sich Leben nennt, endlich wieder richtig anfängt, dann wird sie gigantisch sein.“

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