Im Gespräch mit Scenario

James Blunt im Interview: „Gefühlvolle Songs sind die Besten“

James Blunt ist mittlerweile seit 17 Jahren im Musikgeschäft und hat einige große Hits auf dem Konto. Das nimmt er zum Anlass, ein musikalisches Best-Off zu veröffentlichen.
Sein Song "You're Beautiful" machte James Blunt 2004 berühmt. Sein kürzlich veröffentlichtes Best-Off-Album "The Stars Beneath My Feet (2004-2021)" umfasst seine 30 größten Songs aus den letzten 17 Jahren. © WMG

Nach ein paar gescheiterten Anläufen plant James Bunt jetzt seine Tournee für Ende März und April. Gerade hat der englische Singer-Songwriter seine Greatest-Hits-Sammlung „The Stars Beneath My Feet (2004-2021)“ veröffentlicht. Und auch Kneipier darf sich der Kumpel von Ed Sheeran, Elton John und Prince William neuerdings nennen. Grund genug, sich mit James Blunt zum Interview zu verabreden.

James, gab es den Plan, Deine größten Hits auf einem Album zu versammeln, schon lange?

Nein, gar nicht. Diese Überlegung war auch so ein Pandemie-Ding. Ich kramte durch meine alten Lieblingssongs, auch durch besondere Aufnahmen wie jene von meinem Auftritt beim „Glastonbury“-Festival, polierte ein paar alte, vergessene Demoversionen auf und band alles mit meinen sogenannten Hits zusammen auf diesem Album. Wenn du immer schon gewollt hättest, dass James Blunt nur ein einziges Album rausgebracht hätte, dann ist das hier ein Pflichtkauf für dich (lacht).

Kannst Du eigentlich vorhersehen, welche Deiner Songs Hits werden und welche nicht?

Ja und nein. Ich weiß, dass es mein Publikum mag, wenn ich ehrlich zu ihm bin. Sie mögen es nicht, wenn ich ihnen was vorspiele oder wenn ich gar versuche, andere Künstler zu kopieren. Die Debatte habe ich mit meiner Plattenfirma häufig, da hockt immer irgendjemand, der mir sagt „Produzier‘ die Nummer doch mal wie so und so, dann läuft sie besser im Radio“. Aber ich schreibe lieber Lieder wie „Monsters“.

In dem Song von Deinem letzten Album 2019 geht es um das Verhältnis zu Deinem kranken Vater.

Genau. „Monsters“ hat einen Nerv getroffen. Bei dem Song merken alle sofort: Das ist echt. Die Songs, die am nächsten dran sind an mir und meinen Gefühlen, das sind meine besten.

Du bist seit 17 Jahren sehr gut im Geschäft. Überrascht Dich Deine eigene Beständigkeit?

Ich hatte viel Glück. „You’re Beautiful“ war einfach solch ein abartiger Erfolg, dass ich mit dem Song schnell eine ziemlich hohe Umlaufbahn erreichte. Und irgendwie habe ich mich oben halten können. Besonders Deutschland ist immer ein wunderbarer, warmer Ort für mich und meine Musik gewesen. Als Kind habe ich zwei Jahre am Möhnesee bei Dortmund verbracht und diese Zeit in der Natur und mit vielen famosen Menschen wirklich geliebt. Und heute ist Deutschland das Land, in dem ich mehr Konzerte spiele als irgendwo sonst.

Um welche Form von Druck geht es eigentlich in deiner aktuellen Single „Love Under Pressure“?

Ich habe die Nummer mit meinem Kollegen und guten Freund Jack Savoretti geschrieben. Wir unterhielten uns über den Druck, den ich seit dem Brexit habe, zwischen meinen Wohnsitzen auf Ibiza und in London zu pendeln, weil das neuerdings alles viel komplizierter ist, und Jack meinte: Interessantes Thema, aber keins, für das sich mehr als fünf Leute interessieren. Also haben wir es wie ein Liebeslied aufgezogen.

Quasi als Zweitjob hast Du Dir vor drei, vier Jahren einen Pub gekauft. Wie läuft es eigentlich mit dem „The Fox & Pheasant“ im Londoner Stadtviertel Chelsea?

Exzellent. Die Atmosphäre in meinem Pub ist einfach phantastisch. Wir wohnen quasi um die Ecke, und ich bin bestimmt zwei bis drei Mal die Woche dort.

Bist Du Dein eigener bester Kunde?

Ich gönne mir ein Pint, aber ich versaufe nicht den Profit (lacht).

Warum hast Du die Kneipe gekauft?

Das war kein Kindheitswunsch, sondern eine spontane Entscheidung. Ich hätte mir nie träumen lassen, mal ein Pub zu besitzen. Aber es war halt meine Stammkneipe, und nach 170 Jahren fiel das Lokal allmählich auseinander. Als ich hörte, dass es verkauft und in ein Wohnhaus umgebaut werden sollte, entschied ich mich, das Gebäude selbst zu kaufen und „The Fox & Pheasant“ zu beschützen. Wir haben den Pub liebevoll restauriert und wirklich wunderschön gemacht. Die Pissoirs zum Beispiel sind die gleichen wie auch im Soho House in Berlin, und sogar das Essen ist richtig gut.

Du bist außerdem nun Gastgeber einer Bier-Show auf Amazon Prime. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Das ist nun wirklich mein absoluter Traumjob. Ich moderiere einen Bierbrauwettbewerb im Fernsehen. Ich denke, besser kann es nicht mehr werden.

Wenn alles gut geht, bist Du ab Ende März auf Deutschlandtournee. Wirst Du Dein eigenes Bier dabeihaben?

Nein, ich gucke in jedem Ort, was es so gibt, was die lokale Spezialität ist. Wenn ich den Deutschen bei einer Sache zu hundert Prozent vertraue, dann beim Bier (lacht).

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