Pink Tax - Warum Frauen fast immer draufzahlen

Handelsübliche Pflegeprodukte für Männer und Frauen sind bei gleichen Inhaltsstoffen und gleicher Zusammensetzung oft unterschiedlicher teuer. © picture alliance/dpa
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Frauen und Männer sind zwar in vielen Bereichen verschieden, dennoch benötigen wir zur Körperpflege ein ähnliches Spektrum an Produkten. Egal ob Shampoo, Cremes oder Rasierer, jeder einzelne von uns benutzt sie.

Beim Einkauf im Supermarkt werden diese Produkte dann in verschiedensten Varianten angeboten, um möglichst gut an die Bedürfnisse der Kunden anzuknüpfen.

Vermeintliche Steuer auf Frauenprodukten

Würde man nun allerdings zwei identische Einkäufe miteinander vergleichen, einen, nur mit Frauenprodukten und einen, ausschließlich mit Männerprodukten, würde es an der Kasse zu einer bösen Überraschung kommen: Die Frauenprodukte sind nicht nur im Durchschnitt, sondern auch bei quasi jedem Einzelteil, teurer.

Dieses Phänomen bezeichnet man metaphorisch als „Pink Tax“, zu Deutsch „Pinke Steuer“. Hierbei handelt es sich natürlich nicht um eine echte Steuer, mit diesem Begriff wird der Aufpreis von Produkten oder Dienstleistungen beschrieben, der speziell für Frauen angeboten wird.

Gleiches Produkte, verschiedene Preise

Somit geht dieses Phänomen sogar über den Supermarkteinkauf hinaus: Auch bei allerlei anderen Gebrauchsgegenständen, Spielzeug oder dem Friseur ist ein deutlicher Preisunterschied zu erkennen. Am höchsten fällt dieser Unterschied allerdings bei Pflegeprodukten auf.

Vergleicht man beispielsweise zwei Rasierschäume derselben Marke, ist das Produkt für Frauen im Verhältnis doppelt so teuer! Hier könnte man eventuell damit argumentieren, dass die Produkte verschiedene Inhaltsstoffe enthalten. Das ist natürlich richtig, doch die Basis beider Schäume ist fast identisch und dieser enorme Preisunterschied ist nichtsdestotrotz komplett unverhältnismäßig.

Größere Kaufbereitschaft bei Frauen

Noch unfairer wirkt dieser Aufpreis bei Produkten, die nicht mal eine Liste mit Inhaltsstoffen besitzen. Einwegrasierer sind da ein gutes Beispiel. Trotz gleicher Klingenanzahl und gleichem Hersteller haben die beiden Rasierer unterschiedliche Preise. Augenscheinlich sind sie nur wegen verschiedener Verpackungsfarben unterschiedlich teuer.

Doch wie kommt dieser Preisunterschied zustande? Fast alle Studien in diesem Zusammenhang kommen zum gleichen Schluss: Frauen sind im Durchschnitt eher dazu bereit, einen höheren Preis für Pflege und Dienstleistungen zu zahlen. Zudem werden Produkte für Frauen, in reinen Stückzahlen, deutlich häufiger verkauft.

Manipulatives Marketing

Außerdem kann man schon davon sprechen, dass die Gesellschaft erwartet, dass Frauen immer gepflegt und hübsch aussehen. In der Schule, im Berufsleben und sogar zu Hause ist es für Mädchen und Frauen wichtiger, IMMER gepflegt und gut aussehen. Diese erhöhte Nachfrage sorgt für einen Anstieg des Preises.

Eine weitere Studie hat zudem herausgefunden, dass Männer und Frauen beim Einkaufen unterschiedliche Prioritäten setzen. Während Männer häufig mit einem klaren Ziel einkaufen und seltener etwas mitnehmen, was nicht vorher auf der Liste stand, neigen Frauen eher dazu, spontane Einkäufe zu tätigen.

Diese Erklärungsansätze zeigen deutlich, dass Preisunterschiede bei identischen Produkten oder Dienstleistungen mit nichts anderem als manipulativem Marketing zu erklären sind. Aber sie sind vor allem eines: Unfair.