Im Gespräch mit Scenario

Johannes von VIZE über Wunsch-Features und abstandsfreie Konzerte

Egal ob „White Lies“ oder „Never Let Me Down“ - Ihr werdet sicher schon zu einem VIZE-Song gefeiert haben. Wir haben Johannes, eins der Gesichter hinter VIZE, zum Interview getroffen.
Johannes (l.) und Vitali sind in der Musikbranche besser bekannt als VIZE. Ihre Songs laufen auf den Dancefloors Europas. © Ben Baumgarten

Seit zwei Jahren machen Johannes und Vitali als VIZE gemeinsam Musik. Entstanden sind in dieser Zeit bereits Songs mit Tokio Hotel, Joker Bra, Rea Garvey und Papa Roach. Wie sind die beiden zusammengekommen und wie teilt man sich als DJ-Duo die Arbeit auf? Wir haben Johannes im Interview gefragt.

Johannes, seit 2019 bist Du Teil von VIZE. Wie haben Vitali und Du zusammengefunden?

Wir haben uns schon vor acht oder neun Jahren über Facebook kennengelernt. Ich hab damals ein Video von ihm gesehen und ihn einfach angeschrieben. Wir haben dann auch schon vor VIZE zusammengearbeitet, in meinem Projekt „Vimalavong“. Da haben wir unter anderem für Dua Lipa oder Wincent Weiss zusammen Remixe gemacht.

Die Radio-Hörer werden Euch vor allem durch Dance-lastige Songs wie „Glad You Came“ oder „Never Let Me Down“ kennen. Ihr geltet aber auch – gemeinsam mit Newcomer Alott – als Gründer des neuen Genres „Prock House“. Welche Musik macht Ihr lieber, die radiotauglichen Dance-Songs oder die härten Prock-House-Titel?

Im Grunde macht alles Spaß. Das Prockhouse-Album ist Ende letzten Jahres auch etwas durch Corona entstanden, als die Clubs wieder aufmachen sollten. Es ist ein richtiges Club-Album geworden, auf dem wir Rock und Progressive House zusammengemixt haben. Aber wir sind eigentlich immer offen für alles! Man kennt uns ja auch für unerwartete Collabs und so soll es auch in Zukunft bleiben.

Wie teilt Ihr Euch Eure Arbeit auf? Wer übernimmt welchen Part im Studio?

Im Studio haben wir ein Team, bestehend aus Leony, die fünf Tage die Woche im Studio ist, Mark unserem Co-Produzenten und noch anderen Leuten. Vitali ist immer im Studio. Ich bin meistens auf den Shows unterwegs und manchmal kann ich Vitali auch überzeugen, dass er mitkommt. Wenn ich in Berlin bin, bin ich natürlich auch mit im Studio, aber Vitali ist wirklich sieben Tage die Woche dort. Wenn man ihn sehen will, muss man ins Studio kommen (lacht).

Gesanglich haben Euch schon viele bekannte Künstler begleitet, wie Tom Gregory,

Rea Garvey oder Mark Forster. Wer steht noch auf Eurer Wunschliste für Kollaborationen?

Der absolute Wunschkandidat ist Justin Bieber. Wir haben ihm auch schon bei Instagram geschrieben, aber er antwortet nicht (lacht). Es gibt aber auch super viele andere. Es kommt für uns oft auch gar nicht so sehr auf den Künstler an oder auf seinen Erfolg, sondern auf den Song. Wenn uns ein Song im Studio emotional catcht, dann haben wir Bock den zu machen. Wenn der Song geil ist, wird er gemacht – egal mit wem.

Von welchen Kollegen oder Künstlern lässt Du Dich inspirieren?

In erster Linie inspirieren einen natürlich die ganzen supererfolgreichen DJs, die seit Jahren schon da sind und vor denen man viel Respekt hat, wie Tiesto oder David Guetta. Aber auch in anderen Genres gibt es so viele krasse Artists, die einen inspirieren. Ich habe vor Kurzem zum Beispiel die Doku über Billie Eilish geguckt – die ist auch krass. Oder eben auch Justin Bieber. Nicht nur, weil er ein Superstar ist, sondern einfach, weil er so ist, wie er ist. Und im privaten Bereich sind es natürlich absolut meine Eltern, die mich inspiriert haben.

Ihr habt in den vergangenen Monaten wieder auf einigen Festivals spielen dürfen. Manche davon, auch wieder unter weitestgehend normalen Bedingungen. Macht es einen Unterschied wieder vor „normalem“ Publikum aufzutreten, das nicht auf festen Plätzen sitzt, sondern sich frei als Masse bewegen darf?

Auf jeden Fall! Wenn man ehrlich ist, merkt man, dass gleich eine ganz andere Stimmung da ist, ein ganz anderer Vibe herrscht, wenn kein Abstand da ist. Wir haben da in den letzten vier Monaten wirklich alles erlebt: Abstand halten, Sitzkonzerte oder im letzten Jahr die vielen Livestreams und Autodiscos.

Natürlich ist das ein komisches Gefühl bei einem Livestream. Man sieht die Techniker, die mit ihrem Stuff beschäftigt sind, aber nicht feiern und schaut selbst in acht Kameralinsen rein.

Man weiß zwar, dass da am anderen Ende vielleicht 2.000 bis 3.000 Leute sitzen und feiern wollen. Aber es ist als DJ dann wirklich eine Herausforderung den Vibe rüberzubringen, den man transportieren will. Man lebt ja nun mal vom direkten Feedback. Dass das jetzt aber wieder da ist, ist der Wahnsinn. Man fühlt sich wieder am Leben.

Du legst als DJ (normalerweise) auch viel in Clubs auf. Was macht denn für Dich eine gute Party aus?

In erster Linie kommt es auf die Leute an, mit denen ich da bin. Der Rest ist dann schon fast egal. Auf Platz zwei kommt natürlich die Musik. Und Platz drei wären dann die Location und die Getränke (lacht).

Bei welchem Song landest Du garantiert auf der Tanzfläche?

Das gabs einfach schon so lange nicht mehr, man kann sich das gar nicht mehr vorstellen. Ich habe ja nur auf der Stage gestanden, aber selber mal wieder feiern am Wochenende, war ich ewig nicht. Ich weiß gar nicht mehr, wie sich das anfühlt, im Club vor nem DJ zu tanzen (lacht). Wahrscheinlich würde ich zu jedem Song tanzen, nach dieser langen Zeit.

Der Abend in Recklinghausen

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.