Persönliches

Meine geheime Superkraft: Die Comedian-Resistenz

Annika hat ein heimliches Talent: Sie muss bei Comedy-Auftritten nicht lachen. Mit wenigen Ausnahmen, kann ihr niemand, der auf einer Bühne steht, ein Lachen entlocken. Woran das liegt?
Eine Bühne, ein Mikrofon und ein Comedian: Für viele ist da die perfekte Abendunterhaltung. Annika hingegen bekommt dort das Grauen. © pixabay.de

Ein Gedankenexperiment: Ihr sitzt in einem Publikum, es ist dunkel um Euch herum, bis auf die Bühne, die hell erleuchtet ist. Eine einzige Person steht vor einem Mikrophon und erzählt gefühlt seit zehn Stunden zusammenhangslose Geschichten, die jeweils auf einen bestimmten Punkt hinarbeiten.

Ist dieser Punkt erreicht, kugeln sich die Leute um Euch herum. Sie lachen und klatschen wie wild in die Hände und Ihr sitzt einfach nur da und guckt Euch das Spektakel an. „Warum lachen die jetzt eigentlich?“, geht es Euch durch den Kopf.

Zu berühmt und zu versessen ist unlustig

Dieses kleine Gedankenexperiment ist meine Realität. Immer, wenn ich Stand-Up Comedians sehe, dessen großes Ziel es ist, mir ein Lachen zu entlocken, werde ich zum lachärmsten Mensch der Welt. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht warum, weil ich im Alltag schon allein aus Höflichkeit bei jeder sich bietenden Gelegenheit lachen würde, damit mein Gegenüber sich nicht peinlich berührt fühlt.

Doch bei Berufskomikern – schwierig. Ich tu mich vor allem schwer, wenn ich das Gefühl habe, die Leute sind zu sehr bemüht.

Wer kennt sie nicht, diese Comedians, die sich immer weiter in eine ihrer Geschichten reinsteigern, um die Leute noch weiter zu reizen – doch irgendwann sind sie einfach nur noch laut, peinlich und nervig. Vor allem so schwachsinnige Komik, über die man in der Grundschule vielleicht herzhaft lacht, kommt bei mir überhaupt nicht an.

Und während ich dann da immer so sitze und mir den Kokolores anhöre, der da erzählt wird, wundere ich mich, dass ich die einzige im Raum zu sein scheine, die dem nichts abgewinnen kann.

Ausgeschlossen von der Allgemeinheit

Das ist ein super seltsames Gefühl, denn normalerweise habe ich in 99% der Fälle eine ähnliche Auffassung und Einschätzung der Dinge, wie viele Menschen. Würden wir über Tagesthemen oder die Frage diskutieren, ob es DIE oder DAS Nutella heißt, würde ich kaum aus der Reihe fallen und mich im Konsens bewegen.

Geht es aber darum, ob die Stimmenimitation von dem Typen da vorne gerade wirklich witzig war, muss ich für mich scheinbar verneinen, auch wenn der Rest des Saales vor Lachen auf dem Boden liegt.

Gute Miene zum bösen Spiel

Es ist ein ganz seltsames Gefühl, wenn man die Welt auf einmal anders wahrnimmt als seine Mitmenschen. Man fühlt sich ein Stück weit ausgeschlossen und vor allem beim Lachen möchte man ja gerne mitmachen. Ein falsches Lachen fühlt sich in so einer Situation aber auch wirklich nicht gut an.

Also sitze ich da, versuche zumindest meine Mundwinkel zucken zu lassen und alles daran zu setzen, dass keiner bemerkt, wie wenig ich von dem Programm entertaint bin. Alle Jubeljahre kommt dann mal ein Comedian, der meinen Humor trifft. Dann lachen aber die meisten anderen nicht mehr.

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