Im Gespräch mit Scenario

Mark Forster in der Zone der Wahrhaftigkeit

Mark Forster erklärt im Gespräch, dass er Persönliches lieber in Songs verpackt, statt öffentlich darüber zu sprechen. So nun auch auf seinem neuen Album „Musketiere“.
Mark Forsters Album „Musketiere“ ist nach vier ausgekoppelten Singles nun endlich draußen. © Jens Koch

Viele kennen Mark Forster vor allem als quietschgutgelauntes Mitglied der Jurys von „The Voice“ und „The Voice Kids“. Aber im Hauptberuf ist der Mann aus dem pfälzischen Winnweiler natürlich Popmusiker und kein schlechter. Hits wie „Au revoir“, „Chöre“ und zuletzt „Übermorgen“ schlagen bereits zu Buche. Jetzt veröffentlicht der 38-Jährige sein fünftes Album „MUSKETIERE“, auf dem er in mal poppig-knalligen, mal zarten Farben die Geschichte einer erblühenden Liebe erzählt.

Mark, vier Singles hast Du aus dem „MUSKETIERE“-Album bereits vorab veröffentlicht, darunter „Übermorgen“, das schon im Mai 2020 rauskam. Wieso diese Häppchenstrategie?

Das ist die neue Welt. Früher brachte man ein Album raus und koppelte anschließend Singles daraus aus. Heute ist es umgekehrt. Jetzt kommen erst die einzelnen Songs, und das Album fasst dann alles nochmal zusammen. In der Streaming-Welt, in der wir jetzt leben, wird so einiges auf den Kopf gestellt.

Guckt man sich etwa bei YouTube die Kommentare unter Deinen Songs an, ist man überrascht, wie viele der Hörer aus Ländern wie Brasilien, Russland oder den USA kommen. Die verstehen kein Wort, finden Dein Zeug aber trotzdem super.

Das bin ich ehrlicherweise gewohnt. Ich glaube, das liegt nur in zweiter Linie an der Musik und in erster an meiner TV-Präsenz. Ich bin ja schon sehr lange im „The Voice“-Kosmos unterwegs. Da es „The Voice“ praktisch in jedem Land gibt, verfolgen auch weltweit Leute die Staffeln aus Deutschland – und finden mich irgendwie lustig. Dann gucken sie, was denn dieser Typ für Musik macht, und einige finden das dann eben gut. Ich bekomme sogar oft Nachrichten von Leuten, die mithilfe meiner Songs Deutsch lernen.

„MUSKETIERE“ ist ein Album im klassischen Sinne. Du erzählst die Geschichte eines Jungen und eines Mädchens, die sich näher kennenlernen, sich verlieben, zusammenkommen und am Ende zu dritt sind. Kann man von einem Konzeptalbum sprechen?

Das Wort „Konzeptalbum“ würde ich nicht in den Mund nehmen, weil es so unsexy ist. Wie auf allen meinen Alben habe ich auch auf „Musketiere“ darüber geschrieben, was bei mir gerade so los ist und was mich beschäftigt. Die letzten Platten „TAPE“ und „LIEBE“ waren eher wie Poesiealben, bei „MUSKETIERE“ ist die Geschichte chronologisch erzählt und konkreter. Mein Leben hat sich so ein bisschen zugespitzt, und ich merkte beim Schreiben der Platte, dass ich dieses Mal echt eine Geschichte erzählen kann.

Möchtest Du diese Geschichte in Worte fassen?

Hier stecke ich in einem Dilemma. Ich habe schon vor Jahren für mich entschieden, dass ich über mein Leben nur singe, aber nicht spreche. Würde ich jetzt darüber reden, hätte ich das Gefühl, ich könnte nicht mehr darüber singen. Für mich ist das Album jedenfalls wie ein kleiner Film.

Hättest Du vor ein paar Jahren gedacht, dass Dein Leben solch ein Drehbuch bereithält?

Nein, das habe ich nicht gedacht. Wenn man es sich genauer anschaut, ist mein Leben einigermaßen normal. Verändert hat sich die Art, wie ich über mein Leben schreibe. Ich denke, dass ich mit der Zeit besser darin geworden bin, Lieder zu machen, die man sich anhören und verstehen kann und die zudem meinem Gefühl von Coolness gerecht werden. Ich möchte sagen, ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich weiß, was ich tue. Und vielleicht ist „MUSKETIERE“ auch deshalb so stringent.

Besonders gelungen sind die intimen, kleinen Songs wie „Daheim“.

Ich bin in meinen Liedern ungefiltert. Das macht meine Musik auch aus. Ich habe keine Schere im Kopf und zensiere nichts, gleichzeitig möchte ich nicht bei RTL sitzen und meine Küche zeigen. Ich muss nicht alle Begehrlichkeiten befriedigen. Jenseits meiner Musik, die sehr offen und persönlich ist, nehme ich mir raus, einfach meine Klappe zu halten. Weil ich finde, ich darf das (lacht).

Wie locker schüttelst Du einen Song wie „Musketiere“ aus dem Ärmel?

Wenn ich erstmal in eine Zone der Wahrhaftigkeit gerate und in einem Zustand bin, dass ich so sehr fühle, dass ich das aufschreiben kann, geht es schnell. Aber da muss ich zunächst hinkommen. „Musketiere“ ist allerdings schnell, innerhalb eines Tages, in meinem Studio entstanden. Eben, weil ich in dem Moment sehr im richtigen Gefühl drin war.

Wie sehr ist „Übermorgen“ eigentlich von The Weeknds Megahit „Blinding Lights“ inspiriert?

Na ja, die 80er sind ja gerade überall. Das Jahrzehnt ist mit Macht zurückgekehrt in die Popmusik. Nicht nur The Weeknd, auch Dua Lipa, Miley Cyrus und nun auch Ed Sheeran mit „Bad Habits“ – alle sind stark von den 80er Jahren beeinflusst. Man kann einen Song immer auf die unterschiedlichsten Arten produzieren. Unterlegt mit diesem a-ha- und Alphaville-Gefühl hört sich Pop gerade einfach cool an. Der Text von „Übermorgen“ wiederum ist an Klaus Lage oder auch an Nena angelehnt.

Greifst Du mit „Mellow Mellow“ auf relativ spielerische Weise das Thema der psychischen Gesundheit auf?

Einen ernsteren „Mental Health“-Inhalt hat „Bist du Okay“. Nur verpacke ich die Aussage, dass ich bei jemandem eine Depression vermute, der oder die das selbst gar nicht weiß, in den sehr prolligen und eingängigen Sound von Vize. Bei „Mellow Mellow“ geht es eher um einen Typen, der es nicht aushält, wenn seine Freundin weint. Er missdeutet ihre Tränen, die ab und zu auch gewollt sind, und will sie verjagen.

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